DAB+ Radio hören in Norwegen

Verfasst am 10.11.2017 | Abgelegt unter Gesellschaft / Leben in Norwegen, Politik / Wirtschaft / Wissenschaft

Norwegen stellt den Radioempfang komplett auf DAB+ um. Das UKW Netz wurde in den meisten Regionen bereits abgeschaltet, Mitte Dezember 2017 folgen die letzten beiden Provinzen.

Doch warum stellt Norwegen eigentlich auf DAB+ um? Ist der ganz Aufwand überhaupt notwendig und sinnvoll? Und wäre es nicht einfacher, UKW zu behalten oder das Radioprogramm über den Mobilfunk zu streamen? Eine schlüssige Antwort fand ich auf dieser Seite des Technischen Wochenblatts.

Zunächst einmal ist es interessant, dass beim Fernsehen schon längst die Umstellung auf digitalen Empfang erfolgte, in Norwegen, wie auch in Deutschland. Dies garantiert nun rauschfreie, hochauflösende Bilder und geschah ohne größeren Protest aus der Bevölkerung, obwohl viele Verbraucher neue Geräte oder Adapter kaufen mussten. Die Umstellung beim Radio auf DAB+ hingegen traf und trifft auf erheblichen Widerstand.

Warum kann nicht einfach der UKW-Betrieb weiter laufen?
In Norwegen ist auf Grund der Topographie das UKW-Netz nur gering ausgebaut, was den Empfang von landesweit nur sechs Sendern zu Folge hatte. Es ist möglich, die Kapazität auf 20 Sender zu erweitern, nur kostet dies viel Geld und würde die Investition in ein überholtes System bedeuten. Die teils veralteten, sehr viel Strom verbrauchenden, Anlagen müssten zudem zeitnah erneuert werden. Auf Grund der norwegischen Landschaft sind, z.B. im Vergleich zu flachen Ländern wie Dänemark, auch sehr viele Einzelsender nötig. Die Aufrechterhaltung von zwei Übertragungsarten ist daher extrem kostenintensiv.
Eine Abschaltung der veralteten, in die Jahre gekommenen UKW-Sender spart also Geld und Energie.

Warum kann das Mobilfunknetz nicht genutzt werden?
Mobilfunkmasten haben eine deutlich geringere Reichweite, selbst mit dem 5G-Standard, der eventuell 2020 seine Markteinführung erleben wird.
Vor allem in Ballungszentren würde die zusätzlich Nutzung durch Radiohörer die Sender zudem an ihre Kapazitätsgrenze führen.
Auch ist das Streamen für die Radiokanäle eine nicht ganz preiswerte Angelegenheit, denn es muss pro Hörer ein Entgelt bezahlt werden. Bei DAB+, und natürlich auch bei UKW, ist es egal, wie viele Menschen zuhören. Der Preis beleibt der gleiche. Der Mobilfunk ist keine Alternative.

Können das UKW-Netz nicht doch einfach ausgebaut werden?
Beim UKW-Netz ist pro Kanal ein Sender notwendig. Eine richtig gute Abdeckung erreichte in Norwegen nur ein Radiokanal, nämlich P1. Für diesen allein waren 1200 über das Land verteilte Einzelsender, also Funkmasten, notwendig. Die anderen Kanäle, nämlich NRK P2, NRK P3, P4 und Radio Norge, hatten eine deutlich geringere Reichweite. Bei DAB+ kann allein der staatliche NRK 14 Programme über einen Sender übertragen. Alle Programme haben die exakt gleiche Reichweite. Derzeit gibt es 762 Sendemasten, 100 sind in Planung und weitere sollen hinzu kommen, so dass es am Ende um die 1000 sein werden.
Die kommerziellen Radiostationen haben deutlich weniger Sender, nur 162 auf den hohen Gipfeln des Landes, erreichen aber trotzdem 92% der Nutzer.
Momentan gibt es in Norwegen 37 DAB+ Frequenzen. Jede Frequenz kann 14 Kanäle übertragen. Und obwohl viele davon von Lokalstationen und regionalen Sendungen genutzt werden, könnten sich rein theoretisch in Norwegen noch hunderte weitere Radiokanäle etablieren.

Wie funktioniert die Fehlerkorrektur?
DAB+ ist laut Experten der ideale Radiostandart für eine schwierige Topographie, also für Länder mit vielen Bergen und Tälern. Ist der Sender weit vom Empfangsgerät entfernt, wird das UKW-Signal immer schwächer und fängt schließlich an zu rauschen. Beim DAB+-Signal sind stete Fehlerkorrekturen möglich. Das Signal wird stet verstärkt, so dass die Empfangsqualität gleich bleibt.

Warum ist der  DAB+ Empfang im Auto schlecht?
Viele Norweger sind derzeit mit dem DAB+ Empfang im Auto noch unzufrieden. Laut Technikern liegt dies jedoch nicht an fehlenden DAB-Signalen, sondern an der Qualität der Antenne. Diese wurde oft an den Fenstern montiert und kann das Signal oft nicht empfangen, wenn es aus der „falschen“ Richtung kommt. Eine Erfindung der norwegischen Firma Switchon AS beschreitet nun einen anderen Weg. Ersetzt wird nun die UKW-Dachantenne durch einen digitalen Empfänger, was bisher nicht möglich war, bei gleichzeitiger Nutzung aller vorhandenen Leitungen im Auto.

Eine Übersicht über alle empfangbaren DAB+-Sender findet ihr hier. Wo, und in welcher Stärke, ihr diese empfangen könnt, verrät euch diese Karte. Wählt auf der Startseite zwischen den staatlichen Kanälen, NRK, und den kommerziellen.

Wenn ihr nun kein DAB+-Radio in eurem Auto habt und trotzdem in Norwegen Radio hören wollt, benötigt ihr einen DAB+ Radio Adapter, den es schon für knapp 70 Euro zu kaufen gibt.

Norwegeninfos:

Norwegen auf Amazon – Bücher, Bekleidung, Fahnen, Aufkleber.

Aktuelle Norwegen-Impressionen

Bilder meiner Reise nach Oslo im Mai 2018, anlässlich des norwegischen Nationalfeiertags. Die Reise fand in Zusammenarbeit mit dem Nordis-Magazin statt.

Buchtipps – Veröffentlichungen des Norwegen-Service

Martin Schmidt

Individualreiseführer:
Reisehandbuch NorwegenReisehandbuch Südnorwegen
City Trip Oslo, Bergen, Erfurt / Weimar

Bildband:
Thomas Härtrich & Martin Schmidt: Sehnsucht Norwegen

Sprachbücher:
Einstieg Norwegisch (Hueber Verlag)
Power Sprachtraining (Pons)
Oh, dieses Norwegisch (Conrad Stein Verlag)

Kleine Länderkunde

– 323.802 km² ist Norwegen groß, und damit etwas kleiner als Deutschland. Rechnet man jedoch den von Norwegen verwalteten arktischen Archipel Spitzbergen mit hinzu, sind es 384.824 km².

– Im Gegensatz zu Mitteleuropa ist Norwegen äußerst dünn besiedelt. Gerade einmal 5,2 Millionen Menschen sind im Lande der Wikinger und Elche zu Hause, 660.000 von ihnen wohnen in Oslo, 279.000 in der zweitgrößten Stadt Bergen.

– Norwegen streckt sich reichlich in die Länge. Ganze 1.572 km sind es vom Südzipfel, dem Kap Lindesnes, bis zum Nordkap. An seiner schmalsten Stelle misst das Land gerade einmal 6330 Meter.

– Die Landessprache ist Norwegisch, allerdings in zwei schriftlichen Varianten: bokmål und nynorsk. Dies macht sich auch beim Ländernamen bemerkbar. Heißt Norwegen auf bokmål „Norge“, so trägt das Königreich auf nynorsk die Bezeichnung „Noreg“.
Zweite Landessprache ist Samisch, wenngleich diese nicht alle erlernen müssen.

Bezahlt wird mit der norwegischen Krone.

Homepage-Tipps

– Auf dieser Seite kannst du im Norwegen-Shop Produkte aus und zum Thema Norwegen erwerben.

Norsk ! – So heißt meine Zeitschrift für alle, die Norwegisch lernen.

Fun Facts

-> Der Lærdalstunnel ist mit 24,5 km der längste Straßentunnel der Welt. Er führt von Lærdal nach Aurland in Westnorwegen und besitzt drei große, beleuchtete Felshöhlen, in denen man auch anhalten kann.

-> Der Fjærlandstunnel ist der einzige Tunnel der Welt, der unter einem Gletscher entlang führt.

-> Der Eiksundtunnel führt 287 m unter dem Meer entlang und ist somit der tiefste Untersee-Straßentunnel der Welt. Zumindest noch. Tiefere Unterseetunnel sind in Norwegen bereits im Bau.

Vermischtes

Web-Cams aus Norwegen:

Kleine Web-Cam-Sammlung Norwegen

Große Web-Cam-Sammlung Norwegen.

An- und Weiterreise Norwegen

– Ausweis reicht
– Kinder: eigener Kinderreisepass
– Zollvorschriften beachten (speziell für Alkohol und Tabak)
– Einreise mit Tieren -> Link
– Währung: Norwegische Krone (Kurs ca. 1:9,5)
– Geld: Abheben an Geldautomaten vor Ort möglich
– Ca. 50 Euro schon vorab auf der Bank tauschen
– Tipp: Infoseite der Kgl. Norwegischen Botschaft

Anreise
-> Auto:
Über Dänemark (Fähren ab Hirtshals)
Über Schweden (Fähren ab Kiel, Puttgarten, Travemünde, Rostock)
Ab Deutschland (Fähre Kiel-Oslo)

-> Billigflieger:
Norwegian: ab Berlin, Hamburg, Köln, München, Wien nach Oslo. Ab Berlin auch nach Stavanger, Bergen und Trondheim.

Reisen in Norwegen

-> Geschwindigkeitsbegrenzung:
Innerorts: 50 km/h, Landstr.: 80 km/h, Autobahn: 100 km/h

-> Reisegeschwindigkeit:
Durchschnittl. 60-70 km/h, Tagespensum: max. 200 – 300 km

-> Maut:
Kosten pro Urlaub ca. 30-60 Euro/Auto. An den Mautstationen einfach durchfahren.
Zahlung: Rechnung wird zugesandt. (Außer Atlantiktunnel)

-> Fähren:
An Hauptstr.: mehrmals pro Stunde. An kleinen Nebenstr.: 1-5 x / Tag.
Kosten pro Urlaub: 20-120 Euro (je nach Region)

-> Typisch Norwegen:
22.700 Brücken, 952 Straßentunnel, 32 Unterseetunnel und tausende Kreisverkehre…