Der Umgang mit Cannabis in Norwegen

Verfasst am 14.08.2016 | Abgelegt unter Zusatzrubrik Reisen

Im kommenden Jahr könnte sich der Umgang mit Cannabis in Norwegen eventuell ändern. Im vergangenen Wahlturnus trat die grüne Umweltpartei (Miljøpartiet De Grønne) zum zweiten Mal unter diesem Namen zur Wahl an und konnte bereits 2,8 Prozent der Wählerstimmen für sich gewinnen.  Bei den Kommunalwahlen 2015 waren es bereits 4,2 %. Ein Grund für diesen Erfolg ist möglicherweise auch das Wahlversprechen, die Cannabis-Politik im Land ändern zu wollen. Im Kern wollen die Grünen ein durch den Staat kontrolliertes Produktions- und Verkaufssystem für Cannabis ermöglichen und damit die momentane Politik ablösen – bisher wird der Besitz von Marihuana grundsätzlich bestraft. Dabei unterscheidet die Justiz zwischen zwei Sachverhalten: Der Besitz von bis zu 15 Gramm Marihuana wird mit Geldbußen bestraft, der Besitz von mehr als 15 Gramm oder der Handel damit wird mit Gefängnisstrafen geahndet. Damit gilt das skandinavische Land als einer der strengsten Cannabis-Verbieter innerhalb Europas.

Viele Einsatzmöglichkeiten

Von der Legalisierung, wie sie die Norwegischen Grünen fordern, würden nicht nur Konsumenten von Cannabis profitieren. Die Inhaltsstoffe der Hanfpflanze haben neben der berauschenden Wirkung auch und vor allem medizinische Effekte: Ein Paradebeispiel dafür ist das Hanföl, dem eine enorme heilende Wirkung nachgesagt wird. Kaltgepresstes Hanföl hat eine entzündungshemmende Wirkung, hilft bei Neurodermitis und verlangsamt den Alterungsprozess der Haut. Die darin enthaltenen Linol-, Omega-3- und Omega-6-Säuren machen es zudem zu einer gesunden Alternative zum Olivenöl. Die Inhaltsstoffe sollen sogar dazu beitragen, den Cholesterinspiegel um 15 bis 22 Prozent zu senken, wodurch sich das Risiko für Herzkrankheiten vermindern ließe.

Ein Knochenkraut

Weiter kann das Kraut laut einiger israelischer Wissenschaftler die Knochen stärken und dabei helfen, dass sie nach einem Bruch schneller verheilen. Grund dafür ist das im Hanf enthaltene Cannabinoid (CBD), das den Heilungsprozess von Knochen stark verbessert und sie robuster werden lässt. Die Forscher fanden ebenfalls heraus, dass die Knochenstärkung nicht durch das berauschende Tetrahydrocannabinol (THC) ausgelöst wird, sondern ausschließlich durch das ebenfalls im Cannabis enthaltene CBD. Somit würde die umstrittene berauschende Komponente des Hanfs bei der Herstellung medizinischer Präparate keine Rolle spielen.
In Norwegen sind solche Medikamente vereinzelt bereits erhältlich. Dabei handelt es sich allerdings um Präparate, die nur noch wenig mit der eigentlichen Pflanze zu tun haben. Die Wirkstoffe werden dazu aus dem Hanf herausgefiltert und später gesondert weiterverarbeitet.

Blick in die Zukunft

Ob Cannabis in Norwegen legalisiert wird, hängt allerdings stark von den Ergebnissen der nächsten Wahl ab. Bisher gehören die „Miljøpartiet De Grønne“ zu einer politischen Minderheit und sind auf starke Koalitionspartner angewiesen, um ihre Pläne in die Tat umsetzen zu können. Bisher sind die norwegischen Grünen jedoch die einzige Partei, die sich aktiv für eine Legalisierung einsetzt.

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