Henrik Wergeland – Norwegens großer Dichter und Freidenker

Verfasst am 17.07.2014 | Abgelegt unter Berühmte Norweger, Geschichte & Ortsgeschichten

Wergeland (17. 6. 1808-12. 7. 1845) gilt als einer der größten Poeten Skandinaviens, als unnachgiebiger Kämpfer für die Rechte der Schwachen und Armen und als einer der Väter des norwegischen Nationalbewusstseins. In Deutschland nahezu unbekannt, wird er in Norwegen geehrt und geliebt. Allerdings war dies bei weitem nicht immer so.

Wergeland wurde als Sohn eines Pfarrers in Kristiansand geboren. Die Familie zog später nach Eidsvoll, in die Nähe der Hauptstadt Christiania (Oslo). Wergeland studierte Theologie und Medizin, interessierte sich jedoch ebenso für Literatur, Zeichnen und Botanik. Besonders faszinierten ihn die Geschichte seines Landes und der 17. Mai, der Tag an dem im Jahre 1814 in Eidsvoll das neue Grundgesetz verabschiedet wurde.

Er verfasste Gedichte und Schriften im Stile der Romantik und der Aufklärung und engagierte sich für eine gerechte Gesellschaft. Wergeland trat unermüdlich für benachteiligte Randgruppen ein und scheute keine Konflikte, ungeachtet dessen, ob ihn diese finanziell ruinieren würden oder nicht. Allerdings führten genau dieses stets präsente Konfliktpotential, die extreme Unbeherrschtheit des Freidenkers und die zahlreichen Affären, die einem gelernten Theologen nicht gerade gut zu Gesicht standen, zu einer zunehmenden Isolierung. Als zudem seine Gedichte immer moderner, und damit für die Allgemeinheit immer unverständlicher, wurden und er, obgleich ein Verfechter einer republikanischen Staatsform, Sympathien für den nicht gerade beliebten König der Unionsmacht Schweden, Karl XIV Johan, entwickelte, wandten sich die meisten Bürger von ihm ab.

Doch Wergeland ließ sich nicht beirren. So arbeitete er weiter als unermüdlicher Poet und Volksaufklärer. Er versuchte die Arbeiter und Bauern des Landes von den enormen Möglichkeiten der neuen, fortschrittlichen Verfassung zu überzeugen. Zugleich setzte er sich dafür ein, dass aus eben dieser der so genannte Judenparagraph gestrichen wird, da er dem freiheitlichen Geist des übrigen Grundgesetzes widersprechen würde.

Sein immer stärker werdender Einsatz für das Vaterland, die noch junge Nation, die Feier des Nationalfeiertags, den 17. Mai, und den freien Menschen an sich führte dazu, dass sich die Norweger ungeachtet seines sperrigen Charakters ihm wieder zuwendeten. Die Ironie des Schicksals will es jedoch, dass dies erst zu jener Zeit geschah, als er bereits mit Verdacht auf Tuberkulose und unheilbar krank das Sterbebett hütete.
Wergeland schrieb dazu:

Jetzt, da ich kaum noch einen Liter Blut
In meinen Adern habe, bin ich gut,
jetzt, da ich sterbe,
gibt`s Büsten und Porträts, eh ich verderbe.

Dies, und das macht dieses Menschen so ungemein sympathisch, war jedoch nahezu die einzige leicht bittere Äußerung. Vielmehr entspricht dieses Zitat seinem wahren Charakter:

Ich schlechtgelaunt, Morgenblatt? Ich, der ich nur einen Sonnenstrahl brauche, um laut zu lachen vor Freude, die ich mir nicht erklären kann?

Todkrank schrieb er Hunderte Gedichte und Essays, über die Freiheit, das Leben und die Freude daran. Die Menschen versöhnten sich mit ihm und er sich mit ihnen. Wergeland erkannte, dass er durch seine Eskapaden und seine Unbeherrschtheit viele verletzt hatte. Und auch er hatte sich eine blutige Stirn zugezogen als er „… dem Prinzip „geradeheraus!“ gefolgt ..“ war. Freudig erkannte er: „Man hat mir die Stirn mit Lorbeer und Blumen gekühlt …“.
Hunderte besuchten ihn am Sterbebett. Und als er am 17 Juli, also heute vor 169 Jahren, beerdigt wurde, begleitete seinen Sarg nahezu die gesamte Stadt. Sein Grab stand noch lange offen. Am Ende des Tages war es bis zum Rand mit Blumen und Kränzen gefüllt.

 Wergeland gilt nicht nur als der bedeutendste Dichter Norwegens, sondern ebenso als Vorreiter für die norwegische Nation, ihren freiheitlichen, sozialen und inkludierenden Charakter. Noch heute ist eine Tradition der russ, also den norwegischen Abiturienten, am Nationalfeiertag, dem 17. Mai, zur Wergeland-Statue an seinem ehemaligen Wohnhaus zu ziehen und dem Freidenker eine rote Mütze aufzusetzen und ihn so zu ehren.

Quelle: Viele Anregungen entnahm ich dem Buch: Henrik Wergeland, Sujets aus dem Wallenstein Verlag.

Um Wergelands Charakter noch etwas zu umschreiben, noch ein paar Zitate:

Bokhyllen er den stige, hvorved du bliver din overmanns lige.
Das Bücherregal ist eine Leiter, durch die du dem Stärkeren/Überlegenen gleich wirst.

Den skjønneste jordens blomst er smilet.
Die schönste Blume der Welt ist das Lächeln

Vårt hjerte vet, vårt øye ser
hvor godt og vakkert Norge er

Unser Herz weiß, unsere Augen sehen
Wie gut und schön Norwegen ist.

Snakk aldri ondt om den som ikke er til stede.
Sprich niemals schlecht über jemanden der nicht zugegen ist.

Se nøye skal du øyne
det store i det små,
og guddomstanker høyne
på gressets veke strå.

Schau genau hin, wirst du erblicken
das Große im Kleinen
und des Gottesgedanken Größe
in des Grases schwachen Halm.

Som insektets stikk i muslingen, avler fornærmelser kun perler i mitt hjerte.
Wie des Insekts Stich in die Muschel, ernten Beleidigungen nur Perlen in meinem Herzen.

En hemmelighet er din fange så lenge du bevarer den, men du er dens fange dersom den blir kjent.
Ein Geheimnis ist dein Gefangener, so lange du es bewahrst, aber du wirst sein Gefangener, wenn es bekannt wird.

Hjertet styrkes ved å lide
Das Herz wird durch Leiden gestärkt.

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Norwegische Impressionen

(c) Reinhard Pantke

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Wusstest du schon, dass
… … es in Norwegen über 22.700 Brücken gibt?

Zitat:
„Was für ein Land, meine Heimat! Schneebedeckte Berge und der Geruch nach Heide und Moor. Eine frische Brise, die über kristallklares Wasser heranweht, von Fjorden, die sich in die verstecktesten Winkel schlängeln. Wo im Sommer die Sonne nie verschwindet, gerade nur den Horizont berührt, bevor sie wieder aufsteigt und ihre Bahn über den Himmel zieht.“ (Liv Ullmann, *1938, aus: Wandlungen)

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