Geschichte Norwegens

Die Geschichte Norwegens von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Geschichte Norwegens

1905 bis heute

Es folgt die Zeit der zwei Weltkriege, in denen das Land sich neutral erklärte. Allerdings ließ sich diese Nichteinmischung nur während des ersten durchsetzen, denn am 9. April 1940 kam es zum Überfall deutscher Truppen und Norwegen wurde so direkt in das Geschehen des Zweiten Weltkrieg involviert. Der König kündigte sogleich aktiven Widerstand an und es gelang der norwegische Armee sich den feindlichen Einheiten immerhin zwei Monate zu widersetzen. Der Angriff der Wehrmacht erfolgte unterdessen unter dem Decknamen „Weserübung“ und hatte das Ziel, der Rohstoffe des Landes habhaft zu werden, Narvik, von wo schwedisches Eisenerz verschifft wurde, einzunehmen und freie Bahn in Richtung der Sowjetunion zu schaffen. Zu diesem Zweck wurden entlang der Küste zahllose Bastionen, der sogenannte Westwall, erbaut. Anfang 1942 erhob sich der norwegische Kollaborateur und Nationalsozialist Vidkun Quisling, mit Billigung der Deutschen, zum Ministerpräsident, obgleich er in Norwegen so unbeliebt wie Ungeziefer in der Wohnstube war.

Am 8. Mai 1945 musste die deutsche Wehrmacht kapitulieren. Sie hinterließ ein, der Taktik der verbrannten Erde folgend, völlig zerstörtes Nordnorwegen. Alle Orte im Süden des Landes, in denen sich der König 1940 auf seiner Flucht in Richtung England aufhielt, waren dem Erdboden gleich gemacht. Über 10.000 Tode waren zu beklagen und viele seelische Wunden aus dieser Zeit sind noch heute bei älteren Norwegern nicht verheilt. Am 24. Oktober 1945 wurde der des Hochverrats und Mordes angeklagte Vidkun Quisling auf der Festung Akershus hingerichtet.
In der Folgezeit begann man mit dem Geld aus den Reparationszahlungen mit dem Wiederaufbau des Landes und der Gründung eines Sozialstaates nach schwedischem Vorbild. 1945 trat das Land als Gründungsmitglied der UNO bei, deren erster Generalsekretär der damalige norwegische Außenminister Trygve Lie wurde. Auch bekam man 1949, nach dem Scheitern eines Nordischen Verteidigungsbündnisses, ein Teil der NATO.

1969 wiesen Bohrungen in der Nordsee nach, was man schon seit Anfang der 60er Jahre dort vermutete, nämlich enorme Öl und Gasvorräte. Aus dem Aschenputtel wurde so ein Großverdiener.

Drei Jahre später, 1972, kam zum ersten Mal der Gedanke auf, dass man zwar nun ein Ölmagnat sei, sich aber doch wohl kaum von Resteuropa separieren könne. In einer Volksabstimmung über den EG Beitritt zeigte es sich aber, dass 53,5 % der stimmberechtigten Norweger diese Ansicht nicht teilten. Zu groß war die Angst vor einer Fremdbestimmung, die man doch bis 1905 hat über sich ergehen lassen müssen.

In den 80er Jahren konnte das Land dann, dank der Einnahmen aus dem gut laufenden Ölgeschäft, all seine Auslandsschulden zurück bezahlen. Da die wirtschaftliche Macht wuchs und man sich auch fähig fühlte in Europa noch stärker als bis jetzt aktiv zu werden, entschloss man sich Anfang der 90er Jahre zu erneuten Beitrittsverhandlungen mit der EU. Die Volksabstimmung erfolgte 1994 wohlweislich erst nach denen in Finnland und Schweden. Bei den skandinavischen Nachbarn waren, Umfragen zufolge, die EU-Akzeptanz größer als in Norwegen, und diese Länder sollten so eine Vorbildwirkung haben. Die damalige Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland verwies zudem auf mögliche günstige wirtschaftliche Auswirkungen, die ein Beitritt mit sich bringen könnte. Allerdings lies sich auch nicht verleugnen, dass diese nur den größeren Städten zu Gute kommen würden. In weiten Teilen hatte man berechtigte Ängste vor EU-Normen, Eurokratie und fremden Fischern in eigenen Gewässern. Folgerichtig entschied man sich auch diesmal mit 52,3 % gegen den Beitritt. Ganz entscheidend für den Ausgang zukünftiger Abstimmungen wird es sein, ob Norwegen in der EU seine Identität bewahren könnte. Zu kurz ist die eigene Historie, zu zerbrechlich die norwegische Selbstfindung. Und ruht der gleichfalls an gewisser Geschichtsarmut leidende Finne kontemplativ in sich selbst, und IST halt ein Finne, so muss es sich der gern von Selbstzweifeln geplagte Norweger noch immer wieder von neuem bewusst machen, wie durch exaltiertes Fähnchenschwenken.

Erschüttert wurde das Land am 22.7.2011 von den Anschlägen in Oslo und anschließenden Massaker auf der Insel Utøya. Es kamen 77 Menschen ums Leben.
Das Land reagierte geschockt, aber positiv entschlossen ließ sich nicht einschüchtern. Auf landesweiten Kundgebungen zeigten Hunderttausende Menschen, dass Liebe und Zusammenhalt stärker sind als Gewalt und Terror.

Bei den Wahlen am 9. September 2013 siegen die Konservativen. Erstmals wird die rechtspopulistische Fortschrittspartei an der Regierung beteiligt, obwohl diese mit über 7 % starke Stimmenverluste hinnehmen musste.

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Ölmuseum Stavanger