Stabkirchen

Die Stabkirchen in Norwegen zählen zu den architektonischen Besonderheiten Europas.

Stabkirchen

Die an asiatische Pagoden erinnernden Stabkirchen sind zweifellos Norwegens wichtigster Beitrag zur Welt der Architektur. Erbaut wurden die Gotteshäuser ab jener Zeit, da Olav der Heilige das Land christianisierte. Bis ins 14. Jahrhundert hinein entstanden so 700, vielleicht sogar 1000 dieser Bauwerke, von denen jedoch nur 29 erhalten geblieben sind. Zu viele wurden in Zeiten der Pest vernachlässigt und zerfielen. Andere wiederum wurden vor allem im 19. Jahrhundert abgerissen, um neuen, größeren und vor allem helleren Gotteshäusern Platz zu machen.
Von den noch heute in Norwegen zu bestaunenden Stabkirchbauten haben nur sechs noch ihre ursprüngliche Form, oder konnten in diese zurückversetzt werden. Häufig wurden Fenster eingebaut und man erweiterte die Gebäude zu einer Kreuzkirche.
In seiner ursprünglichen Gestalt besteht der Stabkirchbau aus steil übereinander getürmten Giebeldächern. Unten bilden sie Pultdächer, die den Söller, einen laubenähnlichen Umgang überdecken. Zwischen den Dächern befinden sich kleine Lichtschlitze. Da zur Bauzeit Glas in Norwegen noch nicht bekannt war, waren diese die einige Lichtquelle, für den düsteren, unbestuhlten Innenraum. Am Ende der Giebel thronen meist Drachenköpfe. Sie dienen der Dämonenabwehr und sind Ausdruck für den Wankelmut der Erbauer, konnten diese sich doch noch nicht zwischen altem Götterglauben und Christentum entscheiden. So stellt auch die prachtvolle Pflanzen- und Tierornamentik der Portale vereinzelt heidnische Motive dar, wie z.B. die Ranken der Weltenesche Yggdrasil. Gedeckt ist der Bau mit Holzschindeln. Diese müssen alle vier Jahre geteert werden, weshalb die Kirchen mal hell wie der Tag und mal dunkel wie die Nacht erscheinen.
Errichtet wurde eine Stabkirche auf Holzsäulen, den Staven, wovon sich auch der norwegische Name für das Gebäude ableitet: Stavkirke. Die Stämme dazu wurden zunächst im Wald entrindet, dann ließ man sie mehrere Jahre trocknen. Hernach setzte man sie im Ganzen nebeneinander auf ein Fundament und verband sie durch Andreaskreuze im oberen Schiff. Der Größe des Innenraums nach können verschiedene Bautypen unterschieden werden:
Numedals-Typ: Jüngster Typ; nur 1 Mast; typische Bsp.: Kirchen in Nore & Uvdal
Valdres-Typ: 4 Säulen; typische Bsp.: Kirchen in Hurum & Lomen
Sogne-Typ: 14 – 20 Masten; typische Bsp.: Kirchen in Borgund, Urnes, Lom, Hopperstad, Ringebu

Viele Stabkirchen wurden Ende des 19. Jahrhunderts in Freilichtmuseen versetzt, um sie so vor dem Verfall zu schützen. Besonders erwähnenswert sind die Gotteshäuser in den Museen zu Oslo (Folkemuseet) und Lillehammer (Maihaugen).
Bedeutende Stabkirchen am Originalstandort findet man u.a. in Borgund (die am besten erhaltene Kirche), in Urnes (dad älteste Haus, 1120 – 1150 erbaut), in Heddal (größte Stabkirche), in Lom, in Ringebu sowie in Nore und Uvdal im Numedal.