Sprache

Einführung in die Sprache – Sprachliche Parallelen – Wörterlisten für die Reise

Und übrigens: Å ist nicht nur ein norwegischer Buchstabe, sondern auch ein Ort auf den Lofoten.
(Quelle: wikipedia)

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Der Streit um das richtige Norwegisch – Bokmål / Nynorsk

Das Jahr 1814 markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung der norwegischen Sprache, da das Land im Zuge der napoleonischen Kriege als Reparationszahlung von Dänemark an Schweden fiel.
Der Unionswechsel wurde in Norwegen als Chance zu mehr Selbstständigkeit begriffen und es kam am 17. Mai 1814 zur Verabschiedung einer eigenen Verfassung, als Grundlage für ein neues nationales Selbstbewusstsein. In der nun folgenden Zeit der Identitätsfindung stellte sich alsbald die Frage, ob man denn wirklich das Dänisch, welches Amtssprache war, auch weiterhin als eigene Sprache anerkennen könne. Das Bürgertum schien damit wenig Probleme zu haben. Die ländliche Bevölkerung jedoch konnte und wollte mit der im fernen, städtischen Oslo angewendeten „Aristokratensprache“ wenig anfangen. Man unterhielt sich so oder so noch immer in völlig anderen, seit Jahrhunderten gewachsenen Dialektformen. Diese sah auch der Sprachforscher Ivar Aasen (1813-1896) als das urnorwegische Sprachsubstrat an. Er zog los, Wörter zu sammeln, Redewendungen aufzuklauben und das „Landsmål“, die neue Landessprache, zu kreieren. Diese vermochte es, die Bauerndialekte des Landes schriftlich gut wiederzugeben. 1885 wurde das Landsmål als neue Schriftsprache anerkannt und dem Dänischen gleichgestellt.

Eine zweite kulturelle Strömung wollte im Gegensatz zu Aasen keine neue Schriftsprache formen, sondern eher das Dänische „vernorwegisieren“. Und so kam es, dass unter Leitung von Knut Knutsen das „Riksmål“, die Reichssprache geschaffen wurde.
„Riksmål“ und „Landsmål“ erfuhren in den Folgejahren mehrere weitergehende Rechtschreibreformen und wurden 1929 per Parlamentsbeschluss in „Bokmål“ (Buchsprache) bzw. „Nynorsk“ (Neunorwegisch) umbenannt. Im Zuge der Umstrukturierung beider Schriftsprachen, gab es auch den Versuch diese zum „Samnorsk“ zusammenzuschließen. Das Bestreben scheiterte aber letztendlich an Vorbehalten von Anhängern beider Seiten, mit dem Effekt, dass heute die Variante des Bokmål eindeutig dominant ist. Das Nynorsk hingegen, das seine Wurzeln wie gesagt in den alten Bauerndialekten hat, konnte sich in Zeiten der zunehmenden Urbanisierung nicht durchsetzen. Stieß die Sprache kurz nach der Unabhängigkeit Norwegens im Jahre 1905 und zu Kriegszeiten noch bei 20 – 35 % der Bevölkerung auf Gegenliebe, so geben heute der von Ivar Aasen entworfenen Variante des Norwegischen nur noch etwa 15 % der Bevölkerung des Vorzug. Per Gesetz müssen jedoch trotzdem 25 % aller Formulare, Beiträge und Sendungen in Neunorwegisch abgefasst bzw. in einem regionalen Dialekt ausgestrahlt werden. In Schulen ist das „Nynorsk“ die Schriftsprache des Unterrichts (hovedmål), so sich mindestens 10 Schüler zusammenfinden. Lernen und anwenden können muss diese Variante des Norwegischen allerdings jeder.

Alles in allem sind sich Nynorsk und Bokmål recht ähnlich, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen. So heißt: „Wann kommst du?“ z.B. auf Bokmål „Når kommer du?“, auf Nynorsk jedoch „Kva tid kjem du?“. Am schnellsten begegnet der Tourist dem Neunorwegischen bei einem Blick auf die Briefmarken des Landes, wo, oft zur allgemeinen Überraschung, nicht das vertraute Norge sondern Noreg steht. Auch heißt es auf den Straßenschildern des Landes manchmal „kirke“ (Kirche), und zuweilen „kyrkje“ (auf Nynorsk). Auch gibt man in Bokmål-Regionen dem „sykehus“ (Krankenhaus) den Vorzug, in Gebieten mit Vorliebe für das Nynorsk jedoch dem „sjukehus“.

Leider ist es damit jedoch noch nicht genug, denn um das Maß der Verwirrung voll zu machen, gibt es in beiden Schriftformen seit 1938 von diversen Wörtern noch Hovedformer (Hauptformen) und Sideformer (Nebenformen). Die Hovedformer müssen in allen Lehrbüchern und offiziellen Dokumenten zur Anwendung kommen, Sideformer dürfen dahingegen z.B. von Schülern in Klassenarbeiten verwenden und liegen oft dem eigenen Dialekt recht nahe.

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Norge

 

 

 

 

 

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Noreg

 

 

 

 

 

Nun liegt sicher die Vermutung nahe, daß man sich mit etwas Willen als Einheimischer dennoch gut mit seinen Landsleuten verständigen kann. Doch leider, genau wie in Deutschland, kommen eine unüberschaubare Zahl von Dialekten hinzu. Fast jedes Dorf, jedes Tal, hegt und pflegt seine Mundart wie einen prunkvollen Schatz. Und wenn man ganz genau lauscht, so wird man vielleicht zumindest die folgenden Dialekte unterscheiden können: Bergensk, das in Bergen gesprochene Norwegisch, mit einer recht harten, fast deutschen Betonung; Vestlansk, in den Fjordregionen gesprochen, mit einem etwas kratzigem Klang; Trøndersk, der Region um Trondheim, meist etwas quietschig und schnell gesprochen; Norlansk, der Gegend Bodø und Lofoten, das etwas umnebelt daher kommt und ein Wunderwerk an Idiomen ist; sowie der Osloer Dialekt, mit seiner hauptstädtisch korrekten und doch etwas bierseelig-dänischen Aussprache.

Um einen Eindruck von der Vielfalt der Dialekte zu bekommen, gibt es auf nachfolgender Seite verschiedene Hörproben aus den unterschiedlichsten Regionen Norwegens:

Um einen Eindruck von der Vielfalt der Dialekte zu bekommen, gibt es auf nachfolgender Seite verschiedene Hörproben aus den unterschiedlichsten Regionen Norwegens:

Dialekthörproben

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