Die Holländische Krankheit

Vom Problem reich zu sein.

Bild links: Plattform Troll 1 (wikipedia, Swinsto101)

Die Holländische Krankheit

oder: Warum tonnenweise Geld auch nicht zu goldenen Bürgersteigen führt

Norwegen „schwimmt“ im Geld, so heißt es. Und im Prinzip stimmt das auch. Und weil es so ist, erwarten viele Gäste des Landes gewissermaßen goldene Bürgersteige und sechsspurige Highways. So mancher Tourist, aber ach viele Auswanderer, sind dann etwas ernüchtert, dass dem gerade nicht so ist. Auch in Norwegen sind die Kommunen zum Sparen gezwungen. Die Straßen sind zudem nicht immer die besten und müssen zudem teuer mit Mautgeldern bezahlt werden. Auch gibt es, zumindest noch, so manche marode Schule. Doch warum ist das eigentlich so? Und könnte man die Milliarden aus dem Ölgeschäft nicht einfach in die Infrastruktur des Landes investieren?

Theoretisch scheint dies absolut möglich. Praktisch jedoch muss Norwegen Angst vor der „Holländischen Krankheit“ haben. Per Definition ist diese „ein außenwirtschaftliches Paradoxon, gemäß dem es in erfolgreich exportierenden (und somit eigentlich prosperierenden) Volkswirtschaften über Wechselkursentwicklungen zu einem ökonomischen Niedergang kommen kann. Die Holländische Krankheit tritt auf, wenn ein Land Güter (zumeist Rohstoffe) in großem Umfang exportiert. Dadurch entstehen Außenhandelsüberschüsse, durch die es zu einer Aufwertung der Währung des Landes kommt. Dies bringt Absatzprobleme von Gütern der übrigen exportierenden Industrien mit sich. Der sinkende Export dieser Güter führt dann zum Rückgang oder Verschwinden der betroffenen Industrien und somit zu grundsätzlichen ökonomischen Problemen wie z. B. Arbeitslosigkeit.“ (wikipedia)

Der Name dieser „Krankheit“ stammt aus den 60er/70er jahren, als Holland plötzlich ein großes Gasvorkommen entdeckte und die eingenommenen Gelder umgehend in Krankenhäuser, soziale Leistungen und Straßen steckte. Die Folge war ein Wegbrechen der Industrie durch eine starke Währung und extrem hohe Arbeitslosigkeit.

Im Prinzip hat Norwegen heute schon ansatzweise unter der Krankheit zu leiden. Die norwegische Krone ist so stark wie nie zuvor. Norwegische Waren sind daher ebenso teuer wie noch nie, was zu einem zunehmenden Wegbrechen der einheimischen Industrie führt.
Norwegen versucht dem entgegen zu wirken, indem noch weniger (anstatt mehr) Gelder aus dem Ölgeschäft in den Binnenmarkt fließen. Man investiert diese lieber in einen Fonds, der der Bevölkerung die Rente sichert.

Um nun z.B. bessere Straßen bauen zu können, ohne die Bevölkerung finanziell noch mehr zu belasten, gibt es im Prinzip nur zwei Möglichkeiten:

1. Die norwegische Wirtschaft stärken und somit mehr Steuern einnehmen. – Dies ist schwierig. Da die Ölindustrie Arbeitskräfte sucht, wirbt sie diese dem einheimischen Markt ab. Dieser steuert mit hohen Löhnen dagegen. Norwegen wird also kein Niedriglohnland werden und norwegische Produkte auf Grund ihres Preises immer ein gewisses Absatzproblem haben. Zudem sind schon heute bei einer Arbeitslosenrate von 2-3 % kaum freie qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Insofern ist man gezwungen vor allem auf den einheimischen bzw. skandinavischen Markt zu setzen (dies allerdings mit großem Erfolg).

2. Schulden machen. – Der norwegische Staat könnte sich das benötigte Geld leihen, so wie die meisten Länder in Europa. Wohin dies führt, kann man derzeit sehr gut beobachten.

Fazit: Norwegen kann die Ölgelder nur sehr begrenzt im eigenen Land investieren. Man gibt also nur das Geld aus, was eingenommen wurde. – Und das ist auch gut so!
Die Ölwirtschaft ist also zugleich Segen und Fluch für Norwegen.