Vorurteile!?

Frage ich nach Norwegen, so erhalte ich nicht selten die Antwort: Ein tolles Land, aber eben dunkel, kalt und teuer. Sind das nur Vorurteile, oder ist da etwas dran? Und falls es stimmt, ist das nicht vielleicht sogar gut so?

Vorurteile!?

Frage ich nach Norwegen, so erhalte ich nicht selten die Antwort: Ein tolles Land, aber eben dunkel, kalt und teuer. Sind das nur Vorurteile, oder ist da etwas dran? Und falls es stimmt, ist das nicht vielleicht sogar gut so?

Punkt 1: Norwegen ist dunkel!

Ja, allerdings nicht immer, und wenn es so ist, ist das auch gut so. Könnte man denn sonst ein so einmalig tolles Nordlicht erleben?

Das perfekte dabei ist, das die Hauptaktivitätszone des Nordlichts direkt über dem Norden des Landes liegt, über Tromsø um genau zu sein. Hat man nun klares Wetter, was im Winter keine Seltenheit ist, so explodiert förmlich der Himmel in einer ungeahnten Farbenpracht.

Tja, und wie steht es ansonsten mit der Helligkeit?
Polarnacht: Ja, da ist es dunkel, allerdings hat man über die Mittagszeit ein bis drei farblich tolle Dämmerstunden. Insofern: Völlig und absolut Dunkel ist es auch im tiefsten Winter nicht. Zumal südlich des Polarkreises auch zur kalten Jahreszeit die Sonne scheint. Ende Dezember in Trondheim 4,5 Stunden lang, in Oslo sind ganze 6 Stunden, also unter dem Strich nur 2 Stunden weniger als in Mitteldeutschland.
Im Übrigen: Ein besonderes Erlebnis ist die Blaue Stunde, also jene Zeit kurz vor dem Sonnenauf- und kurz nach dem Sonnenuntergang.

Und im Sommer? Da kann von Dunkelheit nun wahrlich nicht gesprochen werden. Selbst im südlichsten Norwegen wird es zwischen Juni und August nur für 1- 3 Stunden dunkel. Schon um 3 / 4 Uhr geht wieder die Sonne auf. Nördlich des Polarkreises ist es sogar 24 h lang hell, in Tromsø z.B. vom 19.05.-22.07. Ein einmaliges Erlebnis ist es dann, im Stuhl an einem Sandstrand (ja, die gibt es !!) zu sitzen und die Sonne um sich kreisen zu lassen. Besonders tolle Orte zur Beobachtung der Mitternachtssonne sind Eggum auf den Lofoten, Andenes auf den Vesterålen und Skittenelv bei Tromsø.

Das perfekte dabei ist, das die Hauptaktivitätszone des Nordlichts direkt über dem Norden des Landes liegt, über Tromsø um genau zu sein. Hat man nun klares Wetter, was im Winter keine Seltenheit ist, so explodiert förmlich der Himmel in einer ungeahnten Farbenpracht.

 

Punkt 2: In Norwegen ist es kalt!

Jeder der schon mal unter der Sonne Mitteldeutschlands brütete und litt, wird sich in den kühlen norwegischen Sommer gewünscht haben.
Doch ist es in Norwegen wirklich immer kalt? Nein, das natürlich nicht. Schon allein die Geographie des Landes spielt da nicht mit. Auf über 1600 km Luftlinie kann sich wettertechnisch so einiges abspielen.
Nehmen wir zunächst den Winter. Kälte hat zu dieser Jahreszeit durchaus ihre unbestrittenen Vorteile. Man kann herrlich Ski fahren und in der klaren Luft einmal kräftig durchatmen. Und es stimmt, in Ostnorwegen kann es durchaus frisch werden. Doch scheint zudem die Sonne, reflektiert der Schnee viel Licht und damit auch Wärme; und Dank der trockenen Luft fühlen sich -15 Grad sowieso eher wie -5 Grad an, eine Temperatur übrigens, die an der Westküste des Landes durchaus Seltenheitswert hat. Meist sinkt hier im Winter die Quecksilbersäule nicht unter 0 Grad. Da werden eher schon mal + 8 Grad gemessen.
Besonders interessant ist die Situation im Norden: Währenddessen das Winterklima der Hochebene der Finnmarksvidda stark an Nordfinnland erinnert, und es mit -35 Grad durchaus extrem lausig kalt werden kann, sind im benachbarten, an der golfstromumspülten Küste liegenden Tromsø -8 Grad schon enorm wenig. Bevor es noch kälter wird taut es eher schon einmal.

Gut, der Winter kann also mild und kalt gleichzeitig sein, je nach Region. Und der Sommer? Erfahrene Nordlandfahrer wissen es längst: auch im Norden kann man sich wie im Süden fühlen. Die Rekordtemperatur liegt bei stattlichen 35 Grad, gemessen im sonnenverwöhnten Hallingdal. Bergen in Westnorwegen war an einigen Tagen Mitte des Jahrzehnts schon einmal die wärmste Stadt Europas und in Oslo lässt es sich bei 30 Grad herrlich baden. Natürlich sind solche Werte nicht die Regel. Doch wozu auch? Auch 20 Grad sind eine sehr angenehme Temperatur und von nahezu allen Norwegenreisenden wird immer wieder bestätigt: 15 Grad in Norwegen fühlen sich wie 25 in Deutschland an. Woran das liegt, bleibt noch zu klären. Ich vermute, man hält sich dank niedriger oder fehlender Bäume viel öfter in der Sonne auf als daheim.

Und wenn es doch einmal regnet oder stürmt? Kein Problem: Hütte oder Häuschen mieten, sich mit einer Tasse Tee ans Fenster setzen und den Launen der Natur in aller Seelenruhe zuschauen. Ist viel besser als Fernsehen. Und auch irgendwie authentischer.

Nachtrag 29. Mai 2013: Was lese ich da gerade? In Nord-Norwegen sind es 25 Grad – plus, selbstverständlich. Damit ist es dort derzeit wärmer als auf den Kanarischen Inseln, Paris und Rom. (Und wärmer als in Deutschland sowieso)

 

Punkt 3: Norwegen ist teuer!

Das ist unbestritten: Norwegen ist nicht gerade preiswert. Doch ist das nicht auch gut so? Es gibt dadurch eben keinen Ballermanntourismus. Jeder findet hier noch die Ruhe, die es bedarf, um unberührte Natur unbeschwert genießen zu können.
Und davon abgesehen ist es durchaus richtig, wie in Norwegen üblich, keine Dumpinglöhne zu zulassen, Arbeitsnehmer mit mindestens 15 Euro/Stunde zu entlohnen, Fleisch und Milchprodukte vernünftig zu produzieren, und den dadurch höheren Preis auch zu bezahlen.

Doch was, wenn man nunmal nicht so viel Geld hat? Muss der Norwegenurlaub dann gestrichen werden? Nein, eigentlich nicht. Auch Norwegen lässt sich preiswert bereisen. Campingplätze sind mit rund 15 – 20 Euro/Zelt durchaus bezahlbar, ebenso die kleinen Campinghütten, die Platz für 4 Personen bieten und oftmals nicht mehr als 60 Euro/Nacht kosten.
Einkaufen kann man bei Rema 1000 und Rimi, und auch ein bisschen was mitnehmen in den Urlaub.
Ein Flugticket nach Oslo bekommt man schon für 30 Euro/Richtung und eine Bahnfahrt kostet, über das Internet vorab gebucht, meist nicht mehr als 30 Euro.
Ansonsten gilt die Faustregel: Wer viel wandert und wenig fährt, hat mehr vom Land und im Portemonnaie.