Mit der Familie nach Norwegen auswandern

Verfasst am 09.11.2017 | Abgelegt unter Gesellschaft / Leben in Norwegen

Eine atemberaubende und vor allem unberührte Natur, freundliche Menschen und eine entspannte Hygge-Kultur: Es gibt viele Gründe, Norwegen zu lieben. Deshalb erfüllen sich viele den Traum, nach Norwegen auszuwandern. Vor allem Familien profitieren von dem hervorragenden Bildungs- und Sozialnetz.

Warum Norwegen?

Zwischen 2005 und 2014 wanderten rund 10.000 Deutsche nach Norwegen aus und blieben mehrheitlich auch dort. Die geringe Rückkehrquote bringt das Land an die Spitze der Zufriedenheitsliste der Auswanderer. Das liegt einerseits daran, dass die Lebensqualität in Norwegen sehr hoch ist. Das Bildungsniveau und die medizinische Versorgung sind sehr gut und die Sozialeinrichtungen vorbildlich. Zudem sind die Einwanderungsbestimmungen unkompliziert. EU-Bürger benötigen zum Beispiel kein Visum und keine Arbeitserlaubnis, um im Land eine Stelle anzunehmen. Lediglich eine Aufenthaltserlaubnis ist zu beantragen. Diese erhält man, insofern eine Beschäftigung nachgewiesen werden kann, entweder bei der Polizei direkt vor Ort.

Norwegen ist ein wunderbares Land für Familien, denn sie genießen dort mehr Wertschätzung durch die Gesellschaft als in Deutschland. Anders als in vielen Ländern lassen sich in Norwegen Familie und Karriere sehr gut vereinbaren. Da die meisten Paare im Land mehrere Kinder haben, ist das Arbeitssystem toleranter. So profitiert man beispielsweise von familienfreundlichen Arbeitszeiten und trifft in der Regel auf verständnisvolle Arbeitgeber, wenn es um die Belange der Familie geht. Zudem gibt es ein sehr gut ausgebautes Betreuungsnetz. In den Ballungszentren allerdings kann es mitunter zu Wartezeiten für einen Kindergartenplatz kommen.

Das Schulsystem ist ebenfalls sehr gut. Bis zum 16. Lebensjahr besteht Schulpflicht, danach kann man den sogenannten studienvorbereitenden Schulzweig besuchen (videregående skole) der mit der gymnasialen Oberstufe in Deutschland vergleichbar ist. Möchten die Kinder studieren, haben sie Anspruch auf einen Studienkredit. An den Universitäten werden einige Fächer auch auf Englisch gelehrt.

Wann ist die beste Zeit?

Zum einen muss die Familie finanziell abgesichert sein, zum anderen sollte der Zeitpunkt der Auswanderung – sofern möglich – klug gewählt werden. Kinder brauchen je nach Alter unterschiedlich lang, um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Den perfekten Zeitpunkt gibt es zwar nicht, denn jede Familie ist anders. Bei Babys und Kleinkindern ist die Chance aber am größten, dass sie sich leicht eingewöhnen. Schulkinder brauchen mehr Zeit und haben es am Anfang schwerer, wenn sie kein Norwegisch sprechen. In vielen Fällen hilft jedoch die Schule mit kostenlosen begleitenden Kursen weiter. Die Sprache sollten vor allem die erwachsenen Familienmitglieder vorab rechtzeitig lernen. Für fast alle Berufe sind Grundkenntnisse des Norwegischen nötig, in einigen Fällen wird der Bergenstest verlangt.

Teenager tun sich mit der Auswanderung am schwersten, denn sie haben sich bereits ein funktionierendes soziales Netz aufgebaut. Sie haben in der Regel große Probleme damit, die gewohnte Umgebung und ihre Freunde zu verlassen, und sie benötigen am längsten, um sich im neuen Land zurechtzufinden.

Was macht den Alltag leichter?

Besonders den Kindern fällt es schwer, ihre Freunde zurückzulassen. Aber auch die Daheimgebliebenen haben häufig Probleme mit der neuen Situation. Der Kontakt zu Familie und Freunden in Deutschland ist ebenso wichtig wie der Aufbau eines neuen Kreises. Der Kontakt zu Verwandten und Freunden lässt sich heute dank moderner digitaler Möglichkeiten recht einfach aufrechterhalten, schließlich gibt es Telefon, E-Mail, Messenger-Dienste wie WhatsApp und die sozialen Netzwerke. Es lohnt sich auch, eine eigene Familien-Website zu bauen. Mittlerweile gibt es sogar kunstvolle Family-Domains, die auf .family enden und die man ganz einfach einrichten kann. Die Familie kann über die Website in Verbindung mit den Daheimgebliebenen bleiben. Solch eine Website ist ein richtiges Projekt, an dem die ganze Familie arbeiten kann, was das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt. Prinzipiell ist es wichtig, dass die Eltern sich mit ihren Kindern über die neue Situation austauschen, damit diese sich ernstgenommen fühlen. Die Kinder sollten wissen, warum die Familie nach Norwegen zieht und welche Vorteile die neue Lebensumgebung bietet.

Vor der Auswanderung ist es empfehlenswert, den neuen Lebensalltag zu proben, indem die ganze Familie nach Norwegen reist und die Zeit dort so alltagsnah wie möglich verbringt. So kann man zum Beispiel in einer Ferienwohnung wohnen, im Supermarkt einkaufen, die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und öffentliche Einrichtungen, wie Bibliotheken, Kinos, Theater und Schwimmbäder besuchen. Man erhält dadurch einen Einblick in das Leben der Norweger und knüpft im besten Fall erste Kontakte – was für alle Familienmitglieder wichtig ist.

Vor Ort ist es wichtig, sich in die Kultur zu integrieren. So wird das Vereinsleben groß geschrieben. Wandern und Ski fahren sind ebenfalls ein fester Bestandteil der norwegischen Lebensart.

Norwegeninfos:

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Norwegische Impressionen

(c) Reinhard Pantke

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Buchtipps

Martin Schmidt: Reisehandbuch Norwegen
Martin Schmidt: Reisehandbuch Südnorwegen
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Julia Fellinger: Fettnäpfchenführer Norwegen
Ebba D. Drolshagen: Gebrauchsanweisung Norwegen

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Norsk ! – So heißt meine Zeitschrift für alle, die Norwegisch lernen.

Vermischtes

Wusstest du schon, dass
… … es in Norwegen über 22.700 Brücken gibt?

Zitat:
„Was für ein Land, meine Heimat! Schneebedeckte Berge und der Geruch nach Heide und Moor. Eine frische Brise, die über kristallklares Wasser heranweht, von Fjorden, die sich in die verstecktesten Winkel schlängeln. Wo im Sommer die Sonne nie verschwindet, gerade nur den Horizont berührt, bevor sie wieder aufsteigt und ihre Bahn über den Himmel zieht.“ (Liv Ullmann, *1938, aus: Wandlungen)

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