Phantominseln des Nordens

Verfasst am 06.11.2016 | Abgelegt unter Entdeckungen-am-Wegesrand, Geschichte & Ortsgeschichten, Mythologie / Sagen

Die menschliche Fantasie vermag vieles zu erschaffen, auch Inseln. Findet dann ein solches Eiland sogar Eingang in die Karten der Welt, hat die Vorstellungskraft endgültig mit der Realität gleichgezogen.

Phantominseln nennt man diese nicht existierenden Landstücke. Dass es die gibt (und auch wieder nicht gibt) hat viele Ursachen. Falsche mündliche Überlieferungen können ein Grund sein, die fehlerhafte Positionierung einer real vorhandenen Insel ein anderer. Auch reines Wunschdenken und pure Angeberei gegenüber anderen Geographen und Entdeckern können Ausgangspunkte sein. Manchmal, allerdings recht selten, gibt es auch natürliche Ursachen. Z.B. der steigende Meeresspiegel oder Erdbeben, die eine eigentlich existierende Insel später wieder verschwinden ließen.

Zuletzt wurde eine Phantominsel im Jahre 2012 von den Google-Karten gelöscht. Sandy Island im Pazifik war einfach nicht aufzufinden.

Norwegen nun hat insgesamt über 150.000 Inseln. Dass da einige Phantominseln dabei waren oder auch sind, ist eigentlich fast klar.

Beginnen wir mit der wohl bekanntesten, Thule.
Schon der griechische Entdecker Pytheas aus Massilia beschrieb im 4. Jahrhundert v. Chr. diese Insel, die im Laufe der Jahrtausende geradezu mythische Bedeutung erhielt.
Thule, wörtlich vermutlich „letztes Land“, beschreibt den äußersten nördlichen Rand der Welt und tauchte als Insel im Nordatlantik schwimmend, auf diversen Karten des 16. Jahrhunderts auf. Eine Analyse des Kartenwerks des antiken Kartografen Ptolemäus durch Forscher der TU Berlin ergab, dass Thule wahrscheinlich jedoch der Insel Smøla westlich von Trondheim entspricht. Pytheas hatte dieses Eiland vermutlich als erster Grieche betreten.

1553 war es, als Sir Hugh Willoughby den Versuch unternahm, China über die Nordostpassage zu erreichen. Eine Insel in der Barentssee erhielt zudem seinen Namen, Willoughby`s land. Obgleich diese in den Karten des 16. und 17. Jahrhunderts zahlreich vertreten war und sogar Gerhard Mercator höchstpersönlich diese mit in seine Werke aufnahm, blieb sie damals und bis heute verschollen.

Da ja ein Kompass irgendwie funktionieren musste, ging man also von einem Magnetberg am Nordpol aus, Rupes Nigra genannt. Leider hat diesen bis heute niemand wirklich gesehen, dafür hat man Kunde vom magnetischen Nordpol in den arktischen Gefilden Kanadas.

Im nördlichen Pazifik, westlich von Hawaii, entdeckte der norwegische Kapitän Ole Andreas Schjetnan 1868 eine Insel. Diese trug daraufhin seinen Namen, Schjetnans øy bzw. Reef. Seitdem gab es sechs Expeditionen mit dem Ziel das Riff wiederzufinden. Leider vergebens. Ob es nie existierte oder schlicht untergegangen ist, keiner weiß es.

Ganz im Süden der Weltkugel, nahe des antarktischen Festlands, gehört Norwegen ein Eiland, die Bouvetinsel. Ursprünglich ging man davon aus, dass es sich um mehrere Inseln handelte, die sogenannte Bouvet Gruppe. Eine waghalsige Expedition bewies jedoch, dass es nur eine Insel gibt, noch dazu eine ziemlich unwirtliche.

Nachtrag Januar 2018: Eine längliche Phantominsel habe ich dieser Tage eigenhändig von einer Reise-Know-How-Karte gelöscht. Diese hatte sich vor die Küste des Kap Lindesnes geschmuggelt…

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