Eine Reise zum Gipfel des Gaustatoppen

Verfasst am 27.08.2014 | Abgelegt unter Ostnorwegen / Telemark, Outdoor / Sport / Freizeit

Mit 1883 Metern ist der Gaustatoppen der höchste Berg Südnorwegens. Er überragt das Tal von Rjukan um über 1600 Meter, was den kleinen Industrieort vor allem im Winter mächtig in den Schatten stellt. Vom Gipfel des Gaustatoppen, so sagt man, kann man an klaren Tagen rund ein sechstel des Landes überblicken, also ca. 60.000 km².
Am steilsten und unwegsamsten ist die Südflanke des Berges. Der beliebteste Aufstieg folgt daher über den Ostgrad. Da der Berg etwas im Regenschatten der Hardangervidda liegt, lohnt sich eine Besteigung auch im sonst recht niederschlagsreichen Herbst. Besonders faszinierend ist ab Anfang September die Rotfärbung des Heidekrauts.

Gut gepackt ist halb gewandert

Die Wanderung zum Gipfel nimmt etwa zwei Stunden in Anspruch (rund 3,5 Stunden pro Richtung). Da rund 700 Höhenmeter zu überwinden sind, kommt man ganz schön ins Schwitzen. Wichtig ist es da, etwas Proviant dabei zu haben. Anderthalb Liter Wasser, leichte Kost, wie Riegel, Äpfel und das unvermeidliche Matpakke. Matpakke nennen sich im Norwegischen die Lunchpakete. Diese gehören zur alltäglichen Standartausrüstung. Sie sind selbst in Büros anzutreffen und dienen, da Cafeterias meist fehlen, als mittägliche Verpflegung. Beliebtester Belag ist da der norwegische Brunost, der nach Karamell schmeckende braune Käse. Er ist durch seinen recht hohen Zuckergehalt ein wichtiger Energielieferant.
Ebenso wichtig sind wetterfeste, atmungsaktive Kleidung und ein leichter, nicht allzu großer Rucksack. Diesen sollte man sich auf Grund des norwegischen Preisgefüges vorab besorgen und nicht erst vor Ort. Dazu einfach im Internet in entsprechenden Shops nach preiswerten Wanderrucksäcken suchen. Einer der Größten in Deutschland ist z. B. Koffer Arena, wo Hunderte Rucksäcke in guter Qualität zu bekommen sind.

Los geht`s

Die Wanderung auf den Gipfel ist vergleichsweise unkompliziert, erfordert jedoch Trittsicherheit, Ausdauer und Schwindelfreiheit. Die letzten 200 Meter des Weges, welche über schroffen, schwer zu begehenden Fels führten, wurden Anfang August diesen Jahres ausgebessert. Nepalesische Sherapas halfen dabei, eine Steintreppe anzulegen, die nun für deutlich mehr Trittsicherheit sorgt.

Auf dem Weg zum GaustatoppenDer Einstieg zur Wanderung erfolgt vom Parkplatz „Stavsro“ aus. Dieser liegt auf 1173 Metern Höhe, entlang der Straße von Tuddal nach Rjukan. Der Weg ist gut sichtbar, ausgetreten und markiert. Er führt teilweise über Geröllfelder.
Nach rund zwei Stunden erreicht man die unterhalb des Gipfels, auf 1860 Metern Höhe gelegene Gaustatoppen Turisthytte (geöffnet: Mitte Juni bis September). In dieser können Snacks erworben werden, zudem gibt es ein WC und eine einfache Übernachtungsmöglichkeit.
Den eigentlichen Gipfel „ziert“ seit den 1950er Jahren ein Funkturm.

Die Gaustabanen

Um Gipfel samt Turm ganzjährig erreichen zu können, wurde zwischen 1954 und 1959 eine unterirdische Standseilbahn angelegt.  Geplant war, die enormen Kosten von einer Million US-Dollar wieder „einzufahren“ und die Bahn auch touristisch zu nutzen. Allein der Kalte Krieg und die damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen verhinderten dies. Als die Gaustabanen 2004 letztendlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, staunten selbst viele Einheimische nicht schlecht, hatten sie doch bislang von dieser „Bahn im Berg“ noch nie etwas gehört.
Das Verkehrsmittel selbst liegt 850 Meter tief im Berg verborgen, überwindet 650 Höhenmeter und ist von Ende Juni bis Mitte Oktober 10 bis 17 Uhr in Betrieb (350 NOK). Die Fahrt durch den endlos langen, beleuchteten Tunnel hinauf in windige Höhen ist ein Erlebnis, ersetzt jedoch nicht das Gefühl, diesen mächtigen Gipfel selbst besiegt zu haben. Für Familien mit kleineren Kindern stellt die Bahn jedoch eine lohnenswerte Alternative dar (Kinderfahrkarte 175 NOK, unter 4 Jahren gratis).

Wanderung zum und Blick vom Gipfel des Berges:

Norwegeninfos:

Norwegen auf Amazon – Bücher, Bekleidung, Fahnen, Aufkleber.

Aktuelle Norwegen-Impressionen

Bilder meiner Reise nach Oslo im Mai 2018, anlässlich des norwegischen Nationalfeiertags. Die Reise fand in Zusammenarbeit mit dem Nordis-Magazin statt.

Buchtipps – Veröffentlichungen des Norwegen-Service

Martin Schmidt

Individualreiseführer:
Reisehandbuch NorwegenReisehandbuch Südnorwegen
City Trip Oslo, Bergen, Erfurt / Weimar

Bildband:
Thomas Härtrich & Martin Schmidt: Sehnsucht Norwegen

Sprachbücher:
Einstieg Norwegisch (Hueber Verlag)
Power Sprachtraining (Pons)
Oh, dieses Norwegisch (Conrad Stein Verlag)

Kleine Länderkunde

– 323.802 km² ist Norwegen groß, und damit etwas kleiner als Deutschland. Rechnet man jedoch den von Norwegen verwalteten arktischen Archipel Spitzbergen mit hinzu, sind es 384.824 km².

– Im Gegensatz zu Mitteleuropa ist Norwegen äußerst dünn besiedelt. Gerade einmal 5,2 Millionen Menschen sind im Lande der Wikinger und Elche zu Hause, 660.000 von ihnen wohnen in Oslo, 279.000 in der zweitgrößten Stadt Bergen.

– Norwegen streckt sich reichlich in die Länge. Ganze 1.572 km sind es vom Südzipfel, dem Kap Lindesnes, bis zum Nordkap. An seiner schmalsten Stelle misst das Land gerade einmal 6330 Meter.

– Die Landessprache ist Norwegisch, allerdings in zwei schriftlichen Varianten: bokmål und nynorsk. Dies macht sich auch beim Ländernamen bemerkbar. Heißt Norwegen auf bokmål „Norge“, so trägt das Königreich auf nynorsk die Bezeichnung „Noreg“.
Zweite Landessprache ist Samisch, wenngleich diese nicht alle erlernen müssen.

Bezahlt wird mit der norwegischen Krone.

Homepage-Tipps

– Auf dieser Seite kannst du im Norwegen-Shop Produkte aus und zum Thema Norwegen erwerben.

Norsk ! – So heißt meine Zeitschrift für alle, die Norwegisch lernen.

Fun Facts

-> Der Lærdalstunnel ist mit 24,5 km der längste Straßentunnel der Welt. Er führt von Lærdal nach Aurland in Westnorwegen und besitzt drei große, beleuchtete Felshöhlen, in denen man auch anhalten kann.

-> Der Fjærlandstunnel ist der einzige Tunnel der Welt, der unter einem Gletscher entlang führt.

-> Der Eiksundtunnel führt 287 m unter dem Meer entlang und ist somit der tiefste Untersee-Straßentunnel der Welt. Zumindest noch. Tiefere Unterseetunnel sind in Norwegen bereits im Bau.

Vermischtes

Web-Cams aus Norwegen:

Kleine Web-Cam-Sammlung Norwegen

Große Web-Cam-Sammlung Norwegen.

An- und Weiterreise Norwegen

– Ausweis reicht
– Kinder: eigener Kinderreisepass
– Zollvorschriften beachten (speziell für Alkohol und Tabak)
– Einreise mit Tieren -> Link
– Währung: Norwegische Krone (Kurs ca. 1:9,5)
– Geld: Abheben an Geldautomaten vor Ort möglich
– Ca. 50 Euro schon vorab auf der Bank tauschen
– Tipp: Infoseite der Kgl. Norwegischen Botschaft

Anreise
-> Auto:
Über Dänemark (Fähren ab Hirtshals)
Über Schweden (Fähren ab Kiel, Puttgarten, Travemünde, Rostock)
Ab Deutschland (Fähre Kiel-Oslo)

-> Billigflieger:
Norwegian: ab Berlin, Hamburg, Köln, München, Wien nach Oslo. Ab Berlin auch nach Stavanger, Bergen und Trondheim.

Reisen in Norwegen

-> Geschwindigkeitsbegrenzung:
Innerorts: 50 km/h, Landstr.: 80 km/h, Autobahn: 100 km/h

-> Reisegeschwindigkeit:
Durchschnittl. 60-70 km/h, Tagespensum: max. 200 – 300 km

-> Maut:
Kosten pro Urlaub ca. 30-60 Euro/Auto. An den Mautstationen einfach durchfahren.
Zahlung: Rechnung wird zugesandt. (Außer Atlantiktunnel)

-> Fähren:
An Hauptstr.: mehrmals pro Stunde. An kleinen Nebenstr.: 1-5 x / Tag.
Kosten pro Urlaub: 20-120 Euro (je nach Region)

-> Typisch Norwegen:
22.700 Brücken, 952 Straßentunnel, 32 Unterseetunnel und tausende Kreisverkehre…