Städte in Norwegen – Ein Zahlenspiel

Verfasst am 23.08.2016 | Abgelegt unter Geschichte & Ortsgeschichten, Gesellschaft / Leben in Norwegen, Politik / Wirtschaft / Wissenschaft

Die urbane Tradition in Norwegen ist nicht sehr lang. Die historisch gesehen einzige Stadt mit einer konstanten urbanen Entwicklung die bis in das Mittelalter zurückgeführt werden kann ist Bergen. Alle anderen größeren Orte erlebten eine bauliche Verdichtung und einen spürbaren Bevölkerungszuwachs erst im 19. Jahrhundert, teilweise auch erst Anfang / Mitte des 20. Jahrhunderts.
Dementsprechend baulich kleinteilig wirken die Städte des Landes. Auch gibt es teilweise keine scharfe bauliche Abgrenzung zum Umland. Dies führt dazu, dass zuweilen manche Kommune zwar viele Einwohner hat, der städtische Kernteil jedoch sehr klein ist. Auf der anderen Seite gibt es städtische Verdichtungsräume, die kommunale Grenzen überwinden und somit viel größer sind, als es die Zahlen vermuten lassen.

In Norwegen kann man also Städte nach zwei Kriterien definieren, der Grenze der Kommune oder der Grenze des urbanen, also baulich verdichteten Raumes. Mancher Ort macht sich so, je nach Sichtweise, größer und mancher viel kleiner, als der wirklich ist.

Stadt-Kommunen

Größte städtische Kommune ist Oslo mit 641.000 Einwohnern (2016), gefolgt von Bergen (277.000), Trondheim (187.000), Stavanger (133.000), Kristiansand (88.000), Fredrikstad (79.000), Sandnes (75.000), Tromsø (73.000), Drammen (68.000), Sarpsborg (55.000), Skien (54.000), Bodø (50.000).

Nun ist ja eine kommunale Grenze vor allem in Norwegen eine sehr relative Sache. Zum Beispiel hat Tromsø seine Fühler recht weit ins Umland ausgestreckt, genauso wie Trondheim. In Oslo und Drammen hingegen ist man da viel bescheidener.
Allerdings kann es in den kommenden Jahren angesichts einer großen Gebietsreform zu weitreichenden Verschiebungen kommen. Insofern ist es eh sinnvoller nach dem eigentlichen urbanen, also dicht besiedelten und baulich ineinander übergehenden Raum zu schauen.

Urbane Räume (tettsted)

Verdichtete, also urbane Räume, werden in Norwegen als tettsted („dichter Ort“) bezeichnet. Per internationaler Definition spricht man von einem urbanen Gebiet, wenn der Abstand zwischen den Häusern nicht mehr als 50 Meter beträgt. Ausnahmen sind Parks, Industrieanlagen oder natürliche geographische Hindernisse.

Größtes Ballungsgebiet in Folge des statistischen Amtes (ssb) ist der Raum Oslo mit 958.000 Einwohnern. Man muss jedoch dazu sagen, dass der Übergang in den Raum Drammen auch wieder nahezu nahtlos erfolgt. Kommt es zu einer weiteren baulichen Verdichtung, dürfte dieses Areal wohl auch bald zum Großraum Oslo zählen, womit sich die Einwohnerzahl auf 1.072.000 erhöhen würde. Aber schon heute bedeutet diese Zahl, dass jeder fünfte Norweger am nördlichen Oslofjord sein Zuhause hat.

Zweitgrößter Ort ist auch nach dieser Rechenweise mit 250.000 Einwohnern Bergen. Die kommunalen Grenzen der Stadt umfassen demnach fast genau den urbanen Raum.

Auf Platz drei schiebt sich der Großraum Stavanger/Sandnes im Südwesten des Landes mit insgesamt 211.000 Einwohnern. Auf Platz vier fällt Trondheim zurück (175.000 Einwohner).

Es folgen zwei weitere Regionen mit großstädtischer Einwohnerzahl, nämlich Drammen (114.000 Einwohner) und Fredrikstad/Sarpsborg (109.000 Einwohner).

Die Top Ten komplettieren Skien/Porsgrunn („Grenlandsbyen“, 92.000 Einwohner), das plötzlich deutlich kleinere Kristiansand (60.000 Einwohner), Ålesund (51.000 Einwohner) und Tønsberg (51.000 Einwohner).
Tromsø hingegen muss scheinbar Federn lassen und taucht erst auf Rang 16 wieder auf, mit mageren 34.000 urbanen Einwohnern. Allerdings ist die Geographie an dieser Zahl Schuld, da der Tromsøsund den ebenso urbanen Ortsteil Tromsdalen vom Zentrum trennt, wird er statistisch separat erfasst. Zählte er mit dazu, würde sich die Einwohnerzahl wieder um 16.000 erhöhen…
Es ist halt nicht einfach mit den Statistiken.

Nordische Hauptstädte

Die großen verdichteten Räume des Nordens liegen von ihrer Einwohnerzahl her dicht beieinander. Platz eins nimmt der Großraum Stockholm mit 1,37 Mio. Einwohnern ein, gefolgt von Kopenhagen (1,24 Mio. Einwohner) und Helsinki (1,18 Mio. Einwohner). Rechnet man Oslo und Drammen zusammen ergibt dies mit 1,07 Mio. Einwohnern Platz vier. Reykjavik hat demnach nur 201.000 Einwohner, beheimatet aber rund zwei Drittel aller Isländer.

 

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Aktuelle Norwegen-Impressionen

Bilder meiner Reise nach Oslo im Mai 2018, anlässlich des norwegischen Nationalfeiertags. Die Reise fand in Zusammenarbeit mit dem Nordis-Magazin statt.

Buchtipps – Veröffentlichungen des Norwegen-Service

Martin Schmidt

Individualreiseführer:
Reisehandbuch NorwegenReisehandbuch Südnorwegen
City Trip Oslo, Bergen, Erfurt / Weimar

Bildband:
Thomas Härtrich & Martin Schmidt: Sehnsucht Norwegen

Sprachbücher:
Einstieg Norwegisch (Hueber Verlag)
Power Sprachtraining (Pons)
Oh, dieses Norwegisch (Conrad Stein Verlag)

Kleine Länderkunde

– 323.802 km² ist Norwegen groß, und damit etwas kleiner als Deutschland. Rechnet man jedoch den von Norwegen verwalteten arktischen Archipel Spitzbergen mit hinzu, sind es 384.824 km².

– Im Gegensatz zu Mitteleuropa ist Norwegen äußerst dünn besiedelt. Gerade einmal 5,2 Millionen Menschen sind im Lande der Wikinger und Elche zu Hause, 660.000 von ihnen wohnen in Oslo, 279.000 in der zweitgrößten Stadt Bergen.

– Norwegen streckt sich reichlich in die Länge. Ganze 1.572 km sind es vom Südzipfel, dem Kap Lindesnes, bis zum Nordkap. An seiner schmalsten Stelle misst das Land gerade einmal 6330 Meter.

– Die Landessprache ist Norwegisch, allerdings in zwei schriftlichen Varianten: bokmål und nynorsk. Dies macht sich auch beim Ländernamen bemerkbar. Heißt Norwegen auf bokmål „Norge“, so trägt das Königreich auf nynorsk die Bezeichnung „Noreg“.
Zweite Landessprache ist Samisch, wenngleich diese nicht alle erlernen müssen.

Bezahlt wird mit der norwegischen Krone.

Homepage-Tipps

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Norsk ! – So heißt meine Zeitschrift für alle, die Norwegisch lernen.

Fun Facts

-> Der Lærdalstunnel ist mit 24,5 km der längste Straßentunnel der Welt. Er führt von Lærdal nach Aurland in Westnorwegen und besitzt drei große, beleuchtete Felshöhlen, in denen man auch anhalten kann.

-> Der Fjærlandstunnel ist der einzige Tunnel der Welt, der unter einem Gletscher entlang führt.

-> Der Eiksundtunnel führt 287 m unter dem Meer entlang und ist somit der tiefste Untersee-Straßentunnel der Welt. Zumindest noch. Tiefere Unterseetunnel sind in Norwegen bereits im Bau.

Vermischtes

Web-Cams aus Norwegen:

Kleine Web-Cam-Sammlung Norwegen

Große Web-Cam-Sammlung Norwegen.

An- und Weiterreise Norwegen

– Ausweis reicht
– Kinder: eigener Kinderreisepass
– Zollvorschriften beachten (speziell für Alkohol und Tabak)
– Einreise mit Tieren -> Link
– Währung: Norwegische Krone (Kurs ca. 1:9,5)
– Geld: Abheben an Geldautomaten vor Ort möglich
– Ca. 50 Euro schon vorab auf der Bank tauschen
– Tipp: Infoseite der Kgl. Norwegischen Botschaft

Anreise
-> Auto:
Über Dänemark (Fähren ab Hirtshals)
Über Schweden (Fähren ab Kiel, Puttgarten, Travemünde, Rostock)
Ab Deutschland (Fähre Kiel-Oslo)

-> Billigflieger:
Norwegian: ab Berlin, Hamburg, Köln, München, Wien nach Oslo. Ab Berlin auch nach Stavanger, Bergen und Trondheim.

Reisen in Norwegen

-> Geschwindigkeitsbegrenzung:
Innerorts: 50 km/h, Landstr.: 80 km/h, Autobahn: 100 km/h

-> Reisegeschwindigkeit:
Durchschnittl. 60-70 km/h, Tagespensum: max. 200 – 300 km

-> Maut:
Kosten pro Urlaub ca. 30-60 Euro/Auto. An den Mautstationen einfach durchfahren.
Zahlung: Rechnung wird zugesandt. (Außer Atlantiktunnel)

-> Fähren:
An Hauptstr.: mehrmals pro Stunde. An kleinen Nebenstr.: 1-5 x / Tag.
Kosten pro Urlaub: 20-120 Euro (je nach Region)

-> Typisch Norwegen:
22.700 Brücken, 952 Straßentunnel, 32 Unterseetunnel und tausende Kreisverkehre…