Die Gebirge des norwegischen Ostens

Verfasst am 01.08.2020 | Abgelegt unter Zusatzrubrik Reisen

Möchte man vom Süden Norwegens in den Norden reisen, so führt eigentlich schon seit Jahrhunderten kein Weg an der Route zwischen Oslo und Trondheim vorbei. Diese führt durch zumeist liebliche Täler und überwindet nur eine einzige Passhöhe: Das Dovrefjell. Der Gebirgszug ist das Herz Norwegens und seit jeher ein Ort, um den sich Mythen und Sagen ranken.

Das Dovrefjell besteht aus einer rund 1500 km² großen Hochebene, die von einzelnen, bis über 2000 m hohen Gipfeln durchsetzt ist. Da das Gebirge im Lee liegt, gibt es hier keine Gletscher und nur relativ wenig Niederschlag. Dies macht die Region auch im Winter gut passierbar. Bekannt geworden ist das Dovrefjell in den letzten Jahrzehnten für seine Moschusochsen.

Geografisch hat das Gebirge eine wichtige Bedeutung. Lange Zeit unterteilte man Norwegen in eine Region nördlich des Dovrefjell – Det nordenfjelske (Das nördlich vom Gebirge gelegene Land), und ein Gebiet südlich des Dovrefjell – Det søndenfjelske (Das südlich vom Gebirge gelegene Land)

Seinen mythologischen Ursprung hat das Dovrefjell in einer altnordischen Sage, die von der Gründung Norwegens berichtet und somit die Bedeutung des Gebirges für die nationale Identität untermauert. In ihr geht es um einen Trollkönig und seine Söhne Nor, dem Stammvater Norwegens, und Gor, dem Stammvater der Orkneyinseln.
Es verwundert daher nicht, dass das Dovrefjells auch bei der Verabschiedung des neuen norwegischen Grundgesetzes am 17. Mai 1814 zur Geltung kam, als die 112 „Eidsvoll-Männer“ schworen: „Enige og tro inntil Dovre faller“ – „Einig und treu, bis Dovre fällt.“  Noch heute wird im alltäglichen Sprachgebrauch die Unterstützung für einen Menschen oder ein Projekt mit diesen Worten umschrieben.

Altnordische Sagen berichten zudem, dass das Dovrefjell neben Jotunheimen eine Heimat der Jotner-Trolle war. Die Jotner galten als klug und besaßen Eigenschaften, die sowohl für Götter, als auch die Menschen nützlich waren. Das Reich der Jotner war daher eine Region, in der man Wissen sammeln konnte, das für die Gesellschaft nützlich ist. Kein Wunder also, dass in isländischen Sagen davon berichtet wird, dass das Dovrefjell jener Ort sei, wo Häuptlings- und Königssöhne ihren Mut und ihre Kräfte messen sollten.
Auch ist das Gebirge Heimat vieler Geschichten und Sagen.

Moschusochsen in Dovre

Moschusochsen sind absolut beeindruckende Tiere, mit 2 bis 2,50 Metern Länge, einer Schulterhöhe von 1,40 Metern und 200 bis 400 Kilogramm Gewicht. Sie leben in Gruppen von 10 bis 20 Tieren. In Norwegen ist der Moschuschse im Gebirge Dovrefjell anzutreffen.

Allerdings lebten die Tiere dort nicht immer, sondern wurden angesiedelt. Die Idee dazu wurde im Jahre 1913 geboren, als Arbeiter in Norwegen fossile Rückenwirbel der ursprünglich in Nordamerika heimischen Moschusochsen fanden.
1925 setzte man die ersten Tiere auf der Insel Gurskøy bei Ålesund aus, weitere folgten 1929 auf Spitzbergen. Beide Stämme überlebten nicht.
Die Ansiedlung im Dovrefjell im Jahre 1932 glückte hingegen. Allerdings wurden die Tiere, wohl aus der Not heraus, während des Zweiten Weltkrieges gejagt und erlegt. 1947 erfolgte die Wiederansiedlung.
Heute leben im Dovrefjell etwa 300 Tiere. 7 von ihnen wanderten in in den 1970er Jahren nach Osten und sind nun im schwedischen Härjedalen heimisch.

Die Moschusochsen sind in einem Gebiet westlich der Kongsvold Fjellstue (Lage) anzutreffen. Die Gebirgsbaude an der E 6 bietet im Sommer täglich Moschusochsensafaris an. Buchbar sind diese auch in Oppdal.

Wer auf eigene Faust losziehen möchte, wird am ehesten in der Umgebung der Kongsvold Fjellstue Moschusochsen antreffen (Richtung Osten und Richtung Rondane-Gebirge).

Ist man allein unterwegs, sollte man den mächtigen Tieren keinesfalls zu nahe kommen. Wanderwege beginnen ebenfalls an der Kongsvold Fjellstue.

Falls man nun einmal nicht durch die Gegend streifen möchte, auf der „Jagd“ nach mächtigen Tieren, so kann man in der Unterkunft gemütlich und entspannt virtuell jagt machen. Und zwar nach eventuellen Gewinnen auf Folkeautomaten.

Rondane

Nicht minder spektakulär ist das Gebirge Rondane. Es ist südöstlich des Dovrefjells, zwischen der Straße Rv 26 und der E 6 zu finden. Auch hier sorgen geringe Niederschlagsmengen für trockene Sommertage, an denen die raue Landschaft auf spektakuläre Art erkundet werden kann. Ziele sind unter anderem die über 2000 Meter hohen Berggipfel. Viele von ihnen tragen herausragende Namen, wie zum Beispiel Rondslottet (Rondaneschloss), Storsmeden (Großer Schmied) und Trolltinden (Trollgipfel).

Am  21. Dezember 1962 wurde Rondane als erster Nationalpark Norwegens ausgewiesen. Dieser umfasst heute eine Fläche von beachtlichen 963 km². Einen besonders tollen Blick auf das Bergensemble hat man vom Aussichtspunkt Sohlbergplassen entlang der Rv 26. Benannt wurde die Stelle nach dem norwegischen Maler Harald Sohlberg, der von hier aus die Vorlage für eines seiner bekanntesten Bilder fand „Winternacht in Rondane“ (Vinternatt i Rondane). Der Zugang zum Panoramaplatz schlängelt sich eindrucksvoll durch den lichten Kiefernwald und ist natürlich auch im Winter geöffnet.

In der kalten jahreszeit nicht erreichbar ist hingegen die Gesteinsformation Kvitskriuprestene. Die so genannten „Weißen Priester“ sind am westlichen Gebirgsabhang zu finden. Es handelt sich um Moränen-Türme, deren Abtragung durch regen mittels eines natürlichen Daches aus Steinen verhindert wird.

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