Norwegen und der Fluch und Segen der E-Autos

Verfasst am 05.03.2020 | Abgelegt unter Zusatzrubrik Reisen

Es ist schon irgendwie paradox: Elektromobilität ist in aller Munde und E-Autos einiger Hersteller sind ein echter Hingucker. Doch auf der anderen Seite kommen die elektrisch angetriebenen Fahrzeuge hierzulande wortwörtlich nicht in Fahrt. Dass es auch anders geht, zeigt das Vorbild Norwegen. Nirgendwo anders auf der Welt ist der Anteil von Elektroautos an Neuwagen so hoch wie im Norden der skandinavischen Halbinsel. Dort ist man sich sicher: Dem E-Auto gehört die Zukunft. Doch der Boom sorgt selbst dort für Probleme.

Nur noch 40 Prozent Verbrenner

Man muss sich das mal vorstellen: während in Deutschland der Absatz von Elektroautos zwar ansteigt und im letzten Jahr laut Statista insgesamt immerhin 83.175 entsprechende Fahrzeuge verkauft wurden und bis 2030 der Anteil an allen Neuzulassungen auf 30 Prozent steigen soll, sind Elektroautos in Norwegen richtige Kassenschlager und verkauften sich im März 2019 erstmals besser als ihre Pendants mit Verbrennungsmotor – die Quote lag bei knapp 60 Prozent. Weltrekord! Diese Zahlen wurden zwar durch den damaligen Verkaufsstart von Teslas Model 3 angekurbelt, allerdings ist auch der Anteil der E-Autos gemessen am Gesamtmarkt mit über 31 Prozent so hoch wie in keinem anderen Land der Erde. Während Tesla in Deutschland im gleichen Zeitraum rund 2.500 Model 3 verkaufen konnte, waren es in Norwegen über 5.300 – und das in einem Land mit nur 5,3 Mio. Einwohnern. Norwegens Ziel, schon in fünf Jahren nur noch Elektroautos zu verkaufen, ist mehr als greifbar.

Doch wie kommt dieser Erfolg zustande? Zusammengefasst kann man sagen, dass die norwegische Politik den Markt für Elektrofahrzeuge ohne mit der Wimper zu zucken unterstützt. Einfuhrzölle und Steuern fielen beim Kauf lange Zeit nicht an, zudem müssen Besitzer solcher Wagen auf Autobahnen keine Mautgebühren zahlen und in Städten stehen ihnen auch die Busspuren zur Benutzung frei. Von kostenlosen Parkplätzen ganz zu schweigen. Bei solchen Vorteilen fällt die Entscheidung gegen einen Benziner oder Diesel natürlich alles andere als schwer, vor allem weil die Stadt Oslo sogar den Strom für die Autos spendiert.

Staatliche Förderung mit Schattenseiten

Doch diese Subventionen haben mittlerweile auch ihre Schattenseiten. Abgesehen davon, dass der Erfolg die Staatskasse mit mehreren 100 Mio. Euro belastet hat und die massive Förderung nicht dauerhaft gewährt werden kann, wird auch von vielen Menschen bemängelt, dass die Bevorzugung der Elektroautos zu Lasten des deutlich grüneren öffentlichen Personennahverkehrs geht. Man könnte sagen, dass die E-Autos die umweltfreundlichen Busse ausbremsen – und das sogar auf deren Spuren. Doch auch die Infrastruktur stößt an ihre Grenzen, denn der Bau von öffentlichen als auch privaten Ladestationen kommt der Nachfrage schon längst nicht mehr hinterher.

Diese Problematik ist in der Politik angekommen und so hat man begonnen, die KfZ-Steuer langsam wieder einzuführen und im Laufe des Jahres zurück auf 100 Prozent zu bringen. Zudem wird der Zugang zu immer mehr Busspuren wieder eingeschränkt. Trotzdem ist man sich in Norwegen sicher, dass die E-Mobilität die Zukunft ist und die Ära des Verbrennungsmotors in absehbarer Zeit vorbei ist.

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