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Beitrag vom Montag, 21. Juni 2021

Oslo – Das Stadtviertel Kvadraturen

Nachdem das alte Oslo 1624 durch einen Brand zerstört wurde, beschloss König Christian IV. die Stadt direkt unterhalb der Festung Akershus neu zu gründen, damit diese fortan besser verteidigt werden konnte. Um erneute Feuer zu vermeiden, durfte nur noch mit Stein oder in Fachwerk gebaut werden. Eine Maßnahme, die nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß, hatte man doch mit diesen, noch dazu kostspieligen Bauweisen keinerlei Erfahrung.

Angelegt wurde der Ort im Stile der Renaissance, also rechtwinklig, was dem heutigen Viertel auch seinen Namen eintrug: Kvadraturen (die Quadratur). Im Zuge des Aufblühens der Stadt gegen Ende des 19. Jahrhundert und der Lage des Quartiers zwischen den beiden Bahnhöfen, stiegen die Grundstückspreise. Dies führte dazu, dass nahezu alle ein- und zweietagigen Gebäude abgerissen und durch größere Geschäftshäuser ersetzt wurden. Auch zogen immer mehr Menschen in die neu entstandenen Villen- und Einfamilienhausviertel, so dass sich Kvadraturen in ein Handelszentrum verwandelte. Nach der Anlage der Karl Johans gate siedelten jedoch auch die meisten Läden um, so dass das Gebiet sich letztendlich zu dem Büro- und Verwaltungskomplex entwickelte, der er heute noch ist.

Insgesamt ist Kvadraturen ist ein interessanter, aber auch sehr kontrastreicher und zum Teil auch problembelasteter Stadtteil. Zum einen finden sich hier noch einige wirklich sehenswerte alte Gebäude sowie spannende Museen, zum anderen aber auch einmalig hässliche Betonbauten

Zentraler Teil von Kvadraturen ist der hübsche Platz Christiania Torv, der auf direktem Wege vom Rathaus und der Festung Akershus {14} aus zu erreichen ist. Er sollte der neue zentrale Marktplatz sein, verlor jedoch diesen Status mit der Anlage des Stortorvet gegenüber der Domkirche recht schnell. Auf seinen alten Glanz verweist heute ein adretter Brunnen mit dem nach unten weisenden, überdimensionalen Handschuh Christian IV., der so viel bedeuten soll wie: „Genau hier soll die neue Stadt gegründet werden.“ Wie es sich für einen zentralen Platz gehört, errichtete man hier auch das Rathaus. Das rotfarbene „Gamle Rådhus” ist noch erhalten, stammt aus dem Jahre 1641 und beheimatet ein kleines Theatermuseum (Juni-Aug., Di.-So. 11-16 Uhr, gratis). Ihm gegenüber liegt der aus niederländischem Ziegelstein erbaute Rådmannsgården, dessen älteste Gebäudeteile in das Jahr 1626 zurückdatieren. Direkt dahinter nun, eines der wenigen erhaltenen zweigeschossigen Häuser. Die kleine Hofanlage wurde 1626 errichtet, im 19. Jahrhundert umgebaut und wird heute vom Café Celsius genutzt, einem Traditionslokal mit bezahlbaren Gerichten. Von der Höhe, aber nicht vom Alter her ähnlich ist das moderne Haus auf der anderen Seite. Hier lag einst der nach der abgebrannten Hallvardskirche in Alt-Oslo {48} zweite Dom der Stadt. Dieser wurde jedoch wegen Baufälligkeit 1928 abgerissen und zeitgemäß durch eine Tankstelle ersetzt. Glücklicherweise erbarmte man sich des Platzes und errichtete in den 1990er Jahren den heutigen Bau.

Hinter dem Christiania Torv, entlang der Nedre Slottsgate in Richtung Festung, liegt das Myntgataquartier. Seinen Namen hat der Häuserkomplex von der städtischen Münze, die Christian IV hier anlegen ließ. Im 19. Jahrhundert entstanden jedoch an deren Stelle Kasernen und Ställe, die nun das Umweltministerium des Landes beherbergen. Im Kontrast zu den Backsteinbauten steht der moderne Anbau des Architekturmuseums. Es gehört zum auf der anderen Seite liegenden Bankplassen. Dieser zweite größere Platz des Viertels wurde 1815 angelegt. Hier lagen, wie der Name schon vermuten lässt, die Geldinstitute der Stadt. Bis 1899 stand hier zudem das Christiania Theater. Dieses musste jedoch ebenfalls einem Bankhaus weichen, das zeitweise als Museum genutzt wurde. Gegenüber dem Haus, in einem fast schüchtern wirkenden Haus, befindet sich seit 1862 das Restaurant Engebret, das seinerzeit Treffpunkt vieler Künstler war.
Wer etwas Zeit mitbringt kann das Viertel weiter erkunden. Die attraktivste Straße ist die Rådhusgata. Hier liegen einige der ältesten Häuser der Stadt, so die Nummer 11, der Statholdergaarden, eine Villa aus dam Jahr 1640, heute ein Gourmetrestaurant mit Michelinstern, die Nummern 10-14 von 1629-1655 und die Nummer 7 aus dem Jahre 1647, wo ab 1734 auch das zweite Rathaus der Stadt untergebracht war. Neben dem Gebäude kann man in die Dronningens gate in Richtung Karl Johans gate (Norden) einbiegen. Diese Straße war einst eine Hafenstraße. Da der Hafenbereich über viele Jahrhunderte hinweg jedoch mit Schutt aufgefüllt wurde, liegt der Fjord dieser Tage viele Hundert Meter weiter in Richtung Osten. Vielleicht auch deswegen hat die Dronningens gate eine historische linke, also westliche, Straßenseite und eine rundheraus unattraktive rechte, östliche, Straßenseite. Besonders erwähnenswert sind der Magistratsgården von 1647 (Nr. 11), das ehemalige Hotel du Nord (Nr. 13) aus dem 19. Jahrhundert, ehedem die erste Adresse der Stadt, und an der Ecke zur Tollbugata die alte Kriegsschule, ein schönes Rokokopalais aus dem 18. Jahrhundert. Auf der anderen Straßenseite ist lediglich der Kinoclub Cinemateket mit dem Filmmuseum erwähnenswert.
Sollte gerade kein passender Film laufen, ist auch online gute Unterhaltung zu finden. Zum Beispiel auf comeon.com.

Gegenüber des Palais lädt die 1914 – 1924 erbaute ehemalige Hauptpost zu einer Pause ein. Hier lässt es sich im ruhigen Innenhof und im schicken Restaurant gut verweilen. Weiter geht es nun die Dronnings gate gerade aus, bis zur Prinsens gate. In dieser Querstraße liegen noch viele der im 19. Jahrhundert errichteten Geschäftshäuser. Biegt man nach links, in Richtung Storting (Westen) ab, so stammen aus dieser Zeit die Häuser mit folgenden Hausnummern: 5, 7, 9, 11, 14, 16 und 18 (von 1640, umgebaut 1816), zudem an der Ecke der Øvre Slottsgate, über die man wieder zum Christiania Torv gelangt, die Nummern 7 und 8.  Auch an der Prinsens gate zu finden ist das Stammhaus der 1797 gegründeten Laden- und Kaufhauskette Stehen & Strøm, erbaut nach einem Brand im Jahre 1930.

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