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Beitrag vom Montag, 14. Juni 2021

Oslo mit Aker Brygge und Tjuvholmen

Direkt am Hafen, neben dem Friedensnobelpreiszentrum, erstreckt sich das Gelände der Aker Brygge. Hier lag ehedem die 1854 gegründete Akers Mekaniske Verksted AS, eine innerstädtische Werft, die 1982 Konkurs anmelden musste. Das Gelände wurde nun in die Stadt integriert und zu einem eigenen Stadtviertel umgestaltet. Dabei entstand zwischen 1986 und 1991 eine gelungene Symbiose aus alten Fabrikgebäuden und moderner Architektur, die perfekt den Übergang Oslos von einer unscheinbaren Stadt zu einer modernen Metropole verdeutlicht. Das Gelände beheimatet heute 70 Läden und sage und schreibe 40 Cafés und Restaurants. Diese liegen zumeist am oder auf dem Wasser und bieten einen phantastischen Blick in Richtung der Festung Akershus {14}, wobei dieser in dem meisten Fällen teuer bezahlt werden muss. Doch man muss ja nicht gleich einkehren. Ein abendlicher Bummel über die Uferpromenade tut es auch. Dabei wird man vor allem an lauschigen Sommerabenden die halbe Stadt antreffen und dabei leicht vergessen, dass man sich in einem Ort aufhält, der auf dem gleichen Breitenkreis wie die Südspitze Grönlands befindet. – Der Golfstrom macht`s möglich.

Die ersten drei Gebäude behausen die meisten Geschäfte, die hinteren Büros und Luxusapartments. Für ein abendliches Kaltgetränk empfiehlt sich ein Restaurantboot, denn hier schafft es auch nach 20 Uhr noch die Sonne über die Dächer. Am Ufer findet man zudem einen kleinen Spielplatz, Eisstände, das ewige Friedenslicht und den Anker der Blücher, einem deutschen Kriegsschiff, das 1940 Oslo einnehmen sollte, jedoch von der Festung Oscarsburg in Drøbak aus am 9. April versenkt wurde.

In der Mitte des Geländes der Aker Brygge liegt der Platz Bryggetorget, mit weiteren Restaurants, einem eigenwilligen Skulpturbrunnen, einer Pizzeria (Holmens gate) und einem gut sortierten Supermarkt. Von hier aus gelangt man auch über eine Brücke in das neue Viertel Tjuvholmen, dessen Name „Diebesinsel“ darauf verweist, dass sich bis ins 18. Jahrhundert hinein hier Kriminellen der Stadt aufhielten und teils vor Ort auch gleich hingerichtet wurden. 1806 machte der deutsche Geologe Leopold von Buch hier eine sensationelle Entdeckung. Er fand eine neue Gesteinsart mit rhombenförmigen Feldspäten. Folgerichtig gab er dem Gestein vulkanischen Ursprungs den Namen Rhombenporphyr, unter dem es noch heute bekannt ist. Später entwickelte sich die Halbinsel zu einem Industriegebiet mit Kai, Bahnanschluss und Lagerhallen. Als Verlängerung der Aker Brygge setzt man nun alles daran, Tjuvholmen weiter attraktiv umzugestalten. Bereits erbaut sind 1200 Wohnungen, ein luxuriöses Hotel, ein Kunstmuseum mit einem über 50 Meter hohen Aussichtsturm, „Tjuvtitten“ genannt, geplant vom Stararchitekten Renzo Piano, ein Skulpturenpark am Fjord, mit hochwertiger Kunst, ein Badeplatz mit Strand, diverse Lokale und Geschäfte. Im ersten Bauabschnitt wurden mehrere noble Restaurants an einem Hafenbecken auf der hinteren Sonnenseite, eine Grünanlage und Gebäude mit geschwungenen Glasfassaden errichtet. Es wechseln sich helle und dunkle Farbtöne ab, wobei grau, weiß, türkis und rot dominieren. Insgesamt erscheint die Architektur etwas gewöhnungsbedürftig, verliert aber nie das menschliche Maß, was sie letztendlich dann doch auszeichnet. Trotzdem, die Wohnungen sind eher für gut betuchte Bürger der Stadt gedacht. Diese, aber auch alle anderen Einwohner, dürfen an Nachmittag, an denen mal nicht die Sonne über dem angrenzenden Fjord strahlt, am Folkeriket casino ihre Freude haben und dort ein wenig Abwechslung finden.
Und, nicht nur an Land bietet Tjuvholmen für viele eine neue Heimat. Auch unter Wasser ist „einiges los“, wurden doch eigens für Hummer, Garnele und Co. ein künstliches Riff angelegt.

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