Umzug nach Norwegen – Grundlagen, Tipps und Tricks

Verfasst am 03.07.2018 | Abgelegt unter Zusatzrubrik Reisen

Norwegen – ein Land voller Möglichkeiten, das nicht nur landschaftlich auf ganzer Linie überzeugt, sondern auch in Punkto Lebensqualität in ganz Europa beispielhaft daherkommt. Solltest auch du dich für einen Umzug nach Norwegen begeistern, werden dir mit Sicherheit viele Fragen vorschweben, die über beheizte Bürgersteige hinausgehen. Wir fassen deshalb hier die Grundlagen zum Umzug nach Norwegen und alle wichtigen Tipps und Tricks zusammen.

Die Sprache: Bevor auch nur ein Fuß auf norwegischen Boden gesetzt wird

Beim Plan, in ein anderes Land auszuwandern, steht noch vor der Jobsuche das Erlernen der Sprache auf der Liste. Norwegisch ist wie die meisten anderen skandinavischen Sprachen für Deutsche kein Problem, aber auch kein Zuckerschlecken, da es keine Hochsprache gibt und sich an verschiedene Dialekte gewöhnt werden muss. Eine gesetzliche Pflicht zum Erlernen der Sprache besteht jedoch nicht. Jobben ist daher auch mit Englischkenntnissen möglich. Auf lange Sicht und beim Anstreben der Staatsbürgerschaft sieht es jedoch anders aus und in den dann nötigen Dokumenten muss die Fähigkeit auf ausreichend hohem Niveau nachgewiesen werden (oft Trinn III, Bergenstest).
Also, relativ flüssiges Sprechen und ein gutes Verständnis sollte somit bereits die Grundvoraussetzung sein, bevor du deinen Flug nach Norwegen buchst. Positiv ist bei den ersten Fehlversuchen immerhin, dass praktisch alle Norweger, selbst aus der älteren Generation, Englisch auf einen recht hohen Niveau sprechen. Laut einer Statistik aus dem Jahr 2014 sprechen 90% aller Norweger Englisch als flüssige Zweitsprache. Um Norwegisch zu lernen, gibt es online viele Ressourcen, sei es, als ersten Einstieg, kostenlos auf Duolingo oder für einen angemessenen Preis auf anderen Plattformen sowie klassisch mit Übungsheften und Audioübungen, z.B. bei Kurses des Norwegen-Service.

Bürokratischer Spaß bei offiziellen Registrierungen

Ehe Norwegen deinen (langfristigen) Aufenthalt im Land erlaubt, gibt es einige bürokratische Dinge zu klären, was in Deutschland nicht groß anders wäre. Als positiv können wir gleich bewerten, dass deutsche Staatsbürger keine Aufenthaltsgenehmigung für den skandinavischen Staat benötigen. Gleiches gilt für sämtliche Angehörige von EU- und EWR-Staaten. Lediglich als nicht EU- bzw. EWR-Staatsbürger, sprich beispielsweise als Lateinamerikaner oder Asiate brauchst du bei über 90 Tagen im Land eine zusätzliche Aufenthaltsgenehmigung. Sämtliche Personen müssen sich lediglich innerhalb von drei Monaten ab Beginn des Aufenthalts bei der Polizei registrieren lassen. Solltest du aus einem anderen Land nach Norwegen geschickt werden, um dort bis zu zwei Jahren zu arbeiten, bleibst du ein Teil des Sozialversicherungssystems deines Heimatlandes. Kommst du aus freien Stücken, wirst du automatisch ab dem ersten Arbeitstag zum Teil des norwegischen Systems. Bei einem Einkommen von über 55.000 NOK pro Jahr (entspricht laut aktuellem Kurs etwa 5.800€) benötigst du eine Steuerabzugskarte, um die Abgaben entsprechend den Fristen durchzuführen. Die Website „Work in Norway“ bietet in englischer Sprache ein endloses Reservoir an wertvollen Tipps, die sich rund um das Arbeiten in Norwegen dreht, weist auf wichtige Formulare hin und orientiert sich dabei speziell an deinen Bedürfnissen.
Entscheidend für eine Arbeitsaufnahme ist zudem die Personennummer, P- oder auch D-Nummer genannt. Diese ist für die Steuerabrechnung und die Kontoeröffnung notwendig. Du erhältst sie beim Skattekontoret, wenn du einen gültigen Arbeitsvertrag über mindestens 6 Monate vorweisen kannst.

Arbeit in Norwegen finden

Als Staatsbürger einer Nation aus der Europäischen Union hast du einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen, denn du musst nicht zwangsweise bereits mit einem Job in der Tasche anreisen. Stattdessen gibt es eine spezielle Aufenthaltserlaubnis, die einen sechsmonatigen Aufenthalt zur Jobfindung gestattet. Nur wenn du diese Mission erfolgreich gestaltest, kannst du am Ende tatsächlich nach Norwegen ziehen. Du hast den Vorteil, dass Norwegen mit seinen nur rund 5 Millionen Einwohnern ein recht kleines Land verglichen mit Deutschland oder Frankreich ist. Genau dieser Umstand führt dazu, dass die Nation Fachkräfte in bestimmten Bereichen benötigt, wo die heimischen Arbeitskräfte nicht ausreichen. Das gilt vor allem für Bauarbeiter, Altenpflege sowie in der Informations- und Kommunikationstechnik. Noch immer ist die Energieindustrie ein großer Spieler auf dem norwegischen Markt, hat für seine Positionen jedoch einen großen Konkurrenzkampf, sodass hier meist nur hochqualifizierte Arbeitnehmer anklopfen müssen. Vor dem Annehmen einer Position solltest du deine Lebensunterhaltskosten im Detail berechnen, um nicht von zu geringem Gehalt überrascht zu werden, vor allem für weniger qualifizierte Arbeitnehmer. Während die Gehälter in Norwegen vergleichsweise hoch sind, muss das gleiche für sämtliche Ausgaben von Wohnung bis Lebensmittel ebenso gesagt werden.
Stellen finden sich über nav.no und über finn.no.

Ein Bankkonto in Norwegen eröffnen

Hast du einmal einen Job gefunden, muss das Gehalt irgendwie bei dir ankommen. Deshalb ist ein norwegisches Bankkonto zwingend notwendig, wenn du planst, länger im skandinavischen Staat zu bleiben. Der Prozess selbst ist glücklicherweise einfach, sodass lediglich einige Dokumente benötigt werden: eine norwegische ID-Nummer oder D-Nummer, einen gültigen Reisepass, ein aktuelles Passfoto und hin und wieder ein Schreiben der heimischen Bank. Mit einer Bank ID, die allerdings erst persönlich abgeholt werden muss, kannst du nicht nur dein Konto online eröffnen, doch auch offizielle Dokumente abzeichnen oder Rechnungen zahlen. Die vier größten Banken in Norwegen sind DNB, Nordea Bank, Sparebanken Vest und Danske Bank. Kleine Probleme gibt es erst, wenn du sowohl ein Konto in Norwegen als auch in Deutschland besitzt und hin und wieder Geld hinüberschickst. Die immer wieder schwankenen Wechselkurse, die im Forex (Foreign Exchange) aufgezeichnet werden, können so für Verluste sorgen, wenn etwa der Euro auf einmal gegenüber NOK fällt. Bei Forex Brokern im Internet kannst du die aktuellen Entwicklungen der Währungspaare verfolgen und so selbst entscheiden, ob es klug ist, ein deutsches Bankkonto zu behalten. Wichtig zu erwähnen ist zudem noch, dass fast alle Norweger ohne Bargeld unterwegs sind, da sämtliche Zahlungen per Karte oder App abgewickelt werden können.

Wohnung oder Haus zur Miete finden

Vor allem in den größeren Städten wurde es zuletzt immer schwieriger, schnell eine Wohnung zu finden. Das betrifft also vor allem Städte wie Oslo, Bergen oder Trondheim. Insbesondere im Sommer sind es oftmals Studenten, die noch auf die Schnelle eine Bleibe suchen und somit viele Immobilien vom Wohnungsmarkt nehmen. Das Wintersemester beginnt in Norwegen im August, sodass sich ein anderer Monat in der Folgezeit besser für einen Umzug eignen würde, wenn die Flexibilität dafür besteht. Oftmals ziehen Menschen in Übergangsbleiben, sei es per Airbnb oder Hotel, ehe sie sich eine Wohnung sichern können. Um eine Wohnung oder gar ein Haus zu mieten, gibt es die in Deutschland üblichen Suchportale auch für Norwegen. In diesem Fall ist Finn.no das größte Portal, wenn es um die neue Wohnung geht. Auf der anderen Seite hilft hin und wieder auch der neue Arbeitgeber bei der Suche. Von einer Kaution in Höhe von drei Monatsmieten darf im Normalfall ausgegangen werden.

Transport auf die Bedürfnisse abgestimmt

Die letzte Frage nach dem Umzug nach Norwegen wird oftmals die nach dem richtigen Transportmittel sein, schließlich möchtest du jeden Tag möglichst zuverlässig zur Arbeit gelangen. Was ist also die beste Variante in Norwegen: Auto, Öffis oder gar das Fahrrad? Das Auto gehört meist nicht dazu, da die Kosten deutlich höher als in Deutschland sind. Es darf mit einem Aufschlag von rund 50% auf Gebrauchtwagen gerechnet werden. Deshalb lohnen sich Neuwagen oftmals mehr, wenn sie denn unbedingt nötig sind. Schließlich punktet Norwegen mit einem außergewöhnlich guten öffentlichen Verkehrssystem, nicht nur in Großstädten wie Oslo. Im ganzen Land bieten Bahn-, Bus- und Schiffsverbindungen genügend Optionen zur Fortbewegung, die auch auf längere Sicht Geld sparen können und ein entspannteres Ankommen garantieren.

Das sind sie also, die sechs Hauptgebiete, die du vor dem Umzug nach Norwegen unbedingt beachten solltest. Erst mit einem bestätigten Job darfst du dich länger als sechs Monate in Norwegen aufhalten. Bist auch du für dein Abenteuer bereit?

Norwegeninfos:

Norwegen auf Amazon – Bücher, Bekleidung, Fahnen, Aufkleber.

Aktuelle Norwegen-Impressionen

Bilder meiner Reise nach Oslo im Mai 2018, anlässlich des norwegischen Nationalfeiertags. Die Reise fand in Zusammenarbeit mit dem Nordis-Magazin statt.

Buchtipps – Veröffentlichungen des Norwegen-Service

Martin Schmidt

Individualreiseführer:
Reisehandbuch NorwegenReisehandbuch Südnorwegen
City Trip Oslo, Bergen, Erfurt / Weimar

Bildband:
Thomas Härtrich & Martin Schmidt: Sehnsucht Norwegen

Sprachbücher:
Einstieg Norwegisch (Hueber Verlag)
Power Sprachtraining (Pons)
Oh, dieses Norwegisch (Conrad Stein Verlag)

Kleine Länderkunde

– 323.802 km² ist Norwegen groß, und damit etwas kleiner als Deutschland. Rechnet man jedoch den von Norwegen verwalteten arktischen Archipel Spitzbergen mit hinzu, sind es 384.824 km².

– Im Gegensatz zu Mitteleuropa ist Norwegen äußerst dünn besiedelt. Gerade einmal 5,2 Millionen Menschen sind im Lande der Wikinger und Elche zu Hause, 660.000 von ihnen wohnen in Oslo, 279.000 in der zweitgrößten Stadt Bergen.

– Norwegen streckt sich reichlich in die Länge. Ganze 1.572 km sind es vom Südzipfel, dem Kap Lindesnes, bis zum Nordkap. An seiner schmalsten Stelle misst das Land gerade einmal 6330 Meter.

– Die Landessprache ist Norwegisch, allerdings in zwei schriftlichen Varianten: bokmål und nynorsk. Dies macht sich auch beim Ländernamen bemerkbar. Heißt Norwegen auf bokmål „Norge“, so trägt das Königreich auf nynorsk die Bezeichnung „Noreg“.
Zweite Landessprache ist Samisch, wenngleich diese nicht alle erlernen müssen.

Bezahlt wird mit der norwegischen Krone.

Homepage-Tipps

– Auf dieser Seite kannst du im Norwegen-Shop Produkte aus und zum Thema Norwegen erwerben.

Norsk ! – So heißt meine Zeitschrift für alle, die Norwegisch lernen.

Fun Facts

-> Der Lærdalstunnel ist mit 24,5 km der längste Straßentunnel der Welt. Er führt von Lærdal nach Aurland in Westnorwegen und besitzt drei große, beleuchtete Felshöhlen, in denen man auch anhalten kann.

-> Der Fjærlandstunnel ist der einzige Tunnel der Welt, der unter einem Gletscher entlang führt.

-> Der Eiksundtunnel führt 287 m unter dem Meer entlang und ist somit der tiefste Untersee-Straßentunnel der Welt. Zumindest noch. Tiefere Unterseetunnel sind in Norwegen bereits im Bau.

Vermischtes

Web-Cams aus Norwegen:

Kleine Web-Cam-Sammlung Norwegen

Große Web-Cam-Sammlung Norwegen.

An- und Weiterreise Norwegen

– Ausweis reicht
– Kinder: eigener Kinderreisepass
– Zollvorschriften beachten (speziell für Alkohol und Tabak)
– Einreise mit Tieren -> Link
– Währung: Norwegische Krone (Kurs ca. 1:9,5)
– Geld: Abheben an Geldautomaten vor Ort möglich
– Ca. 50 Euro schon vorab auf der Bank tauschen
– Tipp: Infoseite der Kgl. Norwegischen Botschaft

Anreise
-> Auto:
Über Dänemark (Fähren ab Hirtshals)
Über Schweden (Fähren ab Kiel, Puttgarten, Travemünde, Rostock)
Ab Deutschland (Fähre Kiel-Oslo)

-> Billigflieger:
Norwegian: ab Berlin, Hamburg, Köln, München, Wien nach Oslo. Ab Berlin auch nach Stavanger, Bergen und Trondheim.

Reisen in Norwegen

-> Geschwindigkeitsbegrenzung:
Innerorts: 50 km/h, Landstr.: 80 km/h, Autobahn: 100 km/h

-> Reisegeschwindigkeit:
Durchschnittl. 60-70 km/h, Tagespensum: max. 200 – 300 km

-> Maut:
Kosten pro Urlaub ca. 30-60 Euro/Auto. An den Mautstationen einfach durchfahren.
Zahlung: Rechnung wird zugesandt. (Außer Atlantiktunnel)

-> Fähren:
An Hauptstr.: mehrmals pro Stunde. An kleinen Nebenstr.: 1-5 x / Tag.
Kosten pro Urlaub: 20-120 Euro (je nach Region)

-> Typisch Norwegen:
22.700 Brücken, 952 Straßentunnel, 32 Unterseetunnel und tausende Kreisverkehre…