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Beitrag vom Donnerstag, 27. Mai 2021

Wohin steuert Norwegen im Hinblick auf das Online-Glücksspiel?

Online-Glücksspiel, oder auch das Glücksspiel allgemein, hat in Norwegen einen eher schweren Stand. Das reguläre Online-Glücksspiel beschränkt sich auf die beiden staatlichen Anbieter, was den Spielspaß der Norweger jedoch nicht trübt. Der Staat geht hingegen durchaus rigoros gegen das Spiel vor. Dieser Artikel schaut sich einmal an, wie es um das künftige Glücksspiel bestellt ist.

Wie sieht die Regulierung aus?

Norwegen hat eine sehr strikte Regelung, die allerdings einen triftigen Grund hat. Norwegen hat eine der höchsten Raten an Spielsüchtigen in ganz Europa. Genauer gesagt bedeutet das, dass das Land viermal so viele Spielsüchtige wie Spanien oder Großbritannien hat. Aus diesem Grund setzt Norwegen recht harsche Regelungen um:

  • Doppelmonopol – einzig die beiden staatlichen Betreiber gehören zu den erlaubten Spielstätten im Onlinebereich. Spielern stehen somit nur zwei Casinos online zur Verfügung.
  • Begründung – das Monopol soll nach Angaben des Landes für eine bessere Kontrolle sorgen, die dazu gedacht ist, die Spielsucht einzudämmen. 
  • Diskussion – die Spielsuchtzahlen in Norwegen sprechen strikt gegen die staatliche Kontrolle, denn wenn die Zahlen weitaus höher sind als in anderen Ländern, die wiederum eine lockere Regelung nutzen, kann etwas nicht passen. Das sagt selbst die staatliche norwegische Glücksspielgesellschaft EGBA, die eine der beiden Lizenzen besitzt.

Fakt ist auch, dass viele Norweger sich nach ausländischen Onlinecasinos umsehen. Rund 66 Prozent der Spieler zocken so in einem der Casinos, die in Malta oder Gibraltar lizenziert sind.

Allgemein wird immer wieder angedacht, das System von Dänemark oder Schweden zu übernehmen. Auch das System ist relativ stringent, doch bietet die Multi-Lizenz-Methode die Chance, die Spieler wenigstens in den legalen Spielrahmen zurückzuführen.

Werbeverbot für Online-Casinos

Um das Doppelmonopol weiterhin aufrechtzuerhalten, plant Norwegen den nächsten Schritt. Wenn schon 66 Prozent der Spieler auf ›illegalen‹ internationalen Seiten spielen, so ließe sich die Zahl sicher eindämmen, wenn Spieler überhaupt keine Kenntnis von diesen Seiten hätten. Und wie geht das? Mit einem Werbeverbot:

  • TV-Verbot – Norwegen verbietet den TV-Anstalten, Werbung von ausländischen und somit in Norwegen illegalen Online-Casinos zu senden. Durch eine Änderung und Ausweitung das Rundfunkrechts bezieht sich das Verbot nun auch auf Sender und Anstalten außerhalb Norwegens, die ihr Programm in dem Land übertragen.
  • Sinn – norwegische Spieler sollen vor den Angeboten geschützt werden. Die TV-Werbung hat nach Ansicht von Experten allerdings nur einen sehr geringen Anteil an der Spielsucht. Zumal sich Werbeverbote nur auf das TV beziehen, nicht aber auf das Internet. Wer gerne online pokert, der wird genau wissen, auf welchem Wege ein Casino zu finden ist.

In Norwegen steht das Werbeverbot schon länger in der Kritik, da die Wirksamkeit nur gering sein dürfte, sofern keine echte Hilfe gegen Spielsucht bereitgestellt wird und Beratungsstellen geschaffen werden. Doch passt das Verbot zur bisherigen Linie, die die Norweger gegen das Online-Glücksspiel aus dem Ausland fahren:

  • Zahlungsverbot – 2017 nahm Norwegen die inländischen Banken in die Pflicht und gab ein Verbot heraus, das den Banken untersagte, Gelder an oder von ausländischen Glücksspielanbietern zu versenden oder anzunehmen. Das Verbot war kaum zielführend.
  • Verschärfte Maßnahmen – 2018 wurde eine Gesetzesnovelle herausgebracht, die seit 2020 in Kraft ist. Nun ist die Zahlung an Glücksspielanbieter, die keine Lizenz aus Norwegen besitzen, illegal.
  • Nutzen – zwar haben die Banken theoretisch ein Programm, welches diese Transaktionen blockieren kann, doch verschleiern die Glücksspielanbieter ihre Identität. In der Folge fließen weiterhin rund 600 Millionen Euro an ausländische Glücksspielanbieter, sodass auch dieser Weg wenig zielführend ist.

Die Lösung wäre, das Lizenzsystem auf die moderne Welt anzupassen.

Sind bereits Veränderungen geplant?

Kurzum: Nein.

Die Debatte um eine zeitgemäße Lizenzierung wird allerdings scharf und lautstark geführt, wobei immer wieder auffällt, dass sogar mit der EGBA ein aktuell lizenzierter Anbieter im norwegischen Monopol eine solche Debatte führen will. Die Regierung hingegen will an der eigenen Linie festhalten. In der Zukunft dürfte das jedoch immer schwieriger werden:

  • Landeslizenzen – immer mehr Länder, die bislang auch strikt gegen das Onlineangebot von Glücksspiel waren, vergeben jetzt oder künftig eigene Lizenzen. Die Niederlande und Deutschland sind nur zwei Beispiele, die nun Dänemark und Schweden folgen.
  • Verbote – sie sind kaum kontrollierbar. Das beste Beispiel ist die Schweiz, die ausländische Online-Casinos verbot und mit Netzsperren arbeitet. Allerdings kommen sie mit den Netzsperren kaum hinterher, davon abgesehen sind Online-Gamer in der Regel relativ versiert und wissen, wie sie eine Ländersperre umgehen.
  • Anreiz – auch bei erwachsenen Menschen hält sich häufig ein kindlicher Wesenszug: Das verbotene Stück Kuchen auf dem Tisch ist verführerisch. Norweger erfahren online von den Online-Casinos und ihren Möglichkeiten und lernen ebenfalls, dass diese in anderen Ländern legal unterwegs und kontrolliert sind. So steigt das Vertrauen und dieses wiederum erhöht den Anreiz, nicht auf den beiden Seiten in Norwegen zu spielen, sondern im Ausland.
  • Fehlende Kontrolle – durch das strikte Monopol hat Norwegen in der Praxis keine Kontrolle über die Mehrheit der Spieler oder der Spielinhalte. In den landeseigenen Casinos können sie Inhalte, Spiele, Nutzungsdauer, Einsätze und Co. steuern, bei ausländischen Casinos nicht. Die Lizenzvergabe an ausländische Anbieter würde Norwegen also auch ein Stück Kontrolle zurückgeben, was sich wiederum positiv auf die Spielsuchtbekämpfung auswirken könnte.

Es bleibt abzuwarten, wie lange die norwegische Regierung ihrer Linie noch treu bleibt. Bis dahin werden wohl weiterhin viele Spieler dort zocken, wo sie das Internet hinführt.

Fazit – veraltetes Glücksspielmodell

Dass das staatliche Glücksspiel in örtlichen Spielbanken oder Casinos unter Kontrolle steht und zu einem Monopolsystem gehört, ist üblich. Online verhält sich die Sachlage aber ganz anders, denn das Monopol wirkt nicht. So ist es kein Wunder, dass beinahe siebzig Prozent der Norweger in ausländischen Casinos spielen und sich nur selten auf den beiden lizenzierten einheimischen Seiten aufhalten. Ob sich die Regelung künftig ändert, muss abgewartet werden. An und für sich setzen die eigenen Landeslizenzen anderer Länder die Skandinavier unter Druck, wie auch die heimische Glücksspielgesellschaft.

(Dieser Beitrag enthält Werbung (Links!). Glücksspiel kann süchtig machen. Bitte informieren Sie sich.)

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