Zahlungssperren für Online Casinos – Norwegen unterbindet den Zahlungsverkehr

Verfasst am 18.07.2019 | Abgelegt unter Zusatzrubrik Reisen

Immer wieder hört man von Diskussionen rund um das Glücksspielmonopol, das die einzelnen Länder schützen möchten. In Deutschland fordern viele Politiker, den Zugriff auf ausländische Online Casinos einzudämmen und stattdessen eigene Lizenzen zu erteilen. Hierzulande sind aber noch keine Änderungen in Sicht – in Norwegen ist man da schon einen ganzen Schritt weiter.

Die Dienstleistungsfreiheit im europäischen Raum sorgt dafür, dass wir uns in einer Grauzone befinden. Ähnlich sieht es in Norwegen aus, doch hier geht man deutlich härter gegen das ausländische Glücksspiel vor. Die zuständige Behörde hat dort nun eine Zahlungssperre verhängt. Das hat zur Folge, dass auch in den bekannten im Ausland ansässigen Casinos, etwa denen der Betsson Group, keine Zahlungen mehr zugelassen sind. Fortan ist es den Banken untersagt, Zahlungen auszuführen. So sollen alle Geldtransfers zu und von internationalen Anbietern erfolgreich unterbunden werden.

Ein Nachteil für die Spieler?

Die sogenannten Echtgeld-Casinos, die vor allem in Steueroasen wie Malta angemeldet werden, machen Spielern auf der ganzen Welt großen Spaß. Das Angebot an Casinos ist groß und die Anmeldung schnell erledigt. Gleich nach der Registrierung kann dann Geld eingezahlt werden. Mit dem Echtgeld kann dann beispielsweise an Slots gespielt werden, auch andere Casinoklassiker wie Roulette oder Blackjack sind in der Regel mit dabei.

Als Spieler in Europa hat man leichten Zugang zu unzähligen Plattformen, die keinen Wunsch offenlassen. Wer Online-Glücksspiel mag, der wird im europäischen Raum immer einen geeigneten Anbieter finden. Es gibt quasi nichts, was es nicht gibt. Mit der Gesetzesänderung sieht es für norwegische Spieler aber nun deutlich schwieriger aus, denn viele namhafte Anbieter fallen dann weg.

Keine internationalen Transaktionen mehr

In vielen Ländern geht man gegen ausländische Online Casinos vor und versucht, den Zugang zu unterbinden. In Norwegen war zuerst von der Netzsperre die Rede, doch mit der Zahlungssperre gehen die Behörden noch einen Schritt weiter. Es ist demnach verboten, Zahlungen von und zu Casinos durchzuführen, und daran haben sich die norwegischen Banken zu halten.

Erstaunlich ist, dass die Behörden sowohl gegen kleine als auch größere Plattformen und Unternehmen vorgehen. So trifft die Zahlungssperre auch Giganten wie die Betsson Group, NordicBet, Cherry AB oder Betsafe. Gegängelt werden also alle Arten von Glücksspielanbietern, von Casinospielen bis hin zu Sportwetten. Man merkt, dass die Regierung ein starkes Zeichen setzen möchte. Auch die Lizenzgeber, etwa die MGA in Malta, wurde bereits über die Gesetzesänderung in Kenntnis gesetzt.

Kindred Group möchte gegen die Behörde vorgehen

Nicht nur viele Spieler ärgern sich über die aktuellen Entwicklungen, auch die Sportwetten- und Glücksspielanbieter sind alles andere als begeistert von den neuen Gesetzen. Schon die Netzsperren und die nur eingeschränkt erlaubte Werbung war den Betreibern ein Dorn im Auge, doch mit der Zahlungssperre gingen die Behörden laut der Kindred Group zu weit.

Zwar gehört Norwegen nicht zur Europäischen Union, die Dienstleistungsfreiheit gilt aber auch in diesem Land. Norwegen zählt zum Europäischen Wirtschaftsraum, weshalb die Casinobetreiber kritisieren, dass der freie Marktzugang unterbunden wird. Zusätzlich merkt man an, dass die Hauptsitze der Glücksspielanbieter im Ausland sind. Die Beschneidung der Dienstleistungsfreiheit ist demnach ungerecht. Noch ungerechter ist für die Unternehmer außerdem, dass man in Norwegen keine Glücksspiellizenz erhalten kann.

Wie der Rechtsstreit ausgeht, das wird das Gericht in Oslo zu entscheiden haben. Auch hier ist wieder einmal zu erwarten, dass es sich um eine langwierige Prozedur handeln wird. Vermutlich wird erst der Europäische Gerichtshof final entscheiden, ob die Zahlungssperren rechtmäßig sind oder die Dienstleitungsfreiheit siegt.

Verschärfte Regeln auch in anderen Ländern

Nicht nur in Norwegen ist das Glücksspielmonopol ein Thema. Auch in anderen skandinavischen Ländern befasst man sich mit Maßnahmen gegen das im Ausland angebotene Glücksspiel. In Schweden beispielsweise weiß man um die Gefahr der Spielsucht. Obwohl das Glücksspiel stark reguliert wird, können die Spieler auch hier auf die sich in der Grauzone bewegenden Plattformen zugreifen. Auch in Schweden arbeitet man deshalb mit Hochdruck daran, das Glücksspiel besser unter Kontrolle zu bringen und zu regulieren.

Ähnliches ist etwa in der Schweiz zu beobachten: Das Glücksspielgesetz dort ist streng, und auch die Schweden möchten im nächsten Jahr ein neues System für die Glücksspiellizenzen veröffentlichen. Der Spielerschutz ist dabei von großer Bedeutung, weshalb es den Spielern beispielsweise leichter gemacht werden soll, Einsätze zu limitieren oder das Konto zu sperren. Auch Bonusangebote sollen reguliert werden, um irreführende Werbung zu unterbinden.

Eine zeitgemäße Glücksspielregulierung als Lösung?

Nicht nur die Online-Casino-Betreiber sind verwundert über die strengen Gesetze, die die norwegische Behörde fordert. Auch anderswo äußert man sich kritisch. So ist beispielsweise die Rede von einer Reformierung des Glücksspielgesetzes. Vielen erscheint es deutlich sinnvoller, die Glücksspielregulierung zu modernisieren, statt immer strengere Sperren zu verhängen.

Fakt ist zu diesem Zeitpunkt aber, dass die Regierung aktuell hauptsächlich ihr Glücksspielmonopol schützen möchte. Im Jahr 2016 erst kam der Vorschlag auf den Tisch – und wurde von dem norwegischen Kultusministerium abgelehnt. Man argumentierte, dass es am sinnvollsten sei, die Monopolstellung zu unterstützen, denn das stelle die beste Art des Spielerschutzes dar. So ist es eher unwahrscheinlich, dass es in Norwegen zu einer neuartigen Glücksspielregulierung kommen wird.

Fazit: Viele Länder, ein Problem

Ob Norwegen, Deutschland, die Schweiz oder Schweden – im gesamten europäischen Raum befasst man sich mit der Frage nach der Sicherung des Glücksspielmonopols. Für Norwegen heißt das am Ende, dass vor allem Notsk Rkstoto und Norsk Tipping A S ihren Einfluss behalten sollen. Ausländische Betreiber von Online Casinos kritisieren dagegen, vielleicht zurecht, dass die Zahlungssperre ein weiterer Schritt in Richtung massives Eingreifen in die Dienstleistungsfreiheit darstellt.

Norwegen möchte aber von der Entscheidung nicht abweichen und sowohl Netzsperren als auch Werbeverbote und zu guter Letzt die Zahlungssperre einführen. Kritiker wenden zurecht ein, dass es vielleicht stattdessen eher an der Zeit wäre, eine zeitgemäße Aktualisierung der Glücksspielregulierung auszuarbeiten.

Zweifelsfrei sind der Spielerschutz und die Spielsucht wichtige Themen, die nicht zu ignorieren sind. Es scheint aber weniger effizient, auf dem eigenen Glücksspielmonopol zu verharren, statt mit der Zeit zu gehen und einen Weg zu finden, eine Vielzahl von Anbietern zuzulassen und anständig zu regulieren. Sicher ist, dass Online Casinos immer beliebter werden und so schnell nicht mehr vom Markt verschwinden werden. Es ist aber davon auszugehen, dass noch einige Zeit verstreichen wird, bis man sich in Norwegen und auch in anderen europäischen Ländern einig wird.

Quellenangabe:

Maciejewski, Mariusz / Ratcliff, Christina / Dobrita, Andreea. (2019): Niederlassungsfreiheit und freier Dienstleistungsverkehr. In: Kurzdarstellungen zur Europäischen Union. 01.04.2019 [http://www.europarl.europa.eu/factsheets/de/sheet/40/niederlassungsfreiheit-und-dienstleistungsfreiheit; 10.07.19]

Prediger, Susanne. (2019): Echtgeld Casino. In: Beste Online Casinos für Deutschland. 07.07.19 [https://casinopilot24.com/echtgeld-casino; 11.07.19]

DW, hk/rb (2018): Volksabstimmung: Schweizer stimmen für Online-Casinos. In: Nachrichten & Analysen: der globale Blick auf Schlagzeilen. 10.06.2018 [https://www.dw.com/de/schweizer-stimmen-f%C3%BCr-online-casinos/a-44145272; 11.07.19]

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