Rjukan und Notodden auf UNESCO-Welterbeliste

Verfasst am 07.07.2015 | Abgelegt unter Gesellschaft / Leben in Norwegen, Kultur / Architektur / Design

Letzten Sonntag wurden die norwegischen Orte Rjukan und Notodden auf die renommierte UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Geschützt werden damit Gebäude, die für die industrielle Revolution in Norwegen stehen und die bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr bäuerlich geprägte Gesellschaft grundlegend veränderten.

Als der Unternehmer Sam Eyde (1866-1940) 1888 den Wasserfall Rjukandefoss erblickte, war er überwältigt. Doch nicht unbedingt seine Schönheit beeindruckte ihn, sondern seine schier unfassbare Kraft. Jahrelang überlegte er, wie diese Kraft genutzt werden könnte.
1903 letztendlich erwarb er vorsorglich die Rechte am Rjukandefoss und begann zusammen mit dem Wissenschaftler Kristian Birkeland (1867-1917) Ideen zu entwickeln.

Die Zusammenarbeit mündete im Birkeland-Eyde-Verfahren zur Produktion von Kunstdünger. (Gewinnung von Stickstoff aus der Luft im Lichtbogen, Quelle: Wikipedia)
Das Verfahren benötigte sehr viel Energie – die nun wieder der Rjukandefoss bot. Somit kam es 1905 zur Gründung des noch heute existierenden Norsk Hydro-Konzerns in Notodden und zwischen 1907 und 1911 zum Bau des Vemork-Kraftwerks am Rjukandefoss; seinerzeit das größte Wasserkraftwerk der Welt.

Mit dem Kraftwerk konnte Kunstdünger in großen Mengen hergestellt werden, was die weltweite Landwirtschaft revolutionierte und die Ernten enorm steigerte. Eyde bahnte zudem entscheidend den Weg zur Stromgewinnung aus Wasserkraft. Norwegen bezieht heute zu 99% seine Energie aus Wasser.

Das Kraftwerk und das angeschlossene Kunstdüngerwerk markierten den Übergang Norwegens zu einer Industriegesellschaft. Auch Rjukan veränderte sich stark. Aus einem kleinen, verarmten Dort mit 100 Einwohnern, wurde innerhalb von 13 Jahren eine auf dem Reißbrett geplante Stadt mit 10.000 Bewohnern.

Seit 2009 setzte sich die Region intensiv für eine Aufnahme auf die Welterbeliste ein. Am 5.7. 2015 wurde das Ziel erreicht.

Norwegische UNESCO-Welterbestätten:

6x Weltkulturerbe: Stabkirche Urnes, Felszeichnungen Alta, Hanseviertel Bryggen in Bergen, Struve-Bogen Hammerfest, Bergbaustadt Røros, Industrieanlagen Rjukan und Notodden.

3x Weltnaturerbe: Geirangerfjord, Nærøy- und Aurlandsfjord, Vega-Inselarchipel

5x Weltdokumentenerbe: Das Lepra-Archiv von Bergen, Stadtarchiv und Länderarchiv, Bergen, Dokumente zur wissenschaftlichen Erforschung der Krankheit; Henrik Ibsen: „Nora oder Ein Puppenheim“, Norwegische Nationalbibliothek, Oslo; Filmmaterial der Südpolexpedition von Roald Amundsen 1910–1912; „Thor Heyerdahl Archiv“ (Sammlung von Dokumenten, Film- und Fotomaterial), Norwegische Nationalbibliothek / Kon-Tiki-Museum, Oslo; „Sophus Tromholt Sammlung“ (Sammlung von 231 Fotos auf Glasnegativen und 189 Fotos auf Albuminpapier aus den Jahren 1882–1883), Universitätsbibliothek, Bergen

 

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