Ende der Kryptowährung-Mining-Subventionen in Norwegen

Verfasst am 27.11.2018 | Abgelegt unter Politik / Wirtschaft / Wissenschaft

Kryptowährung, das klingt kryptisch und ist es auch. Eine Kryptowährung ist letzten Endes eine von Banken unabhängige digitale Währung, die im Sinne eines Tauschmittels funktioniert. Entstanden ist diese Art der Zahlungsweise im Zuge der Finanzkrise 2008. Die Idee dahinter ist an sich gut, allein, im Laufe der Jahre wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Es beginnt im Grunde damit, dass keiner, bis auf einige Nerds, so im Detail versteht, wie der Handel mit Kryptowährungen funktioniert. Ich zitiere da einen YouTube-Kanal, der sich mit Finanzgeschäften beschäftigt: „Auch wir hatten unsere Schwierigkeiten, die technischen Feinheiten herauszuarbeiten.“ Ich versuche es trotzdem einmal, ein paar Grundzüge zu erklären:

Kryptowährungen, von denen es rund 3000 gibt und von denen der Bitcoin die bekannteste ist, werden von Person zu Person (Peer-to-Peer) übertragen, ohne dass Banken zwischengeschaltet sind. Gespeichert wird das Geld in Wallets, also virtuellen Brieftaschen, die sich auf dem Rechner des jeweiligen Nutzers befinden.

So weit, so gut. Nun jedoch wird es kompliziert. Ich nehme mal den Bitcoin als Beispiel. Weltweit gibt es eine begrenzte Anzahl von Bitcoins, nämlich 21 Millionen. Ein so genannter Miner, also eine moderne Art von Goldschürfer, generiert Bitcoins und validiert Zahlungen. Ein Miner bürgt also gewissermaßen für die Transaktionen und sichert das Finanzsystem generell ab.

Weltweite Zahlungen werden in Blöcken (Blockchains) gesammelt, die mit virtuellen Schlössern versehen sind. Diese Schlösser, also äußerst komplizierte Codes, müssen zunächst von den Minern geknackt werden, um danach die Transaktionen durchführen / validieren zu können. Viele Miner arbeiten an einem Block, aber nur der, der ihn am schnellsten (!) knackt, erhält eine Belohnung, und zwar in Form von Bitcoins. Im Laufe der Zeit wird es immer schwieriger die virtuellen Schlösser zu knacken, weil es immer weniger Bitcoins gibt, was wiederum immer mehr Rechenleistung erfordert.
Miner verdienen nun also am Knacken der Codes und an Transaktionsgebühren.

Das knacken der äußerst komplizierten Codes ist das eigentliche Problem. In verschiedenen Ländern gibt es nun ganze „Farmen“, in denen Miner mittels unzähligen Hochleistungsrechnern an der Entschlüsselung und damit am finanziellen Gewinn arbeiten. Abgesehen davon, dass so ein Wirtschaftszweig erschaffen wird, der mit realem wirtschaften nicht mehr viel zu tun hat, und somit, zumindest für mich, irgendwie an die künstliche Welt von Hedgefonds erinnert, fressen die eingesetzten Rechner unglaublich viel Strom. Momentan (Ende 2018) geht das Äquivalent des gesamten Stromverbrauchs Österreichs für Kryptowährungs-Rechner drauf. In anderthalb Jahren könnten diese so viel Strom verbrauchen wie heute die USA. Bis 2024, so schätzt der Wissenschaftler Harald Lesch, wäre es, wenn weiter Farmen wie Pilze aus dem Boden schießen, mathematisch denkbar, dass der gesamte Energieverbrauch der Welt nur noch und ausschließlich für die Hochleistungsrechner der Miner „drauf“ geht. Vorausgesetzt natürlich, dass es auf dem Gebiet des Stromverbrauchs keinen technologischen Fortschritt gibt. Doch selbst wenn man sehr zeitnahe (!!) Innovationen mit einrechnet, dürfte das Szenario ein düsteres sein.

Norwegen galt neben Island bisher als Vorzeigeland für Kryptowährungsfarmen, da man hier die Rechner mit Ökostrom versorgt. Norwegen subventionierte die Ansiedlung der Rechenzentren mit extrem günstigen Stromtarifen. Allerdings hatte man wohl die Nachfrage deutlich unterschätzt. Diese ist so stark, dass, wenn alle Projekte in die Tat umgesetzt würden, der jährliche Stromverbrauch bei 61,2 TWh läge. Dies entspräche dann 46 % des aktuellen Stromverbrauchs, der 132,9 TWh entspricht. Ursprünglich war man von einem Maximalverbrauch von 1,2 TWh im Jahr 2020 und 3,5 TWh im Jahr 2035 ausgegangen. Man unterschätzte als die Situation und die Gefahr gewaltig.

Norwegen zieht nun folgerichtig die Reißleine und möchte nun, dem am Anfang sicher gut gemeinten, Wahnsinn, ein Ende setzten, oder besser den Stecker ziehen. Die Strom-Subventionen werden ab 1. Januar gestrichen. Der Preis wird sich von 0,48 Øre (0,043 Euro) pro Kilowatt/h um das knapp 35-fache auf 16,58 Øre (1,70 Euro) pro Kilowatt/h erhöhen.

Die Entscheidung ist aus meiner Sicht richtig, sehr wichtig und gut, kommt aber natürlich für entsprechende Firmen sehr plötzlich und spontan.

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