Das Jahr 1814 und das neue norwegische Grundgesetz

Verfasst am 15.05.2014 | Abgelegt unter Feste / Traditionen / Festivals, Geschichte & Ortsgeschichten, Gesellschaft / Leben in Norwegen

Norwegen begeht seinen Nationalfeiertag am 17. Mai. 1814 war es, als genau an diesem Tage das neue Grundgesetz verabschiedet wurde. Dieses verlieh dem Land innenpolitische Freiheiten und war ein wichtiger Schritt hin zur vollständigen Unabhängigkeit im Jahre 1905. Die Feierlichkeiten dürften auf Grund des 200. Jubiläums 2014 besonders üppig ausfallen. Zu den Festveranstaltungen sind Staatsoberhäupter aus allen nordischen Ländern geladen.

Um die Bedeutung des Tages für Norwegen verstehen zu können, muss man bis in das 14. Jahrhundert zurück gehen und dem „Schwarzen Tod“, sprich der Pest ins Auge blicken. In den Jahren 1348 und 1349 war es, als diese in Norwegen grassierte und ihr 60% der Bevölkerung zum Opfer fielen. Die Todesraten waren besonders hoch, da es eine norwegische Tradition war, dass sich die Bauernhöfe unter einander halfen, man so einen regen Austausch pflegte und sich die Krankheit so ungehindert ausbreiten konnte. Auch die umfassenden Bestattungsrituale, bei denen nicht selten ganze Ortschaften anwesend waren, leisteten der Pest, welche durch Flöhe übertragen wird, Vorschub.

Besonders betroffen war seinerzeit die Oberschicht. Dies führte zu großen sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen, da einflussreiche Positionen zunehmend durch dänische Beamte besetzt werden mussten. Da sich das Land bald auch keinen eignen Königshof mehr leisten konnte, kam es kam im Zuge der Kalmarer Union zur Annexion des Gebietes durch Dänemark. Norwegen war fortan zu schwach, um sich aus der Union wieder lösen zu können. Dänisch wurde zur Amtssprache.

Der Friede von Kiel

Den entscheidenden Wendepunkt brachte der am 14. Januar 1814 in Kiel geschlossene Friedensvertrag zwischen Dänemark auf der einen und Schweden / England auf der anderen Seite. Es legte eine territoriale Neuordnung Skandinaviens fest. Dänemark, das während der Napoléonischen Kriege auf Seiten Napoléon gestanden hatte, und somit zu den Verlierern zählte, musste Norwegen an Schweden abtreten. Schweden seinerseits sah Norwegen als Kompensation für das 1809 an Russland verloren gegangene Finnland an.

Die Versammlung von Eidsvoll

Seit 1813 war der dänische Kronprinz Christian Frederik Statthalter von Norwegen. Er berief nun nach Bekanntwerden des Friedensvertrages die 21 einflussreichsten Männer des Landes auf einem Gutshof im Örtchen Eidsvoll zusammen. Sein Ziel war es, absolutistischer, also alleinherrschender König eines souveränen Norwegens zu werden. Die Versammelten widersetzen sich jedoch seiner Forderung. Sie fanden vielmehr, dass die Macht nun an das Volk gefallen sei und Norwegen allenfalls eine konstitutionelle Monarchie sein könne. Nachdem Christian Frederik auf das Ansinnen einging, wurden 112 Delegierte aus allen Teilen Norwegens nach Eidsvoll berufen, Juristen, Pfarrer, Offiziere, Kaufleute und Bauern. Sie kamen am 11. April 1814 zur verfassungsgebenden Versammlung zusammen (siehe Bild). Am 17. Mai 1814 wurde das Grundgesetz in einer geheimen Wahl verabschiedet. Es war eine Mischung aus der amerikanischen und der französischen Verfassung und eines der modernsten seiner Zeit.

Union mit Schweden

Schweden akzeptierte jedoch kein unabhängiges Norwegen und griff das Land am 26. Juli 1814 an. Nach einem kurzen Krieg kapitulierte Norwegen. In der Konvention von Moss vom 14. August 1814 willigte Norwegen die Personalunion ein, galt aber fortan als gleichberechtigter Partner. Dies bedeutete eine innenpolitische Selbstständigkeit, wohingegen das Land außenpolitisch weiterhin von Schweden vertreten wurde. Die vollständige Unabhängigkeit erlangte Norwegen erst 1905

Eidsvoll

Das Gebäude, in dem die für Norwegen so ungemein wichtige verfassungsgebende Versammlung stattfand, steht in Eidsvoll, einem kleinen Örtchen 77 km nördlich von Oslo. Es ist von 10-17 Uhr geöffnet.

Das Gemälde

Das Bild rechts zeigt die verfassungsgebende Versammlung der „Eidsvoll-Männer“. Wer des Norwegischen mächtig ist, findet hier einige Erläuterungen zu den verschiedenen teilnehmenden Personen. 62 von 112 Delegierten sind auf dem Gemälde zu sehen.
Geschaffen wurde das Bild zwischen 1882 und 1885 vom norwegischen Maler Oscar Wergeland (1844-1910) . Es hängt über dem Rednerpult im norwegischen Parlament, dem Storting.

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Norwegische Impressionen

(c) Reinhard Pantke

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Zitat:
„Was für ein Land, meine Heimat! Schneebedeckte Berge und der Geruch nach Heide und Moor. Eine frische Brise, die über kristallklares Wasser heranweht, von Fjorden, die sich in die verstecktesten Winkel schlängeln. Wo im Sommer die Sonne nie verschwindet, gerade nur den Horizont berührt, bevor sie wieder aufsteigt und ihre Bahn über den Himmel zieht.“ (Liv Ullmann, *1938, aus: Wandlungen)

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