Der erste Kriminalroman der Welt

Verfasst am 17.02.2015 | Abgelegt unter Buchtipps, Entdeckungen-am-Wegesrand

Die Beschreibung von Kriminalfällen lässt sich literarisch weit zurückverfolgen. Im Grunde bis hin zur biblischen Geschichte von Kain und Abel.
Die erste moderne Beschreibung eines realen Kriminalfalles stammt vermutlich aus der Feder Friedrich Schillers. „Der Verbrecher aus verlorener Ehre – eine wahre Geschichte“ gilt als Meilenstein der objektiven Berichterstattung.

Der Kriminalroman wie wir ihn heute kennen, ist fiktiver Natur. Ihn kennzeichnen drei Fragen, die nach dem Täter (wer?), dem Tathergang (wie?) und dem Motiv (warum?). Damit verbunden sind vier zentrale Punkte: 1. Das konkrete Problem. Eine Straftat (Mord), die aufgeklärt werden soll. 2. Der im Mittelpunkt stehende Detektiv (Ermittler). Dieser untersucht den Kriminalfall und klärt ihn auf. 3. Die Verdächtigungen. Diese richten sich gegen eine oder mehrere Personen, die sich später jedoch als unschuldig erweisen. 4. Die Aufklärung. Der Schuldige wird genannt und der Tathergang beschrieben.

Als der erste Autor von Detektivgeschichten gilt eigentlich der Amerikaner Edgar Allan Poe, dessen Erzählung „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ im Jahre 1841 veröffentlicht wurde. Es fehlen bei dieser Geschichte jedoch noch einige zentrale Punkte, wie mehrere (unschuldige) Verdächtige und vor allem der Mord, denn am Ende stellt sich die Tat als Unglücksfall heraus. Auch geht es mehr um die Genialität des Detektivs, denn um das Verbrechen an sich. Daher wird gerne der Roman „The Notting Hill Mystery“ aus dem Jahre 1862 als erster Krimi genannt.

Doch egal ob man nun Poes „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ aus dem Jahre 1841 oder „The Notting Hill Mystery“ von 1862 heranzieht, beide Erzählungen sind nicht die ersten ihres Genres. Diese Ehre wird einer Geschichte aus der Feder des Norwegers Maurits Christopher Hansen (1794-1852) zuteil. Diese erschien 1839 (gebunden 1840) und trägt den Titel „Mordet på maskinbygger Roolfsen, Criminalanecdot fra Kongsberg“ (Der Mord an Maschinenbauer Roolfsen, Kriminalanekdote aus Kongsberg). 

Erzählt wird auf 110 Seiten vom gutaussehenden Maschinenbauer Roolfsen, der Ende des 18. Jahrhunderts in Kongsberg im Silberbergwerk arbeitete. Eines Herbstabends, nach dem Besuch der Gastwirtschaft im Bussedalen, verschwindet er spurlos. Das Gerücht von einem Mord verbreitet sich schnell in der Stadt, was den Beamten und Rechtsgelehrten Johannes Barth auf den Plan ruft und den Tathergang ermitteln lässt. Schnell richtet sich der Verdacht auf den Wirtshausbesitzer Herman Haitler und seinen Sohn, die vom Ableben Roolfsens einen klaren Vorteil haben. Doch die Ermittlungen dauern an und Kongsbergs oberster Beamter wird langsam ungeduldig, was zu einen Konflikt mit dem Ermittler Barth führt.
Eine Reihe von Ereignissen führen schließlich zum richtigen Täter, der durch einen nahezu unleserlichen Brieftext überführt wird.
Im Zuge des Kriminalromans erhält der Leser einen Einblick in die Kultur Ende des 18. Jahrhunderts. Zahlreiche Personen und ihre Lebensumstände werden aufgeführt, angefangen bei einer unglücklichen jungen Dame, über einen leicht verwirrten Pfarrer bis hin zu einem antiautoritären Apotheker.

Eine etwas ältere Geschichte Hansens, „Jutulskoppen. En norsk Kriminal-fortælling“ („Die Tasse der Riesen – Eine norwegische Kriminalgeschichte“) erschien bereits 1836, trägt jedoch zu viele übernatürliche, phantastische Züge, um als eigentlicher Kriminalroman gelten zu können.

Tags: Kriminalroman, Kriminalgeschichte, Krimi

 

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