Alte norwegische Apfelsorten

Verfasst am 24.03.2015 | Abgelegt unter Entdeckungen-am-Wegesrand, Natur / Fauna / Flora / Geo

Äpfel sind in Norwegen seit der Wikingerzeit dokumentiert. Im Osebergschiff, das in Oslo ausgestellt ist, fand man 54 gut erhaltene Früchte, die als Wegzehrung für die Fahrt ins Jenseits gedacht waren.
Der kommerzielle Anbau von Äpfeln begann im 11. Jahrhundert und wurde von Zisterziensermönchen initiiert. Die Plantagen am Hardanger- und Sognefjord zeugen noch heute davon.

Insgesamt rechnet man damit, dass es in Norwegen gegen Ende der Blüte des Apfelanbaus im 18. Jahrhundert rund 400 Apfelsorten gab. Von diesen lassen sich heute noch 150 nachweisen. 12 wurden erst in den letzten Jahren wiederentdeckt.
Die Hauptanbaugebiete in Norwegen sind der Hardanger- und der Sognefjord. Kleinere Plantagen finden sich zudem am Nordfjord und in der Region um Stavanger. Das nördlichste Verbreitungsgebiet ist Trondheim, wo Äpfel jedoch nur für den privaten Verzehr gezüchtet werden

So manche der erhaltenen alten Sorten haben rein geschmacklich sicher nur Liebhaberwert. Andere, wie z.B. Kaupanger, Langballer, Leiknes und Tveiteple haben Potential, das durch Züchtung gewiss weiter entwickelt werden könnte. Wieder andere Äpfel sind im Prinzip auch für heutige Hobbygärtner gut geeignet. Zu diesen zählen Ekely, Edholm, Haugeeple, Haugmann, Håkonseple, Idunn, Leinestrand, Løeple, Nanna, Prins, Rondestveit, Rosenstrips, Stor Torstein und Siv. Das Problem: Man wird keine dieser Sorten in Deutschland erwerben können. Auch in Norwegen sind sie, wenngleich sie teilweise mal sehr beliebt waren, nur noch wenig verbreitet. Auf der anderen Seite macht genau dies sie so besonders und außergewöhnlich.

Bewahrt werden Apfelsorten auf einigen Höfen, in Freilichtmuseen und in Baumschulen. Eine Auswahl: Norwegisches Fruchtmuseum Leikanger,  Åberge Planteskule, Hjeltnes gartnerskole, Gartenbauuniversität Ås.
Zudem finden ua. in Lier und auf der Inselgruppe Hvaler regelmäßig Apfelfestivals statt.
Viele der alten Sorten sind zudem in den Freilichtmuseen entlang des Hardangerfjords anzutreffen.

Doch es werden auch neue Apfelsorten in Norwegen gezüchtet. Diese eigenen sich besonders gut für den Bio-Garten. Neue Sorten sind z.B. Øydvin und Sonja (nicht zu verwechseln mit der in Deutschland gezogenen Sorte Sonja), sowie Your Choice, Ingelin und Eir. Sie sind resistent gegen viele Apfelkrankheiten und haben ein ausgewogenes Säure-Süße Verhältnis.

Alte norwegische Apfelsorten (Auswahl)

Die Links führen zu weiteren Informationen (auf Norwegisch) und zu Bildern der jeweiligen Sorten.

Edholm – Vom Hof Edholm auf Hvaler (Østfold), recht hoher Baum, gute Widerstandskraft gegen Krankheiten; Pflückreife: X, Genussreife: XII-III, Geschmack: gutes Aroma, süß-sauer

Ekely – Vom Hof Ekely bei Oslo, um 1900, kräftiges Wachstum, flachrunde Krone, widerstandsfähig gegen Krankheiten, toller Duft; Pflückreife: früh, Genussreife: mit der Ernte, Geschmack: saftig, frisch, süß-sauer

Fosseple – Vom Hof Foss in Sognadal am Sognefjord; um 1870, mittelstark wachsend, hohe runde Krone, geeignet für niederschlagsreiche Küstenregionen; Pflückreife: X, Genussreife: XI-XII, Geschmack: süß-säuerlich, aber wenig Saft, etwas Aroma

Fuhr / Kavil – Aus Luster in Sogn. Um 1660-1680. Mittelgroßer Baum. Starker Duft. Pflückreife: Ende IX, Genussreife: X-I, Geschmack: mild säuerlich mit etwas Aroma

Garborg – Gefunden in Time in der Region Jæren im Südwesten des Landes. Um 1820. Starker Wuchs. Pflückreife: Ende VIII, Genussreife: VIII, Geschmack: saftig, süß, gutes Aroma

Haugeeple – Aus Gloppen am Nordfjord, 1880. Kräftig wachsender Baum mit hängenden Zweigen. Riecht gut. Pflückreife: Ende IX, Genussreife: X-XI, Geschmack: saftig, etwas säuerlich, etwas Aroma.

Haugmann – Vom Krørderen See, aus 4/500 m Höhe. 1850er Jahre. Mittelgroßer Baum mit hängenden Zweigen. Nicht sehr krankheitsresistent. Pflückreife: Ende IX, Genussreife: IX-XII, Geschmack: saftig, süß-säuerlich, sehr gutes Aroma, saftig.

Høynes – Aus Høynes am Nordfjord, Mitte 19. Jahrhundert, mittelstark wachsend, hohe runde Krone; Pflückreife: X, Genussreife: I-III, Geschmack: säuerlich, geringe Qualität

Håkonseple – Vom Sjøtun Hof in Jondal, Hardanger, 1905. Angeblich hat dieser Apfel folgende Geschichte: Seefahrer brachten 1905 einige Äpfel mit auf den Hof. Guro Olsdotter pflanze die Kerne in ein Paar Holzschuhe. Ihr Schwiegersohn Nils Sjøtun nahm sich der Pflänzchen an und benannte sie nach dem neuen König Håkon, der 1905 gerade inthronisiert wurde. Pflückreife: spät, Genussreife: spät, Geschmack: sehr gut, würzig, ein typischer Weihnachtsapfel.

Idunn – Kreuzung aus dem Jahre 1984. In einigen Baumschulen in Norwegen erhältlich. Kräftiger Wuchs, gut krankheitsresistent. Pflückreife: IX, Genussreife: IX, Geschmack: gu

Kaupanger – Aus Kaupanger in Sogn oder vom Hardangerfjord, 19. Jahrhundert, stark wachsend, weniger krankheitsresistent; Pflückreife: X, Genussreife: XII-III, Geschmack: saftig, süß-säuerlich, sehr gutes Aroma, saftig.

Langballe – Aus Skorpen in Sunnhordaland (Møre og Romsdal), um 1870, mittelstark wachsend, hohe runde Krone, wird nicht mehr gepflanzt; Pflückreife: Ende VIII, Genussreife: IX-X, Geschmack: saftig, etwas Säure, guter Geschmack und gutes Aroma

Lavoll – Vom Hof Lavoll in Luster (Region Sogn), Anfang 19. Jahrhundert, mittelstark wachsend, hohe runde Krone; Pflückreife: Ende IX, Genussreife: XI-XII/I, Geschmack: gutes Aroma, aber säuerlich,

Leiknes – Aus Hamre in Hordaland, um 1890, mittelstark wachsend, hohe runde Krone; Pflückreife: Mitte IX, Genussreife: X-XI, Geschmack: wenig Aroma, aber guter Geschmack, saftig, mild-säuerlich,

Leinestrand – Vom Hof Leinestrand in Ringerike (Ostnorwegen), um 1850, mittelstark wachsend, hohe runde Krone mit hängenden Ästen; Pflückreife: Ende VII, Genussreife: Ende VII-IX, Geschmack: viel Aroma, guter süß-säuerlicher Geschmack, saftig

Løeple – Aus Masfjord in Hordaland, um 1925, wenig erprobt, könnte sich für Küstengebiete eignen, mittelhoher, kegelförmiger Wuchs, Frucht nur kurz lagerbar; Pflückreife: IX, Genussreife: X-XI, Geschmack: guter Geschmack

Nanna – Kreuzung aus dem Jahre 1984. Mittelstarker Wuchs. Gut krankheitsresistent. Pflückreife: VIII, Genussreife: VIII, Geschmack: gut, bei viel Zucker.

Oster – Aus Ostereidet, 1915, kleinwüchsig, geeignet für Küstengebiete; Pflückreife: Ende VIII, Genussreife: Ende VIII Geschmack: recht säuerlich

Prins – Aus Ullensvang, Hardanger. Um 1860. Mittelstarker Wuchs. Pflückreife: Mitte IX, Genussreife: IX-X, Geschmack: gut, leicht säuerlich

Rondestveit – Aus Ulvik am Hardangerfjord. Um 1870. Mittelstarker Wuchs. Gut krankheitsresistent. Pflückreife: Ende IX, Genussreife: X-XII, Geschmack: relativ saftig, süß, besonders guter Geschmack und tolles Aroma

Rosenstrips – Eine Apfelgruppe aus den Regionen Hardanger und Sogn. 1781 erstmals erwähnt, vermutlich aber wesentlich älter. Mittelgroßer Baum, krankheitsanfällig bei zu viel Regen. Pflückreife: Ende VIII, Genussreife: IX-X, Geschmack: gering saftig, süß-säuerlicher Geschmack, schwaches Aroma.

Simenrud – Aus Fåberg (Oppland, Ostnorwegen), Ende 19. Jahrhundert, geeignet für raueres Binnenklima, kräftiger Wuchs, große Krone; Pflückreife: Ende VIII, Genussreife: IX, Geschmack: saftig, süß-säuerlicher Geschmack

Siv – 1984 entstandene Kreuzung, mittelstarker Wuchs, lange Haltbarkeit der Früchte; Pflückreife: Ende VIII, Genussreife: IX, Geschmack: gut!

Stor Torstein – Aus Ullensvang in Hardanger (Hordaland), Mitte 19. Jahrhundert, kräftig wachsend, lange, hängende Äste, recht krankheitsanfällig; Pflückreife: X, Genussreife: XI-XII, Geschmack: süß-säuerlich, schwaches Aroma, saftig

Tommos – Vik in Sogn, Anfang 19. Jahrhundert. Sehr kräftiger Wuchs. Pflückreife: Ende X, Genussreife: I-V, Geschmack: nicht sehr saftig, aber süß, gutes Aroma

Tveiteple – Aus Kinsarvik in Hardanger (Hordaland), vor 1825, mittelstarker Wuchs mit flachrunder Krone, recht krankheitsanfällig; Pflückreife: IX, Genussreife: X-XII, Geschmack: saftig und guter Geschmack, aber wenig Aroma

Øskaug – Sande in Vestfold. Mitte 19. Jahrhundert. Die Kerne für die Sorte sollen von Schiffen mitgebracht worden sein. Mittelstarker Wuchs. Pflückreife: Ende IX, Genussreife: XI-XII, Geschmack: leicht säuerlich, leicht süß, gutes Aroma

 

Tags: Apfelbaum, Apfelbäume, Apfelsorten, Äpfel aus Norwegen

Norwegeninfos:

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Aktuelle Norwegen-Impressionen

Bilder meiner Reise nach Oslo im Mai 2018, anlässlich des norwegischen Nationalfeiertags. Die Reise fand in Zusammenarbeit mit dem Nordis-Magazin statt.

Buchtipps – Veröffentlichungen des Norwegen-Service

Martin Schmidt

Individualreiseführer:
Reisehandbuch NorwegenReisehandbuch Südnorwegen
City Trip Oslo, Bergen, Erfurt / Weimar

Bildband:
Thomas Härtrich & Martin Schmidt: Sehnsucht Norwegen

Sprachbücher:
Einstieg Norwegisch (Hueber Verlag)
Power Sprachtraining (Pons)
Oh, dieses Norwegisch (Conrad Stein Verlag)

Kleine Länderkunde

– 323.802 km² ist Norwegen groß, und damit etwas kleiner als Deutschland. Rechnet man jedoch den von Norwegen verwalteten arktischen Archipel Spitzbergen mit hinzu, sind es 384.824 km².

– Im Gegensatz zu Mitteleuropa ist Norwegen äußerst dünn besiedelt. Gerade einmal 5,2 Millionen Menschen sind im Lande der Wikinger und Elche zu Hause, 660.000 von ihnen wohnen in Oslo, 279.000 in der zweitgrößten Stadt Bergen.

– Norwegen streckt sich reichlich in die Länge. Ganze 1.572 km sind es vom Südzipfel, dem Kap Lindesnes, bis zum Nordkap. An seiner schmalsten Stelle misst das Land gerade einmal 6330 Meter.

– Die Landessprache ist Norwegisch, allerdings in zwei schriftlichen Varianten: bokmål und nynorsk. Dies macht sich auch beim Ländernamen bemerkbar. Heißt Norwegen auf bokmål „Norge“, so trägt das Königreich auf nynorsk die Bezeichnung „Noreg“.
Zweite Landessprache ist Samisch, wenngleich diese nicht alle erlernen müssen.

Bezahlt wird mit der norwegischen Krone.

Homepage-Tipps

– Auf dieser Seite kannst du im Norwegen-Shop Produkte aus und zum Thema Norwegen erwerben. Viel Spaß beim Stöbern.

Norsk ! – So heißt meine Zeitschrift für alle, die Norwegisch lernen.

Fun Facts

-> Der Lærdalstunnel ist mit 24,5 km der längste Straßentunnel der Welt. Er führt von Lærdal nach Aurland in Westnorwegen und besitzt drei große, beleuchtete Felshöhlen, in denen man auch anhalten kann.

-> Der Fjærlandstunnel ist der einzige Tunnel der Welt, der unter einem Gletscher entlang führt.

-> Der Eiksundtunnel führt 287 m unter dem Meer entlang und ist somit der tiefste Untersee-Straßentunnel der Welt. Zumindest noch. Tiefere Unterseetunnel sind in Norwegen bereits im Bau.

Vermischtes

Web-Cams aus Norwegen:

Kleine Web-Cam-Sammlung Norwegen

Große Web-Cam-Sammlung Norwegen.

An- und Weiterreise Norwegen

– Ausweis reicht
– Kinder: eigener Kinderreisepass
– Zollvorschriften beachten (speziell für Alkohol und Tabak)
– Einreise mit Tieren -> Link
– Währung: Norwegische Krone (Kurs ca. 1:9,5)
– Geld: Abheben an Geldautomaten vor Ort möglich
– Ca. 50 Euro schon vorab auf der Bank tauschen
– Tipp: Infoseite der Kgl. Norwegischen Botschaft

Anreise
-> Auto:
Über Dänemark (Fähren ab Hirtshals)
Über Schweden (Fähren ab Fähren ab Kiel, Puttgarten, Travemünde, Rostock)
Ab Deutschland (Fähre Kiel-Oslo)

-> Billigflieger:
Norwegian: ab Berlin, Hamburg, Köln, München, Wien nach Oslo. Ab Berlin auch nach Stavanger, Bergen und Trondheim.

Reisen in Norwegen

-> Geschwindigkeitsbegrenzung:
Innerorts: 50 km/h, Landstr.: 80 km/h, Autobahn: 100 km/h

-> Reisegeschwindigkeit:
Durchschnittl. 60-70 km/h, Tagespensum: max. 200 – 300 km

-> Maut:
Kosten pro Urlaub ca. 30-60 Euro/Auto. An den Mautstationen einfach durchfahren.
Zahlung: Rechnung wird zugesandt. (Außer Atlantiktunnel)

-> Fähren:
An Hauptstr.: mehrmals pro Stunde. An kleinen Nebenstr.: 1-5 x / Tag.
Kosten pro Urlaub: 20-120 Euro (je nach Region)

-> Typisch Norwegen:
22.700 Brücken, 952 Straßentunnel, 32 Unterseetunnel und tausende Kreisverkehre…