Norwegen hat gewählt

Verfasst am 13.09.2017 | Abgelegt unter Gesellschaft / Leben in Norwegen, Politik / Wirtschaft / Wissenschaft

Es war eine spannende Wahl und erst in der Nacht vom 11. zum 12. September stand fest, ob die amtierende Regierung ihre Arbeit fortsetzen kann, oder nicht.
Entscheidend war dabei, ob es die beiden kleinen Parteien Venstre (Links, V) und Christliche Volkspartei (Kristelig Folkeparti, KrF) über die 4 %-Hürde schaffen würden. Am Ende gelang beiden der Sprung, wodurch es eine konservative Mehrheit der Sitze im Parlament gibt. Es müssen mindestens 85 Sitze erreicht werden, das rechte Lager unter Ministerpräsidentin Erna Solberg (Høre, Rechts, H) errang 88 Sitze.

In der letzten Wahlperiode gab es eine Koalition aus Høyre und der rechtspopulistischen Fortschrittspartei (Fremskittspartiet, Frp). Toleriert wurde die Minderheitskoalition von Venstre und KrF. Die Christliche Volkspartei (KrF) könnte nun das Zünglein an der parlamentarischen Waage sein, kündigte die Partei doch an, angesichts des schlechten Wahlergebnisses, die Koalition nicht mehr zu unterstützen. Die Themen der Frp lägen zu weit von den eigenen entfernt. KrF kann sich nun vorstellen, auch linke parlamentarische Vorschläge zu unterstützen, was eine deutliche Schwächung der Stellung der Regierungskoaltion darstellen würde. Da es in Zusammenarbeit mit der Arbeiterpartei (Ap), der Sozialistischen Linkspartei (Sosialistisk Ventreparti, SV) und der bäuerlichen Zentrumspartei (Sentrumspartiet, Sp) eine beschlussfähige Mehrheit von einem Sitz geben würde, besteht zudem die Gefahr des Zerfalls der Koalition und einer Machtverschiebung nach links. Neuwahlen sind in Norwegen zwar gesetzlich nicht vorgesehen, Rücktritte sind jedoch möglich. Der Parteivorsitzende der Arbeiterpartei würde in diesem Fall den Regierungsposten übernehmen. Vielleicht ein Grund dafür, dass Jonas Gahr Støre trotz massiver Verluste der Arbeiterpartei nicht zurücktreten möchte.

Insgesamt, so war im Radio und im Fernsehen zu vernehmen, gewann die amtierende Ministerpräsidentin Erna Solberg nicht auf Grund der Beliebtheit der Regierung die Wahl, sondern auf Grund der schlechten und diffusen politischen Positionierung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. „Ap wollte eine „sowohl als auch“ Partei sein, in einer Zeit, da der Wähler ein deutliches „entweder oder verlangt“, so ein Analyst.

Interessant ist, dass sich Norwegens Wähler eigentlich trotzdem für eine linke Mehrheit entscheiden haben. Da jedoch die Gründen (Miljøpartiet De Grønne, MDG) und die Roten (Rødt, R) unter 4 % errangen, gibt es eine konservative parlamentarische Mehrheit.
Bis 2019 soll nun analysiert werden, inwiefern das Wahlgestz geändert und eventuell die 4 %-Hürde wegfallen kann.

Das Wahlergebnis

Norwegens Politik ist in zwei Lager gespalten. Ein Überlaufen in ein anderen Lager oder eine lagerübergreifende Koalition sind nicht üblich. Sollte die KrF das Lager wechseln, wäre dies ein Novum.

Konservatives Lager:

Høyre (H) 25 % (-1,8 %)
Fremskittspartiet (Frp) 15,2 % (-1,1 %)
Venstre (V) 4,4 % (-0,9 %)
Kristelig Folkeparti (KrF) ,2 % (-1,4 %)

Linkes Lager

Arbeiderpartiet (Ap) 27,4 % (-3,5 %)
Sosialistisk Venstreparti (SV) 6 % (+1,9 %)
Sentrumsparti (Sp) 10,3 % (+4,8 %)

Miljøpartiet De Grønne (MDG) 3,2 % (+0,4 %)
Rødt (R) 2,4 % (+1,3 %)

Verlierer der Wahl sind die konservativen Parteien und die Arbeiterpartei. Gewinner sind die kleinen linken Parteien.
Auf Grund von Ausgleichsmandaten errangen MDG und Rødt einen parlamentarischen Sitz. Beide Parteien lagen in Oslo bei über 5 %.

Das Wahlergebnis nach Regionen.

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Kleine Länderkunde

– 323.802 km² ist Norwegen groß, und damit etwas kleiner als Deutschland. Rechnet man jedoch den von Norwegen verwalteten arktischen Archipel Spitzbergen mit hinzu, sind es 384.824 km².

– Im Gegensatz zu Mitteleuropa ist Norwegen äußerst dünn besiedelt. Gerade einmal 5,2 Millionen Menschen sind im Lande der Wikinger und Elche zu Hause, 660.000 von ihnen wohnen in Oslo, 279.000 in der zweitgrößten Stadt Bergen.

– Norwegen streckt sich reichlich in die Länge. Ganze 1.572 km sind es vom Südzipfel, dem Kap Lindesnes, bis zum Nordkap. An seiner schmalsten Stelle misst das Land gerade einmal 6330 Meter.

– Die Landessprache ist Norwegisch, allerdings in zwei schriftlichen Varianten: bokmål und nynorsk. Dies macht sich auch beim Ländernamen bemerkbar. Heißt Norwegen auf bokmål „Norge“, so trägt das Königreich auf nynorsk die Bezeichnung „Noreg“.
Zweite Landessprache ist Samisch, wenngleich diese nicht alle erlernen müssen.

Bezahlt wird mit der norwegischen Krone.

Homepage-Tipps

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Fun Facts

-> Der Lærdalstunnel ist mit 24,5 km der längste Straßentunnel der Welt. Er führt von Lærdal nach Aurland in Westnorwegen und besitzt drei große, beleuchtete Felshöhlen, in denen man auch anhalten kann.

-> Der Fjærlandstunnel ist der einzige Tunnel der Welt, der unter einem Gletscher entlang führt.

-> Der Eiksundtunnel führt 287 m unter dem Meer entlang und ist somit der tiefste Untersee-Straßentunnel der Welt. Zumindest noch. Tiefere Unterseetunnel sind in Norwegen bereits im Bau.

Vermischtes

Web-Cams aus Norwegen:

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An- und Weiterreise Norwegen

– Ausweis reicht
– Kinder: eigener Kinderreisepass
– Zollvorschriften beachten (speziell für Alkohol und Tabak)
– Einreise mit Tieren -> Link
– Währung: Norwegische Krone (Kurs ca. 1:9,5)
– Geld: Abheben an Geldautomaten vor Ort möglich
– Ca. 50 Euro schon vorab auf der Bank tauschen
– Tipp: Infoseite der Kgl. Norwegischen Botschaft

Anreise
-> Auto:
Über Dänemark (Fähren ab Hirtshals)
Über Schweden (Fähren ab Kiel, Puttgarten, Travemünde, Rostock)
Ab Deutschland (Fähre Kiel-Oslo)

-> Billigflieger:
Norwegian: ab Berlin, Hamburg, Köln, München, Wien nach Oslo. Ab Berlin auch nach Stavanger, Bergen und Trondheim.

Reisen in Norwegen

-> Geschwindigkeitsbegrenzung:
Innerorts: 50 km/h, Landstr.: 80 km/h, Autobahn: 100 km/h

-> Reisegeschwindigkeit:
Durchschnittl. 60-70 km/h, Tagespensum: max. 200 – 300 km

-> Maut:
Kosten pro Urlaub ca. 30-60 Euro/Auto. An den Mautstationen einfach durchfahren.
Zahlung: Rechnung wird zugesandt. (Außer Atlantiktunnel)

-> Fähren:
An Hauptstr.: mehrmals pro Stunde. An kleinen Nebenstr.: 1-5 x / Tag.
Kosten pro Urlaub: 20-120 Euro (je nach Region)

-> Typisch Norwegen:
22.700 Brücken, 952 Straßentunnel, 32 Unterseetunnel und tausende Kreisverkehre…