Nordlicht Lofoten Titel 2

Beitrag vom Mittwoch, 20. September 2017

Rorbu, Nordlicht und viel Ah und Oh – Reisebericht II

Es ist schon komisch, wenn man auf Grund des tollen Blicks anhält, sich anschließend schwungvoll wieder ins Auto fallen lässt, den magischen Startknopf drückt – und sich absolut nichts tut. Kein Brummen ist zu hören. Geschlagene zehn Minuten brauchte es bis ich begriff, dass bei diesem außergewöhnlichen PKW-Model der Motor erst beim Gasgeben zu vernehmen ist und nicht schon beim Anlassen. Tritt man jedoch anschließend etwas mehr aufs Pedal und führt den Drehzahlmesser in den Power-Bereich, so hieß der wirklich, brüllt und röhrt das Fahrzeug mit einem Schlag wie ein Elch zur Brunftzeit. Verrückte Technik!

Der Raftsund von der Brücke aus gesehen

Nach vielen schwungvollen Kurven sind am Raftsund die Lofoten erreicht.
Leider liegen die Berge und das Wasser schon im Schatten, bin halt ein bisschen spät dran. Doch beim Überqueren der Brücke bietet sich ein tolles Panorama. Ich parke also zu Füßen des Bauwerks das Auto und spurte mit der Kamera unter dem Arm im Laufschritt zurück. Der Wind bläst so kräftig, dass ich mich zwar mehr als Möwe, denn als Mensch fühle, aber für den tollen Blick lohnte sich der Einsatz allemal.
Außerdem ist nun alle Trägheit, die mich noch von der langen Anreise und dem frühen Aufstehen her umgab, verflogen. Wie passend!

Lustig, was einem manchmal so durch den Kopf geht. Nach der nächsten Kurve waren es jedenfalls binnen einer Minute folgende Dinge: „Der Raftsund liegt echt früh im Schatten. – Oh, wow, das ist ja ein gigantischer Blick. Und die Sonne scheint ja hier noch richtig kräftig. – Hab ich einen Hunger, aber auf der ganzen Strecke gab es nicht einen Laden. – Ach egal…“
Folgende Erkenntnis erwächst nun aus diesen Gedanken: Auf der über 170 Kilometer langen Strecke vom Flughafen in Evenes nach Svolvær auf den Lofoten gibt es einige tolle Panoramen, aber man muss hungern! (Es sei denn, man hat ein „matpakke“ (Lunchpaket) bei sich oder man plant einen 4 Kilometer-Abstecher nach Lødingen zum Rema 1000 ein.)

Am Abend, beim Einbruch der Dunkelheit, erreichte ich das Nyvågar Rorbuhotell am Rande von Kabelvåg. Es ist an einem kleinen Sund gelegen und eine wirklich wundervolle Unterkunft mit leckerem Frühstück. Von hier aus kann man das Aquarium und das Lofotmuseet zu Fuß erreichen.
Was mich ein klein wenig störte, waren die vielen hellen Lichter. Laut Vorhersage stand nämlich noch Nordlicht auf dem Plan und zur besseren Betrachtung des Phänomens sollte es bestenfalls richtig Dunkel sein. Da es aber eh noch einige viel zu helle Streifen am Himmel gab, experimentierte ich ein wenig mit verschiedenen Belichtungszeiten und fotografierte die Anlage. Machte zwar Spaß, aber ich bekam auf die Dauer Zweifel, ob ich bei den vielen Lampen noch mehr zu sehen bekomme als rote Rorbuer.
Kurzerhand stieg ich ins Auto und fuhr die nähere Umgebung ab. Doch entweder überstrahlte eine Laterne alles, oder der Mond. Als ich jedoch nach einiger Kurverei wieder am Museum vorbei kam, wurden mit einem Schlag im Firmament die Lichter angezündet. Es flackerte und flimmerte trotz Helligkeit. Etwas hektisch stellte ich mein Stativ auf und positionierte die Kamera. Der Rest waren 10 Minuten Krampf und Kampf gegen den Wind. Vier wackelige Bilder gelangen, dann war das Spektakel vorbei. Ich hakte es als einen ersten Versuch ab und fuhr in Richtung Henningsvær, hinaus in die Finsternis. Tja, da saß ich nun. Dunkel war`s, der Mond schien helle. Was fehlte war das Nordlicht. Da hörte ich ganz laut mein Bett rufen und fuhr zurück. Vielleicht ein anderes Mal mehr.

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