St. Hans – Midtsommer in Norwegen

Verfasst am 23.06.2017 | Abgelegt unter Feste / Traditionen / Festivals

Am 21. Juni war der längst Tag des Jahres, und damit der klassische Mittsommertag (norweg.: midtsommer). Gefeiert wird dieses Fest in Norwegen jedoch ein wenig später, nämlich genau am 23. Juni, am Vorabend des Tages Johannes des Täufers. Folgerichtig heißt das Fest auch Sankt Hans.
In Schweden und Finnland findet die Feier, die hier keine christlichen Wurzeln hat, immer am Freitagabend nach dem 21.6. statt. Das Datum ist dann im Gegensatz zu Norwegen ein offizieller Feiertag. In Norwegen wurde dieser ab 1770 sukzessive abgeschafft, dem dänischen König war das Fest zu norwegisch. Allein im Städtchen Sandefjord haben heute noch an diesem Tag alle frei.

Traditionell werden in Norwegen zu St. Hans große Feuer abgebrannt, die höchsten davon in Bergen und Ålesund, eines der schönsten im Freilichtmuseum Maihaugen in Lillehammer.
Das Feuer sollte einst gegen böse Mächte schützen. Da es der Sonne ähnelte, nahm man an, es könne deren Kraft verstärken. Gerne wurde und wird auch um das Feuer herum getanzt.
Einst setzte man auch eine Puppe auf das Feuer, die das Alte und Vergangene symbolisieren sollte, von dem sich die Menschen gerne trennen wollten.
Kurioserweise wurde auf Grund des heidnischen Ursprungs das Feuer in Schweden verboten und durch eine bunt geschmückte Maistange ersetzt, um die man nun wiederum herumtanzt. Das heißt, in Norwegen hat das Mittsommerfest einen christlichen Bezug zu Johannes dem Täufer, wird aber um ein eigentlich heidnisches Feuer ergänzt. In Schweden sollte das Fest einen christlichen Bezug durch das Verbot des Feuers erhalten. Dies jedoch schlug fehl, da die Glut durch eine ebenso das Neue und Fruchtbare symbolisierende heidnische Stange ersetzt wurde.

Die St.-Hans-Nacht gilt als eine Nacht mit besonderer Kraft, ähnlich der Weihnachtsnacht. Wenn zum Beispiel ein junges Mädchen in dieser Nacht sieben Kräuter sammelte und diese unter ihr Kopfkissen legte, so würde sie von ihrem zukünftigen Liebsten träumen.
Auch in dieser Nacht geschöpftes Wasser hatte eine besondere Kraft und konnte u.a. gegen Augenleiden helfen. Eine besonders heilsame Quelle wurde in Borre bis ins 19. Jahrhundert hinein regelmäßig besucht.

Auch in Norwegen sind Blumenkränze ein gern gesehener Mittsommer-Schmuck. Einst war es so, dass die Frau des Hofes an jenem Abend um das Feld herum ging, Kornhalme und Blumen sammelte und daraus einen Kranz flocht. Dabei sang sie ein Lied, das den Acker für die fruchtbare Zeit erwecken sollte.

In Sandefjord wird der Tag zudem mit einem großen Bootskorso geifert. Auch andernorts am Oslofjord verlagert sich das Fest teils aufs Wasser.

Typisches St.-Hans-Essen kommt vom Grill und wird durch norwegische Erdbeeren und Rømmegrøt, also Sauerrahmgrütze, ergänzt.

Weitere Hintergrundinformationen zum heutigen Tag findet ihr auf diesen Seiten: 1, 2.

Quellen: 1, 2

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