Alltagsgeschichten aus dem äußersten Norden

Verfasst am 06.09.2018 | Abgelegt unter Gesellschaft / Leben in Norwegen, Kultur / Architektur / Design, Typisch Norwegisch, Wohnen in Norwegen - Blog

Saskia wohnt im äußersten Norden Norwegens. Sie ist eine genaue Beobachterin des norwegischen Alltags. Dabei fallen ihr so manche liebenswerte Besonderheiten auf, von denen ich euch heute einige vorstellen darf:

1. Nach Ostern an der Supermarktkasse. Der Verkäufer erzählt stolz dem Kunden vor mir, dass er am Wochenende mit seiner Frau auf seiner ersten Langlauftour dieses Jahr war (Anmerkung der Redaktion: Seit 5 Monaten liegt Schnee.). Doch jetzt habe er so heftige „gangsperre“ (Muskelkater), dass die nächste Tour mindestens bis zum nächsten Winter warten muss.

2. Im August an der Supermarktkasse. Seit 5 Jahren gibt es erstmals lose Aprikosen und Nektarinen zu kaufen. Die Verkäuferin (ca. Mitte 20) schaut und überlegt und schaut, während sie die Aprikosen in der Hand hat. „Sind das Pflaumen?“ Und als ich mir dann am Ende doch die Rechnung noch anschaue, sehe ich, dass die Nektarinen als rote Äpfel durchgegangen sind. Was der Fischer nicht kennt … Mir wird auch immer erzählt, dass es vor 5 Jahren noch nicht einmal Zucchini gab.

3. Ich radle zum Supermarkt (mal wieder) und halte brav (wie in Deutschland gelernt) meine Hand nach rechts und links raus … Kaum im Supermarkt angekommen, lobt mich lauthals und völlig ernsthaft ein Autofahrer, dass das großartig war :) Ich bin mir nicht sicher, ob das hier überhaupt praktiziert wird. Man outet sich so schnell als Deutscher … Ich kann es auch nicht lassen, über Fußgängerüberwege mein Tempo zu beschleunigen, damit die Autofahrer ja nicht lange warten müssen. Eine deutsche Freundin habe ich auch letztens rennen sehen. Da musste ich so über uns lachen. Die Nord-Norweger haben da völlig die Ruhe weg.

4. In der Stadt war am vorletzten Wochenende das jährliche „Altaturneringen“, ein riesiges Fußballturnier für Kinder und Jugendliche. Ich habe mit Fußball wirklich nicht viel am Hut, klickte mich aber zumindest mal auf der Internetseite rein, um zu erfahren, wie das ganze abläuft. Völlig baff lese ich, dass insgesamt 352 Mannschaften teilgenommen haben. Wie viele Kinder gibt es hier eigentlich in Nord-Norwegen? Mehr als 100 Mannschaften kamen bereits aus Alta (33% der 20.000 Einwohner sind ja schließlich Kinder). Und einige Küstendörfer haben sich spontan zusammengefunden, damit sie auch eine Mannschaft stellen können. Dabei sein ist wie immer alles, wer braucht schon Training?

5. Das gleiche Bild zeigt sich beim Radrennwochenende in der Stadt. Es gibt auch ein Laufrad-Wettbewerb für die Kleinsten. Dort nahmen dann mal spontan 520 Mini-Kinder teil. Überall riefen die Erwachsenen den Mäusen zu, wo es lang geht und wie super sie das machten, auch wenn sie gerade standen und überlegten oder rückwärts fuhren …

6. Montag Morgen 7 Uhr auf Arbeit. Ich komme gerade in die Haupthalle vom „Krankenhaus“ rein, da ruft mir die Rezeptionistin zu, dass ich dem Mann, der gerade raus gegangen ist, doch schnell hinterlaufen solle. Er sprach Deutsch und brauchte Hilfe, sie verstand aber nicht, was er wollte. Nach einem kurzen Morgenlauf erreichte ich ihn und fragte, ob ich ihm helfen könne. „Ich suche einen Bäcker?“ Typischer Deutsch geht es gar nicht :) . Ohne unser Brot und Brötchen können wir kaum überleben. Doch wir versuchen alles – und wenn das bedeutet, 7 Uhr morgens im Krankenhaus nachzufragen. PS: Als ich das erste Mal nach einem halben Jahr nach Deutschland geflogen war, kam ich mit 5 Laiben Brot im Handgepäck wieder zurück … Heute schaffe ich es ohne, denn das Brot schmeckt eben auch nur in Deutschland so gut.

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