Du bist ein Bambling!

Verfasst am 26.10.2018 | Abgelegt unter Gesellschaft / Leben in Norwegen, Norwegisch / Norsk

Ein Mensch aus Halle ist ein Hallenser. Einer aus Erfurt ein Erfurter. Kölner, Münchner, Bremer, Oer-Erkenschwicker – die Bildung von Ortsherkunftsbezeichnungen ist im Deutschen nicht wirklich schwierig. Allenfalls kann es dann im Nachhinein zu Verwechslungen kommen, beim Hamburger mit einem Fastfoodgericht und beim Berliner mit dem Pfannkuchen gleichen Namens.

Solche Zweideutigkeiten bietet die norwegische Sprache nicht, die Herkunftsbezeichnungen sind unverwechselbar und unverkennbar, aber auch die reinste Hölle. Regelmäßigkeiten sind Fehlanzeige, Vorhersagbarkeit ebenso. Es gibt allenfalls einige Endungen, die häufiger vorkommen als andere, das war es dann aber auch schon mit der Hilfestellung. Welche Endung die richtige ist gleicht einem munteren Rätselspiel, bei dem oft genug auch die Norweger keine Lösung wissen. Aus diesem Grunde hat der Sprachrat (språkrådet) des Landes eine nahezu vollständige Liste erstellt, auf der auch ihr gewiss euren norwegischen Lieblingsort entdeckt. Nur wie die Menschen aus diesem Ort heißen, da würdet ihr ohne Hilfestellung wahrscheinlich nie drauf kommen.

Aber schauen wir uns mal ein paar Orte an:

Osloer wären osloenser oder oslomann/oslokvinne. Bergener sind bergenser, Menschen aus Trondheim nennen sich trondhjemmer, nach dem alten Ortsnamen Trondhjem. So weit, so gut.

Schalten wir eine Stufe hoch. Ein Bürger der ostnorwegischen Stadt Trysil ist ein trysling, einer aus Ulstein ein ulsteining. Eine Mensch aus Vågå ist ein vågåvær, wobei die Endung vær so viel wie Dorf heißt. Besonders spannend, und für unsere Ohren auch ein ganz kleines bisschen amüsant, wird es beim Buchstaben B. Da gibt es also den bremnesing (Bremnes), den brummunddøl (Brumunddal), den bruviking (Bruvik), den brønnøyfjerding (Brønnøysund), den brøtning (Brøttum), den bøhering (Bø), den brandvalsokning (Brandval) und den bambling (Bamble). Tolkien hätte es sich nicht besser ausdenken können. Und dass sich Menschen aus Stavanger siddis nennen, wer konnte das schon wissen? Abgeleitet wird dieses recht neue Wort übrigens vom englischen City, was einiges über die Selbstwahrnehmung dieser Südwestnorweger erzählt. 

Ein kleiner Tipp zum Schluss. Ihr müsst euch all diese Namen nicht wirklich merken. Im Laufe der Jahre hat es sich eingebürgert, diese Hürde wie ein Riff zu umschiffen. Es reicht vollkommen „folk fra“ (Leute aus), „kvinne/mann/jente/gutt fra“ (Frau, Mann, Mädchen, Junge aus) oder „han/hun er fra“ (er/sie ist aus) zu sagen. Also statt „Osloenser er hyggelige.“ (Osloer sind nett.) würde man eher „Folk fra Oslo er hyggelige.“ (Leute aus Oslo sind nett.) sagen.

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