Edvard Munch und das vermutlich erste Selfie der Welt

Verfasst am 10.01.2020 | Abgelegt unter Geschichte & Ortsgeschichten, Kultur / Architektur / Design, Typisch Norwegisch

Dem berühmten norwegischen Maler Edvard Munch (1863 – 1944) tritt man gewiss nicht zu nahe mit der Feststellung, dass er ein schwieriger Charakter war und einen gewissen Hang zum Alkohol hatte. Doch welcher geniale Künstler dieser Welt kann und konnte schon als menschlich einfach und einem Engel gleich als fehlerfrei gelten? Bei Munch jedenfalls führten Lebenskrisen auch immer zu neunen, innovativen Schaffensperioden. So kann dem Maler in Folge des Österreichers Oskar Kokoschka mit dem erstmals 1893 entstandenen Werk „Der Schrei“ das erste expressionistische Gemälde der Welt zugeschrieben werden, entstanden noch lange vor der eigentlichen Zeit des Expressionismus. Munch zeigte sich jedoch auch auf dem Gebiet der Fotografie erfinderisch, mit dem vermutlich ersten Selfie der Welt.

Bereits 1826 war es, als es dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce gelang, das erste beständige Bild aufzunehmen. Ganze acht Stunden Belichtungszeit waren dafür notwendig. Louis Jacques Mandé Daguerre verfeinerte die Methode, sodass man bald nur noch einige Minuten Geduld haben musste. Bereits 1839 nahm der Amerikaner Robert Cornelius das erste Selbstporträt auf. Dazu verharrte er unbeweglich mit verschränkten Armen vor der Kamera. Das Bild ist zudem das erste Foto eines Menschen in Amerika.
Auch der Franzose Hippolyte Bayard experimentierte mit Aufnahmen seiner eigener Person und inszenierte sich liegend oder sitzend vor dem Objektiv.

Mit dem Aufkommen der 1888 vorgestellten „Kodak Nr.1“ wurde die Fotografie nun für Jedermann zugänglich. Auch wurden die Kameras immer kompakter und handlicher. Eines der ersten Bilder, auf denen Fotograf, Kamera und Foto eng zusammenrücken, stammt vom belgischen Malers Henri Evenepoel. Der Künstler schaut in einen Spiegel und lichtet sich selbst ab. Ein Selfie, das Wort existiert übrigens erst seit dem Jahr 2002, im engeren Sinne hatte er damit jedoch noch nicht erstellt. Für dieses ist es nämlich nötig, dass der Fotograf die Kamera selbst hält und auf sich selbst richtet. Um 1900 hätte dies auf Grund des Gewichts der Apparate einen ziemlichen Kraftakt, verbunden mit einer noch immer reichlich geforderten Ausdauer, bedeutet.

Es sollten daher noch ein paar Jahre vergehen, bis die ersten Künstler auf die Idee kamen, die Kamera haltend sich selbst abzulichten. Gemeinhin wird nun die Ehre des ersten Selfies in der Geschichte der Menschheit dem Briten Joseph Byron (1847 – 1923) zugeschrieben. 1909 war es, als er auf einem Dach stehend die Kamera auf sich selbst hielt, abdrückte und viel Geduld bewies. Weniger bekannt ist jedoch, dass schon ein Jahr zuvor, also 1908, Edvard Munch ein Selfie erstellte. Munch war gerade in Dr. Jacobsens Klinik in Kopenhagen eingeliefert worden, nachdem er sich, an einer Psychose leidend, hoffnungslos betrunken hatte. Das Bild zeigt nun den Maler, wie er auf dem Krankenbett liegend, die Kamera am ausgestreckten Arm von sich weg hält.

Ob nun Edvard Munch wirklich der erste Mensch der Welt war, der ein Selfie anfertigte, lässt sich natürlich nur schlecht beweisen. Vielleicht existieren in den verstaubten Dachkammern der Welt noch ältere Bilder. Von jenen, die öffentlich bekannt sind, ist jedoch Munchs Selbstporträt das definitiv älteste.

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