Insel Selja – Klosterruinen und die Heilige Sunniva

Verfasst am 08.07.2014 | Abgelegt unter Mythologie / Sagen, Westnorwegen / Mittelnorwegen

Ganz im Westen des Landes, am Beginn der Halbinsel Stad, auf der auch das sturmumtoste Westkap liegt, findet sich das Örtchen Selje (zu Deutsch: Weide). Läuft man hier am wunderschönen, weißen Sandstrand entlang, so hat man freien Blick auf die Insel Selja (Lage), auf der sich im 10. Jahrhundert folgendes zugetragen haben soll:
Es war einmal eine irische Königstochter. Sie war schön, wohlhabend und dem christlichen Glauben zugetan. Als nun ein heidnischer, seines Zeichens zudem mächtiger und brutaler König, sie zur Frau nehmen wollte, verweigerte sie den Gehorsam und floh. Zusammen mit ihren Getreuen bestieg sie drei Schiffe ohne Segel und Ruder und befahl sich den Wellen und Gottes Gnade an.  Die Boote trieben nach Nordosten, in Richtung der Westküste Norwegens. Ein Teil ihrer Mannschaft ging auf der Insel Kinn bei Florø an Land, Sunniva und weitere Getreue auf Selja, wo sie fortan in einer Höhle lebten. Es dauerte nicht lange und die Neuankömmlinge erregten Aufmerksamkeit und Misstrauen unter der heidnischen Bevölkerung. Sie wurden beschuldigt Schafe zu stehlen und so wurde König Håkon Ladejarl gerufen, sie zu töten. Sunniva sah das Unheil kommen und betete zu Gott, er möge sie beschützen und die Höhle einstürzen lassen. Und so geschah es.
Die Legende berichtet nun, dass der nunmehr christliche König Olav Tryggvason nach Selja reiste und dort wundersam süßlich duftende Gebeine fand. Der Körper Sunnivas soll sogar nahezu unversehrt gewesen sein. Er wurde 996 beerdigt.

Ob man nun diesen alten Überlieferungen Glauben schenkt, oder nicht, sei dahin gestellt. Tatsache ist jedoch, dass die Insel Selja eine ganz eigene Magie ausstrahlt und in jedem Fall einen Besuch wert ist. Erreichbar ist das Eiland ab Selje innerhalb von 15 Minuten mit dem Boot (Routenzeiten) in der Zeit vom 4.5. bis zum 28.9.

Nachdem König Olav Tryggvason Sunniva fand, wurde ihr zu ehren eine erste Kirche errichtet, die Sunnivakirche. Die Insel entwickelte sich fortan zu einem heiligen Ort und Ziel vieler Pilgerer, deren bekanntester gewiss König Olav II Haraldsson war. Er erreichte das Eiland 1015 im Alter von 20 Jahren, an einem für diese stürmische Gegend außergewöhnlich windstillen Tag. Er fand, dass der altnordische Name der Insel, Sæla, gut passte, konnte man diesen doch auch mit „Glück“ übersetzen. Über Olav wird weiterhin berichtet, dass er auf seiner Wanderung im Lehm ausglitt und sich das Knie stieß. Er meinte daraufhin: „Nun bin ich gefallen“, sein Ziehvater jedoch meinte: „Du fielst nicht, mein Herr. Nun hast du in Norwegen festen Boden unter den Füßen.“ Olav erwiderte: „So kann es gehen, so Gott will.“ Olav machte sich später durch die Christianisierung des Landes einen Namen und erhielt den Beinamen „der Heilige“.

In den Folgejahren wurden auf der Insel weitere Kirchen und ein bischöfliches Benediktiner-Kloster erbaut. Von allen Gebäuden sind nach den Zerstörungen im Zuge der Reformation im 16. Jahrhundert nur noch Ruinen zu sehen. Erhalten blieb lediglich der markante, 14 Meter hohe Turm der Albanuskirche. Die Wohnanlage daneben diente in jener Zeit, als Norwegen zu Dänemark, gehörte als Steinbruch. U.a. lies der dänische Astronom Tycho Brahe (1546 -1601), dem die Region Nordfjord von König Frederik 2. als Lehen zugesprochen worden war, Material für sein Observatorium Stjerneborg und das Schloss Uranienborg abtransportieren.
Das eigenwilligste Gotteshaus der Insel ist die dem Erzengel Michael geweihte Mikaelskirche. Es handelt sich bei dieser um eine der wenigen Höhlenkirchen Europas und liegt vermutlich in jener Grotte, in der sich Sunniva einst versteckte. Ihr zu Ehren wird hier am 8. Juli, also ihrem Namenstag, eine Messe abgehalten.

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(c) Reinhard Pantke

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„Was für ein Land, meine Heimat! Schneebedeckte Berge und der Geruch nach Heide und Moor. Eine frische Brise, die über kristallklares Wasser heranweht, von Fjorden, die sich in die verstecktesten Winkel schlängeln. Wo im Sommer die Sonne nie verschwindet, gerade nur den Horizont berührt, bevor sie wieder aufsteigt und ihre Bahn über den Himmel zieht.“ (Liv Ullmann, *1938, aus: Wandlungen)

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