Inventio Fortunata oder Der Reichtum am Nordpol

Verfasst am 05.04.2019 | Abgelegt unter Geschichte & Ortsgeschichten, Mythologie / Sagen

Der Traum vom Reichtum treibt die Menschen schon seit Anbeginn um. Ob dies so gut ist, sei dahingestellt, Tatsache ist jedoch, dass dieses Streben zu ganz eigenwilligen Entdeckungen führt und vor allem führte.

Im 14. Jahrhundert jedenfalls berichtete ein Buch mit dem verführerischen Titel Inventio Fortunata, „Eine glückliche / Geld einbringende Entdeckung“, von ungeahnten Möglichkeiten im Norden Europas. Autor des Werkes war vermutlich in den 1360er Jahren ein Franziskanermönch, der im Auftrag des englischen Königs Edward III unterwegs war. Anliegen des Autors muss es gewesen sein, von der nachlassenden Stärke des Königreichs Norwegen zu berichten und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten für England hervorzuheben und zu preisen.

Als die großen Entdeckungsfahrten im 15. Jahrhundert starteten, war das Buch jedoch bereits verloren gegangen. Es existierte nur noch eine, von dem aus Brabant stammenden Reisenden Jacobus Cnoyen, um 1490 anfertigte Zusammenfassung, die dieser aus verschiedenen Quellen zusammentrug, ohne die Inventio Fortunata selbst in der Hand gehabt zu haben. Das Hauptaugenmerk des Verfassers galt nun weniger dem Reichtum und der nachlassenden Stärke Norwegens, das Land war ohnehin längst in einer Union mit Dänemark aufgegangen, sondern dem sagenhaften Nordpol. Vor dem Hintergrund des bereits bekannten Magnetismus, wurde dieser als eine magnetische Insel, Rupes Nigra („Schwarzer Stein“), beschrieben. Da Cnoyen durch norwegische Berichte ebenfalls von Gezeitenströmen, wie dem vor der Küste der Lofoten liegenden Moskenesstraumen, wusste, verortete er diese Strudel rund um den nördlichsten Punkt der Welt. Der Kartograph Gerhard Mercator griff im 16. Jahrhundert wiederum diese Ideen auf und siedelte außerdem rund um den Nordpol vier Kontinente an. Auch legte er sein Hauptaugenmerk auf zwei einst norwegische Inselgruppen, die Färöer Inseln und die Shetland Inseln. Das dritte eingezeichnete Eiland, Frisland, hat hingegen nie existiert, genauso wenig wie der magnetische Stein am Nordpol und die ihn umringenden Landmassen. Dass der nördlichste Punkt der Erde durch den Klimawandel und das stark tauende Eis über 650 Jahre nach der Inventio Fortunata wieder ökonomisch in den Blickpunkt gerät, ist durchaus eine Ironie der Geschichte. 

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