Kleine Türmchen – überall

Verfasst am 02.09.2015 | Abgelegt unter Entdeckungen-am-Wegesrand, Mythologie / Sagen, Typisch Norwegisch

Reist man durch Norwegen, so wird man sie überall entdecken, vor allem im Gebirge, kleine, kunstvoll gestapelte Steintürmchen.
Einst waren es derer nicht so viele, und sie hatten auch einen tieferen Sinn. Ein Varde, so der norwegische Name, stellte man auf, um Grenzen oder Straßen zu markieren. Zur Zeit der kartographischen Vermessung des Landes dienten sie zudem als trigonometrische Punkte. Die runden oder viereckigen Türme wurden meist auf Bergen platziert und maßen 1 bis 1,5 Meter im Durchschnitt und 1,5 bis 2 Meter in der Höhe.

Varder werden zudem vom norwegischen Wanderverband (DNT) zur Markierung von Wanderwegen verwendet. Und vielleicht liegt genau da der Ursprung für die Verselbstständigung dieser Türmchen, denn seit einigen Jahrzehnten tauchen diese immer häufiger auf Bergpässen entlang von Straßen auf. Angeblich sollen sie der Trollabwehr dienen. Trolle gelten ja gemeinhin als jähzornig, aber auch ein wenig simpel. Dringt man nun in ihr Reich ein, so stößt dies durchaus auf Missfallen. Mit einem kleinen Steinmonument kann man das Trollgemüt jedoch fröhlich stimmen und kann so die Reise bergab antreten, ohne Angst haben zu müssen, dass die Trolle mit Steinen nach einem werfen.

Nun sind natürlich solche Geschichten recht lustig und romantisch, trotzdem sollte man genau schauen, wo man einen selbst kreierten Varde errichten kann, und wo nicht. Entlang von Parkplätzen in touristisch erschlossenen Gebieten sehe ich es als unproblematisch an. Auf Wanderungen und in Tundrenregionen des Nordens sollte man darauf unbedingt verzichten, auch da vor allem im Nebel die mit „echten“ Varden gekennzeichneten Wege nicht mehr als solche eindeutig erkennbar sind.

Eine Sonderform der Varden heißen übrigens Vete, Vedvarde (Holzturm) oder Ildvarde (Feuerturm). Es handelt sich um Feuerstellen, am Meer oder auf Bergen, wo Holz gestapelt und bei Gefahr angezündet werden konnte. Veter sind seit der späten Eisenzeit in Skandinavien bekannt. Sie wurden alle 15 bis 30 Kilometer platziert. Über ein solches Signalsystem konnte vor Angriffen und drohenden Kriegen gewarnt werden. Bergnamen wie  Vettakollen (Oslo), Våttåkammen (Trondheim), Vattafjellet (Namsos) und Vattatveit (Ulvik) verweisen auf das frühere Vorhandensein von solchen Feuerstellen.

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