Norwegische Erfindungen

Verfasst am 01.03.2016 | Abgelegt unter Made in Norway, Politik / Wirtschaft / Wissenschaft, Projekte_interessante, Typisch Norwegisch

Im Gegensatz zu Schwaben und Schweden gelten die Norweger nicht als besonders erfinderisch. Doch Wahrnehmung und Realität liegen ja nicht immer eng beieinander und daher soll diese kleine Übersicht vom Gegenteil überzeugen.

Für Alltag und Sport

Fangen wir mit dem Käsehobel an. Gut, es ist sicher nicht die wichtigste Erfindung der Welt, die wir da dem aus dem Gudbrandsdal stammenden Thor Bjørklund verdanken, der Käse endlich einmal „hobeln“ und nicht „schnitzen“ wollte. Doch praktisch ist dieses 1925 zum Patent angemeldete Hilfsmittel allemal.
Noch häufiger zur Anwendung kommt wahrscheinlich die Büroklammer, deren moderne Variante auf Johan Vaaler zurückgeht und 1899 entworfen wurde. Vaaler vermarktete sein Patent jedoch nicht. Während des II. Weltkriegs entwickelte sich das Tragen einer Büroklammer am Revers zu einem Symbol für den Widerstand gegen die deutschen Besatzer und für den Zusammenhalt des norwegischen Volkes.
Der wohl bekannteste Kinder-Hochstuhl der Welt nennt sich Tripp-Trapp und wurde 1972 vom Möbeldesigner Peter Opsvik entworfen. Der höhenverstellbare Stuhl wird durch die Firma Stokke vertrieben.
H-FensterIm Gegensatz zum Hochstuhl, den wohl am Ende doch nur Familien mit kleinen Kindern bei sich zu Hause am Tisch stehen haben, kommt das H-Fenster (H-vindu) in relativ vielen skandinavischen Häusern zur Anwendung. Vor allem schräge Dachfenster werden nach diesem Prinzip geöffnet. Die Erfindung geht auf das Jahr 1959 zurück und stammt von der Firma H-vinduet in Ålesund. (Das h steht dabei übrigens für husmor, Hausfrau.)
Einer weiteren norwegischen Erfindung begegnet man beim Einkaufen, und zwar in Gestalt des Pfandautomaten. Entworfen wurde dieser von den Brüdern Planke Ende der 1970er Jahre.
Revolutionierte der Pfandautomat die Flaschenrückgabe, so kann im Bereich des Skisports ähnliches für die Rottefella Skibindung gelten. Die „Rattenfalle“ wurde 1927 von Bror With entwickelt und entspricht der heutigen NNN-System (New Nordic Norm). Zum ersten Einsatz kam die Rottefella-Bindung 1928 bei den Olympischen Spielen in St. Moritz. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Ski mit Riemen und Schnallen am Fuß befestigt, nun hakte man mit einem Metallstab in die Bindung ein. Der Schuh hingegen wird auf einer Schiene geführt.
Und überhaupt gibt es im Bereich des Skifahrens zahlreiche norwegische Erfindungen. Die Sportarten Skispringen, Nordische Kombination, Slalom und Biathlon stammen aus Norwegen, ebenso wie die alpine Stahlkante und die ersten Carving-Ski.

Ebenfalls im Freizeit-Bereich kommen die ab 1877 von Helly Hansen produzierte Regenkleidung und die 1890 von „Fuglesangs Sønner AS“ produzierten und von Fridtjof Nansen mitentwickelten Outdoor-Schlafsäcke zum Einsatz. Auch die ersten Schlafsäcke mit Daunen, Reißverschluss und aus Kunstfaser wurden in Norwegen entwickelt. Fridtjof Nansen steht zudem für die Entwicklung der mehrlagigen Outdoorkleidung (Zwiebelschlalenprinzip), die Mitentwicklung des Outdoor-Kochers (Nansen-Kocher; Primus) und die Weiterentwicklung des Pulks (Pulka), also des Transportschlittens bei Skitouren. Der Schlitten wurde leichter konstruiert und trug fortan den Namen Nansenschlitten.

Eher humoristisch zu sehen ist hingegen der Bubble-Fußball, der 2011 in Norwegen aus der taufe gehoben wurde.
Da Norwegen Berge und Meer besitzt, gibt es natürlich auch eine Erfindung für den marinen Bereich, nämlich den Außenbordmotor. Dessen eigentliche Erfindung wird zwar dem Franzosen Gustave Trouvé zugeschrieben, jedoch konnte sich diese erst durch die wegweisenden Weiterentwicklungen von Ole Evinrude weltweit durchsetzen. Evinrude meldete seine Version 1911 zum Patent an.
Auch das GSM-Netz für den Mobilfunk stammt aus Norwegen. Torleiv Maseng und Odd Trandem stehen hinter der Entwicklung, die zum europäischen Standard wurde.

Für die Wirtschaft

Eine der wichtigsten norwegischen Erfindungen ist wohl der Kunstdünger. Dessen Herstellung wurde 1903 das Birkeland-Eyde-Verfahren revolutioniert. Beteiligt waren der Wissenschaftler Kristian Birkeland, von dem auch die erste wissenschaftliche Beschreibung des Nordlichts stammt, und der Unternehmer Sam Eyde.
Der Kunstdünger und dessen energieintensive Produktion prägten entscheidend den Wirtschafts- und Industriestandort Norwegen.

Ein Jahr später erfand Hans Sundt Berggraf aus Stavanger das Echolot, wie ein Artikel im Teknisk Ugeblad vom 8.9.1904 beweist. Leider meldete er seine Entwicklung nie als Patent an.

Die ersten Ideen zur Herstellung einer Gastturbine kamen gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf. Die erste voll funktionstüchtige Turbine dieser Art stammt von Ægidius Elling.
Nun hat nicht jeder eine Gasturbine zu Hause, es sei denn er besitzt einen Hubschrauber, bei einer Sprühdose sieht das schon anders aus. Die Erfindung der Sprayflasche geht auf den norwegischen Ingenieur Erik Andreas Rotheim der, und da sind wir wieder in der Freizeit angelangt, eine Methode suchte, Wachs besser auf seine Ski auftragen zu können. Der Farbenhersteller Alf Bjercke produzierte dann die ersten Modelle.
Lochkarten waren über Jahrzehnte hinweg eines der wichtigsten Speichermedien. Allein deren Auswertung konnte einige Zeit in Anspruch nehmen. Wie gut also, dass Fredrik Rosing Bull 1928 die Lochkartenmaschine zum Patent anmeldete.

Bedenklicher als eine Maschine zur Auswertung von Löchern ist die Granatharpune. Mit Ihr wurde die traditionelle Jagd auf Wale modernisiert und vereinfacht, sehr zum Leidwesen der Meeressäuger, die daraufhin nahezu ausstarben…
Da hege ich doch mehr Sympathie für per Pande Rolfsens Befestigungsmechanismus für Eisenbahnschienen, der noch heute teilweise zum Einsatz kommt.
Auch und vor allem im Bereich der Ölwirtschaft wurden viele Erfindungen gemacht. Viele davon sind zwar wichtig, aber eher unbekannt. Am deutlichsten sichtbar sind die Condeep-Plattformen, die 1973 von Norwegian Contractors entwickelt wurden.
Auf das Naturprodukt Lehm setzte hingegen die Firma Norsk Leca. Diese steht für eine wirtschaftlich nutzbare Weiterentwicklung des 1917 in Amerika erfundenen Blähtons. 1954 wurden die ersten leichten und porösen Leca-Steine hergestellt.

Auch im Bereich der Post war man erfinderisch tätig. So stammt die erste Frankierungsmaschine für Postwurfsendungen aus Norwegen. Die erste ihrer Art wurde 1903 in Norwegen in Betrieb genommen.

Für die Gesundheit

Kommen wir zu zwei wichtigen Dingen, die zwar eher Entdeckungen als Erfindungen darstellen, jedoch auf Grund ihrer Bedeutung hier nicht unerwähnt bleiben sollen.
Zum einen wäre da Gerhard Armauer Hansen, ein Arzt aus Bergen, der als Entdecker des Erregers der Lepra, des Mycobacterium leprae, gilt.
Zum anderen sind da May-Britt Moser und Edvard Moser, beide Nobelpreisträger, die Zellen im Gehirn entdeckten, die die räumliche Orientierung möglich machen.

Eine echte Erfindung im medizinischen Bereich ist hingegen das Röntgenkontrastmittel, entwickelt von der Firma Nycomed. Mit Hilfe der Flüssigkeit konnten Röntgenbilder deutlich besser ausgewertet werden.

Für die Wissenschaft

Ivar Giaever, ein Physiker der auch den Nobelpreis erhielt, wurde bekannt für seine experimentellen Entdeckungen betreffend das Tunnel-Phänomen in Halb- bzw. Supraleitern. Eine echte Erfindung hingegen ist die Söderbergelektrode, eine selbstbrennende Dauerelektrode, entwickelt von Carl Wilhelm Søderberg.
Polymere Plastikteilchen sind hingegen die Ugelstad-Kugeln. Die Kugeln mit einem Durchmesser von 0,001 bis 0,1 mm werden in der Industrie und der Medizin
eingesetzt. Erfinder war Professor John Ugelstad

Angst essen Seele auf

Kommen wir zum Schluss noch zu weniger schönen norwegischen Erfindungen, und damit zu Nils Waltersen Aasen. Ebenso wie der Schwede Alfred Nobel steht Aasen für Entwicklungen, die heute kriegerischen Zwecken dienen. Entwickelte Nobel das Dynamit, so zeigt sich Aasen für die moderne Version der Handgranate und eine Weiterentwicklung der Tellermine verantwortlich.
Die moderne Handgranate entwickelte er ab 1903, in einer Zeit, da der Konflikt zwischen Norwegen und Schweden um die Unabhängigkeit Norwegens zu eskalieren drohte.
Norwegens Armee zeigte jedoch kein Interesse, woraufhin er seine Produktion nach Dänemark verlagerte und von dort aus erfolgreich exportierte.
Seine modernisierte Tellermine, auch Der Automatische Soldat genannt, war, wie auch bei Nobels Erfindung, zur Abschreckung gedacht und sollte als Defensivwaffe eingesetzt werden.
Seine Handgranaten wurden ab 1917 auch von Norwegens Militär angekauft und er erhielt für diese Erfindung zahlreiche Ehrungen.

Wikipedialiste, Store norske oppfinnelser, Oppfinnelser

Öl und Gas – Innovationen 

Norwegeninfos:

Norwegen auf Amazon – Bücher, Bekleidung, Fahnen, Aufkleber.

Aktuelle Norwegen-Impressionen

Bilder meiner Reise nach Oslo im Mai 2018, anlässlich des norwegischen Nationalfeiertags. Die Reise fand in Zusammenarbeit mit dem Nordis-Magazin statt.

Buchtipps – Veröffentlichungen des Norwegen-Service

Martin Schmidt

Individualreiseführer:
Reisehandbuch NorwegenReisehandbuch Südnorwegen
City Trip Oslo, Bergen, Erfurt / Weimar

Bildband:
Thomas Härtrich & Martin Schmidt: Sehnsucht Norwegen

Sprachbücher:
Einstieg Norwegisch (Hueber Verlag)
Power Sprachtraining (Pons)
Oh, dieses Norwegisch (Conrad Stein Verlag)

Kleine Länderkunde

– 323.802 km² ist Norwegen groß, und damit etwas kleiner als Deutschland. Rechnet man jedoch den von Norwegen verwalteten arktischen Archipel Spitzbergen mit hinzu, sind es 384.824 km².

– Im Gegensatz zu Mitteleuropa ist Norwegen äußerst dünn besiedelt. Gerade einmal 5,2 Millionen Menschen sind im Lande der Wikinger und Elche zu Hause, 660.000 von ihnen wohnen in Oslo, 279.000 in der zweitgrößten Stadt Bergen.

– Norwegen streckt sich reichlich in die Länge. Ganze 1.572 km sind es vom Südzipfel, dem Kap Lindesnes, bis zum Nordkap. An seiner schmalsten Stelle misst das Land gerade einmal 6330 Meter.

– Die Landessprache ist Norwegisch, allerdings in zwei schriftlichen Varianten: bokmål und nynorsk. Dies macht sich auch beim Ländernamen bemerkbar. Heißt Norwegen auf bokmål „Norge“, so trägt das Königreich auf nynorsk die Bezeichnung „Noreg“.
Zweite Landessprache ist Samisch, wenngleich diese nicht alle erlernen müssen.

Bezahlt wird mit der norwegischen Krone.

Homepage-Tipps

– Auf dieser Seite kannst du im Norwegen-Shop Produkte aus und zum Thema Norwegen erwerben. Viel Spaß beim Stöbern.

Norsk ! – So heißt meine Zeitschrift für alle, die Norwegisch lernen.

Fun Facts

-> Der Lærdalstunnel ist mit 24,5 km der längste Straßentunnel der Welt. Er führt von Lærdal nach Aurland in Westnorwegen und besitzt drei große, beleuchtete Felshöhlen, in denen man auch anhalten kann.

-> Der Fjærlandstunnel ist der einzige Tunnel der Welt, der unter einem Gletscher entlang führt.

-> Der Eiksundtunnel führt 287 m unter dem Meer entlang und ist somit der tiefste Untersee-Straßentunnel der Welt. Zumindest noch. Tiefere Unterseetunnel sind in Norwegen bereits im Bau.

Vermischtes

Web-Cams aus Norwegen:

Kleine Web-Cam-Sammlung Norwegen

Große Web-Cam-Sammlung Norwegen.

An- und Weiterreise Norwegen

– Ausweis reicht
– Kinder: eigener Kinderreisepass
– Zollvorschriften beachten (speziell für Alkohol und Tabak)
– Einreise mit Tieren -> Link
– Währung: Norwegische Krone (Kurs ca. 1:9,5)
– Geld: Abheben an Geldautomaten vor Ort möglich
– Ca. 50 Euro schon vorab auf der Bank tauschen
– Tipp: Infoseite der Kgl. Norwegischen Botschaft

Anreise
-> Auto:
Über Dänemark (Fähren ab Hirtshals)
Über Schweden (Fähren ab Fähren ab Kiel, Puttgarten, Travemünde, Rostock)
Ab Deutschland (Fähre Kiel-Oslo)

-> Billigflieger:
Norwegian: ab Berlin, Hamburg, Köln, München, Wien nach Oslo. Ab Berlin auch nach Stavanger, Bergen und Trondheim.

Reisen in Norwegen

-> Geschwindigkeitsbegrenzung:
Innerorts: 50 km/h, Landstr.: 80 km/h, Autobahn: 100 km/h

-> Reisegeschwindigkeit:
Durchschnittl. 60-70 km/h, Tagespensum: max. 200 – 300 km

-> Maut:
Kosten pro Urlaub ca. 30-60 Euro/Auto. An den Mautstationen einfach durchfahren.
Zahlung: Rechnung wird zugesandt. (Außer Atlantiktunnel)

-> Fähren:
An Hauptstr.: mehrmals pro Stunde. An kleinen Nebenstr.: 1-5 x / Tag.
Kosten pro Urlaub: 20-120 Euro (je nach Region)

-> Typisch Norwegen:
22.700 Brücken, 952 Straßentunnel, 32 Unterseetunnel und tausende Kreisverkehre…